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„Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der
Lebenden“ (Karl Marx)

 

Am 24. April beginnt mit dem Sommersemester auch unser Lesekreis "Was ist revolutionärer Marxismus?". Der Lesekreis findet jeden Montag von 18 bis 21 Uhr am Campus Westend der Goethe-Universität statt. Der Raum ist im IG Farbengebäude IG 0.254. Die gesamte Leseliste werdet ihr bald online finden. Die Texte werden im voraus gelesen und dann in der Sitzung diskutiert. Neueinsteiger/innen sind herzlich Willkommen. Vorkenntnisse werden keine benötigt.

Der Marxismus nach dem Tod von Marx und Engels erfährt mit dem rasanten Wachstum der Arbeiterbewegung und der Entstehung der zweiten Internationale den Charakter einer politischen Massenbewegung, die sich in alle Teile der Welt verbreitet. Wir möchten im ersten Teil des Seminars genauer betrachten, worin der berühmt-berüchtigte Marxismus der Arbeiterbewegung bestanden hat und welche Krise ihn vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges erfasst hat und große Teile der Arbeiterbewegung in diesen stürzte. Der Kampf gegen diese “Krise des Marxismus” hat mit der Oktoberrevolution und der deutschen Arbeiterrevolution von 1918-19 einen welthistorischen Maßstab erreicht, der die Hoffnungen und Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts vorbereitete. Was war das Ziel der 1917 eingeleiteten internationalen Revolution und wie ist diese gescheitert? Welche politischen und ideologischen Konsequenzen hat dieses Scheitern und wie hängt es mit den verhängnisvollen Entwicklungen der 30er und 40er Jahre zusammen?
Um diese Fragen näher zu beleuchten, werden wir uns in der zweiten Hälfte des Semesters mit den Reflexionen dieser Entwicklungen beschäftigen, wie sie von zentralen Figuren der Frankfurter Schule entwickelt wurden. Mit Lukács, Benjamin, Horkheimer und Adorno werden wir die Spannung, Kontinuität und Differenz zu den Vertretern der klassischen Periode des Marxismus entwickeln und uns somit ein bedeutendes Instrumentarium zum Verständnis der gegenwärtigen Welt anzueignen suchen. Das problematische Verhältnis von Theorie und Praxis im Marxismus und seiner Entwicklung hat die Welt des zwanzigsten Jahrhunderts entscheidend geprägt und hinterlässt ihre Narben bis in die Gegenwart. Mit der Erforschung dieses Verhältnisses möchten wir Aufschluss darüber erhalten, wie die Vergangenheit unsere eigene Imagination der Zukunft in Bann hält.

 

Literaturliste

  • vorausgesetzte / + empfohlene Texte

 

Woche 1, 24. April, Revolutionary Leadership

 

Woche 2, 03. Mai, 
Reform oder Revolution:

 

Woche 3, 8. Mai
, Lenin und die Avantgarde

 

Woche 4, 15. Mai, 
Was tun?

+ Richard Appignanesi und Oscar Zarate / A&Z, "Introducing Lenin and the Russian Revolution / Lenin for Beginners" (1977)

 

Woche 5: 22. Mai
Massenstreik und Sozialdemokratie

 

Woche 6, 29. Mai
, Permanente Revolution

+ Tariq Ali and Phil Evans, "Introducing Trotsky and Marxism / Trotsky for Beginners" (1980)

 

5. Juni: Sitzung entfallen!

 

Woche 7, 12. Juni, 
Staat und Revolution

 

Woche 8, 19. Juni
, Imperialismus

 

Woche 9, 26. Juni, 
Das Scheitern der Revolution

+ Luxemburg, "Die Sozialisierung der Gesellschaft" (1918)

+ Luxemburg, "Die Ordnung herrscht in Berlin" (1919)

+ Sebastian Haffner, "Die deutsche Revolution 1918/19" (1968)

 

Woche 10, 3. Juli, 
Rückzug nach der Revolution

+ Lenin, "Notizen eines Publizisten" (1922/24)

 

Woche 11, 10. Juli
, Dialektik der Verdinglichung

  • Lukács, “Der Standpunkt des Proletariats” (= Teil III. des Kapitels “Die Verdinglichung und das Bewußtsein des Proletariats”) In: Geschichte und Klassenbewusstsein (1923)

 

Woche 12, 17. Juli
, Lehren des Oktobers

+Trotzki, "Bolschewismus und Stalinismus" (1937)

 

Woche 13, 24. Juli
, Trotzkismus

 

Woche 14, 31. Juli
, Der Begriff der Geschichte

+ Bertolt Brecht, "An die Nachgeborenen" (1939)

+ Benjamin, "Erfahrung und Armut" (1933)

+ Benjamin, "Theologisch-politisches Fragment" (1921/39?)

+ Benjamin, "Zum Planetarium" (aus: Einbahnstraße, 1928)

 

Woche 15, 7. August, Reflexionen auf den Marxismus

+ Adorno, Adorno, "Zueignung", "Vor Mißbrauch wird gewarnt" und "Zum Ende", aus Minima Moralia (1944-47)

+ Horkheimer und Adorno, Diskussion über Theorie und Praxis (1956)

 

Woche 16. 14. August
, Theorie und Praxis:

+ Adorno, "Zu Subjekt und Objekt" (1969)

+ Adorno, "Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?" (1968) [Audio] [Text]

+ Adorno und Marcuse, "Correspondence on the German New Left" (1969)

+ Esther Leslie, "Introduction to the 1969 Adorno-Marcuse correspondence" (1999)

 

In der vorlesungsfreien Zeit zwischen Winter- und Sommersemester 2017 möchten wir uns mit dem Verhältnis von Kunst und Politik auseinandersetzen.

Hier findet ihr einen Audiomitschnitt zur Podiumsdiskussion "Politik der Arbeit" vom 31.01.2017 in Frankfurt am Main.
Aus gegebenem Anlass widmet sich diese Podiumsdiskussion dem Verständnis einiger grundlegender Fragen des Marxismus mit Blick auf ihre heutige Relevanz:
Traditionell unterstützten Marxisten und andere Teile der Linken auf politischer Ebene die Forderung der Arbeiter nach Reformen, welche ihre Lebensbedingungen verbessern sollten. Doch verstanden führende Persönlichkeiten der marxistischen Tