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Die deutschsprachige Platypus Review

Zielsetzung der Platypus Review

Überblickt man das Universum der verschiedenen Positionen und Ziele, die linke Politik heute ausmachen, so wird man den beunruhigenden Verdacht nicht los, dass sich hinter der scheinbaren Vielfalt eine grundlegende Gemeinsamkeit verbirgt: Was heute existiert, wurde auf den Trümmern dessen errichtet, was einst möglich war.

Zum Verständnis unserer Gegenwart erachten wir es für notwendig, die unüberschaubare Anhäufung von Positionen zu entwirren, um ihre Bedeutung für eine mögliche Rekonstitution emanzipatorischer Politik in der Gegenwart zu erkennen. Dafür ist es nötig zu überdenken, was eigentlich mit dem Begriff der Linken gemeint ist.

Unsere Aufgabe beginnt dort, wo wir eine grundsätzliche Desillusionierung des gegenwärtigen Zustands progressiver Politik wahrnehmen. Wir denken, dass sich diese Ernüchterung nicht einfach durch puren Willen abschütteln lässt – durch ein einfaches „Weiter so!“ Sie muss stattdessen explizit angesprochen werden und selbst als ein Objekt der Kritik zugänglich gemacht werden. Daher beginnen wir mit dem, was uns unmittelbar entgegentritt.

Die Platypus Review wird von der Einsicht motiviert, dass die Linke orientierungslos ist. Wir möchte ein Forum für ein weites Spektrum an Strömungen und Ansätzen innerhalb der Linken bieten – nicht, weil wir Inklusion und Pluralität als Selbstzweck ansehen, sondern weil wir Uneinigkeit provozieren und gemeinsame Ziele als Orte der Auseinandersetzung eröffnen wollen. Auf diesem Weg könnten die aus den alten politischen Auseinandersetzungen resultierenden Anschuldigungen zum Zweck der Klärung des Objekts linker Kritik fruchtbar gemacht werden.

Die Platypus Review setzt sich zum Ziel, eine Plattform zu schaffen und zu erhalten, die eine Erforschung und Klärung von Positionen und Orientierungen, die heute innerhalb der Linken vertreten werden, möglich macht; einen Ort, an dem Fragen aufgeworfen und Diskussionen verfolgt werden können, die ansonsten nicht stattfinden würden. Solange die Beiträge eine ehrliche Bereitschaft für dieses Projekt zeigen, werden sie in unserer Diskussion berücksichtigt.

Ausgabe #11

Transgender-Aktivistin Leslie Feinberg verkündete in einem politischen Pamphlet von 1992, dass die Zeit für Transgender-Befreiung gekommen sei. Mehr als zwanzig Jahre später beschreiben populäre Medien die zunehmende Sichtbarkeit von transgender-Lebensstilen als ein „Trans-Tipping-Point“ oder auch als „Transmoment“. Doch bei eingehender Betrachtungfällt auf, dass all diese „neuen“ Ideen, die derzeit ins Blickfeld geraten, von Leuchten der Aufklärung bereits zum Ausdruck gebracht wurden – und zwar besser als es jetzt der Fall ist!
Volkmar Sigusch, Jg. 1940, gilt als einer der bedeutendsten Sexualforscher der Welt. Er war von 1973 bis 2006 Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft im Klinikum der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/M. sowie Professor für Spezielle Soziologie (Soziologie der Sexualität) im dortigen Fachbereich Gesellschaftswissenschaften. 1973 war Sigusch Mitbegründer der International Academy of Sex Research und 1988 der Zeitschrift für Sexualforschung. Sein Buch Ergebnisse zur Sexualmedizin war 1972 das weltweit erste Buch, das „Sexual Medicine“ oder „Sexualmedizin“ im Titel führt. Sein Buch Die Mystifikation des Sexuellen wurde 1992 in die Pariser Encyclopédie philosophique universelle als ein Werk des Jahrhunderts aufgenommen. Über 40 Jahre lang gab Sigusch die Beiträge zur Sexualforschung mit heraus. Bisher verfasste er mehr als 800 wissenschaftliche Arbeiten, darunter 42 Monographien. Seine Werke sind in viele Sprachen übersetzt worden.
Millennials haben keinen Sex, das gilt mittlerweile als gesichert. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Millennials Empfindungen abwehren, die durch Liebe und Begehren ausgelöst werden. Sie nennen es abschätzig „sich Gefühle einfangen“.1 Die weit verbreitete Paranoia um Einvernehmlichkeit verstärkt solche Ansichten vermutlich noch weiter. Und da die Opferrolle zum Prüfstein für kritische Einsicht und politische Solidarität geworden ist, werden Frauen dazu ermutigt, sich in ihren Erfahrungen als Opfer zu empfinden. Indes werden verständnisvolle Männer – durch die Last kollektiver Schuld – dazu angehalten, sich mit Tätern gleichzustellen. Das erzeugt Groll gegen all jene, deren Erfahrungen anders sind.

Ausgabe #10

Mit der erfolgreichen Revolte des Dritten Standes schien es, als würde die Menschheit endlich ihren „natürlichen“ Zustand der Aufklärung erreichen, sowohl hinsichtlich der natürlichen Umwelt wie auch der Beziehungen der Menschen untereinander. Scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten eröffneten sich, und das dunkle Zeitalter war endlich für beendet erklärt. Im Zuge der Industriellen Revolution des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts entwickelte sich jedoch ein neuer „Widerspruch“ in der bürgerlichen Gesellschaft: der des Werts des Kapitals gegenüber dem Wert der Arbeitskraft. Mit diesem Widerspruch trat auch ein neuer sozialer und politischer Konflikt zutage: der „Klassenkampf“ der Arbeiter für den Wert ihrer Löhne gegen das unbedingte Gebot der Kapitalisten, den Wert des Kapitals zu bewahren und zu vergrößern.
Es ist mitunter die Mobilmachung gegen die technisierte und verwaltende Politik, welche Rechtspopulisten zurzeit bemüht sind, gegen das politische Establishment in Stellung bringen. Zu denken, mit „Establishment“ sei direkt die ökonomisch herrschende Klasse gemeint, ist ein politisches Fehlurteil. Denn im Zentrum steht die Unterscheidung von Politik und einem administrativen Politikapparat. Es handelt sich dabei um jene Unterscheidung, die sich im 20. Jahrhundert von verschiedenen Seiten zur dominantesten Kritikform des Politischen entwickelte.
In den 1980er Jahren verabschiedete sich eine ganze Generation Intellektueller im Zeichen der Postmoderne von jeglicher Utopie. Doch bereits zuvor war die Neue Linke in den 60er und 70er Jahren mit ihrer Rückkehr zu Marx gescheitert. Aus Sicht von Althusser inszenierten die Studenten weltweit 1968 eine „ideologische Revolte“. Sie revolutionierten den kulturellen Überbau, aber nicht die sozialen und politischen Verhältnisse. Er bemerkte damit das Ende der Neuen Linken, die sich dafür entschied, Politik gegen Protest einzutauschen. Das politische Scheitern der Neuen Linken 1968 ebnete sowohl der Post-Moderne als auch dem Post-Marxismus den Weg. Ihre historischen und intellektuellen Ursprünge kreuzen sich.

Ausgabe #9

Am 07.12.2017 organisierte Platypus eine Podiumsdiskussion in Frankfurt mit dem Titel „Was ist Sozialismus? Zur internationalen Sozialdemokratie“. Die Podiumssprecher wurden dazu eingeladen, die Geschichte der Sozialdemokratie aus linker Perspektive zu reflektieren: Wie sind Sozialdemokratie und soziale Revolution heute, in Anbetracht der Geschichte, noch verbunden? Wofür steht die Sozialdemokratie politisch? Es wurden eingeladen: Hans-Gerd Öfinger (International Marxist Tendency), André Leisewitz (Zeitschrift Marxistische Erneuerung), Martin Veith (Institut für Syndikalismusforschung), Lukas Schneider (Jusos Frankfurt) und Christoph Spehr (Die LINKE).
Hans Jürgen Urban trat 1984 in die IG Metall ein und ist seit 2007 geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Die Fragen im Interview wurden von Daniel Schultz und Anne Franz erarbeitet. Das Interview selbst führte Daniel Schultz. Beide sind Mitglieder der Platypus Affiliated Society.

Ausgabe #8

Detlev Claussen ist emeritierter Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität in Hannover. Entgegen einer Vereinnahmung durch den akademischen Betrieb und der Anklage eines kulturpessimistischen Rückzuges in einen vermeintlichen Elfenbeinturm verteidigt Claussen die politische Relevanz der Kritischen Theorie und geht in seinen Schriften auch dem Einfluss Lenins auf Adornos Denken nach. Jan Schroeder ist Mitglied bei Platypus. Das nachfolgende Interview fand am 21. März 2017 statt.
Die Frankfurter Schule behandelte das Problem des politischen Scheiterns des Sozialismus unter dem Gesichtspunkt des revolutionären Subjekts: der Massen in der demokratischen Revolution und der politischen Partei für den Sozialismus.
Rajko Eichkamp ist Publizist und lebt in Berlin. Er veröffentlicht in der Zeitschrift „Bahamas“ in unregelmäßigen Abständen. Seine Texte hinterfragen linke Selbstverständlichkeiten und gängige Freund-Feind-Erklärungen. Frederic Eylenstein ist Mitglied von Platypus und sprach mit Eichkamp über aktuelle Umbrüche in der internationalen Politik und deren Bedeutung für die Linke. Das Interview fand am 2. Dezember 2017 statt.

Ausgabe #7

Zum 100. Jubiläum der Russischen Revolution von 1917 veranstaltete Platypus am 03. November 2017 eine Podiumsdiskussion in Frankfurt mit Frank Ruda (Philosoph), Lars Quadfasel (Hamburger Studienbibliothek), Anton Stortchilov (Die LINKE) und Rafael Rehm (Der Funke).
Bini Adamczaks neu erschienenes Buch Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom möglichen Gelingen der Russischen Revolution nimmt sich ihrer Geschichte an, um die potentiellen, aber nicht realisierten Möglichkeiten des historischen Moments erfahrbar zu machen. Mit der freundlichen Zustimmung des edition assamblage Verlags sowie Adamczak selbst kann hier ein kleiner Auszug aus dem Kapitel

Ausgabe #6

Sascha Staničić ist Bundessprecher der Sozialistischen Alternative (SAV) sowie verantwortlicher Redakteur des Internetportals und gleichnamigen Magazins sozialismus.info. Seit 1987 ist er aktiv in der sozialistischen und gewerkschaftlichen Bewegung, seit 2010 Mitglied der LINKEN. Er ist (Mit-)Autor der Bücher „Anti-Sarrazin“ (PapyRossa, 2011), „Brandstifter: AfD. Pegida. Islamhass“ (Manifest-Verlag, 2017) und Mitherausgeber von „Nach Goldschätzen graben und Regenwürmer finden. Die Linke und das Regieren“ (PapyRossa, 2016).
Ein Interview von Stefan Hain. Wolfgang Gehrcke ist Mitglied des Bundestags und seit 2007 Mitglied des Parteivorstands der Partei DIE LINKE. 1961 trat er in die damals verbotene KPD ein und war 1968 Gründungsmitglied der DKP, aus der er 1990 austrat. Im selben Jahr trat er der PDS bei, war von 1993–1998 deren stellvertretender Bundesvorsitzender und von 1998–2002 stellvertretender Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion.
Werner Dreibus war Mitbegründer der WASG, die sich 2007 mit der Linkspartei.PDS zur Partei DIE LINKE vereinigt hat. Von 2010–2012 war er Bundesgeschäftsführer der Partei DIE LINKE. Außerdem arbeitete er langjährig als Gewerkschaftssekretär.
Dietmar Bartsch ist Bundestagsabgeordneter und einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der LINKEN. 1977 trat er in die SED ein und promovierte 1990 in Moskau im Fach Ökonomie. Er war lange Jahre Schatzmeister der PDS. Außerdem ist er ehemaliger Geschäftsführer der Jungen Welt, später des Neuen Deutschlands. 2008–2010 war er Bundeswahlkampfleiter der LINKEN.

Ausgabe #5

Podiumsdiskussion mit Stefan Engel (MLPD), Paul Michel (isl) und Felix (IL) zur Frage nach der Notwendigkeit linker Einheit.
Tobias Schweiger: Rezension zu „Kritik des politischen Engagements“ von Gerhard Scheit

Ausgabe #4

Auf der dritten jährlichen Convention, die in der School of the Art Institute of Chicago zwischen dem 29. April und 01. Mai 2011 stattfand, organisierte Platypus ein Gespräch über „Art, Culture, and Politics: Marxist Approaches“. Die Platypus-Mitglieder Omair Hussain, Lucy Parker, Pac Pobric und Bret Schneider sollten die folgende Frage diskutieren: „“What might the problems of aesthetics and culture have to do with the political project of the self-education of the Left?“.
Ernst Bloch und die Frankfurter Schule. Ein Gespräch mit Nicolas Schliessler-Jaramillo.

Ausgabe #3

Max Horkheimers Reaktion von 1928/29 auf Lenins erkenntnistheoretische Streitschrift „Materialismus und Empiriokritizismus“, von Michael Jekel.
Am 11. November 2015 fand im Rahmen der zweiten europäischen Konferenz der Platypus Affiliated Society an der Goethe-Universität Frankfurt eine Podiumsdiskussion zum Thema „What is the European Union and should we be against it?“ statt. Teilgenommen haben Juan Roch von Podemos, Jens Wissel von der Assoziation für Kritische Gesellschaftsforschung, Nikos Nikisianis von Diktio und Martin Suchanek von der Gruppe Arbeitermacht. Es folgt eine editierte und ins Deutsche übersetzte Transkription der Veranstaltung.

Ausgabe #2

Das Verhältnis der Kritischen Theorie zur historischen sozialistischen Bewegung war schon für die Gründungsgeneration von zunehmender Distanzierung geprägt. Die beiden Nachfolgegenerationen haben den Abstand noch einmal vergrößert. Sie sind dabei in den Verdacht geraten, die Paradoxien kapitalistischer Vergesellschaftung zwar aufklären zu können, doch letztlich für unauflöslich zu halten. In den Grenzen einer „ideen-“ bzw. „metapolitischen“, d.h. sich vom unmittelbaren Praxisbezug freihaltenden Intervention versucht Axel Honneths jüngstes Buch hier eine Klarstellung: Kritische Theorie bleibt auch in ihrer kommunikations-, anerkennungs- und folglich freiheitstheoretischen Prägung eine Theorie des immer noch möglichen Übergangs zu einer sozialistischen Gesellschaft.
Am 11.06.2014 veranstaltete Platypus an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Was war neu an der ‚Neuen Linken‘?“. Teilgenommen haben: Detlef zum Winkel (freier Journalist), Alex Demirović (damals Goethe-Universität) und Stefan Eggerdinger (Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD). Es folgt ein gekürztes und überarbeitetes Transkript der Veranstaltung.

Ausgabe #1

Diskussion mit Andrew Feenberg, Richard Westerman, Chris Cutrone & Nicholas Brown. Die hier abgedruckte, ins Deutsche übersetzte Podiumsdiskussion fand im April 2011 auf der dritten internationalen Convention der Platypus Affiliated Society in Chicago statt. Ein Transkript der Diskussion wurde zuerst in der Platypus Review #37 veröffentlicht.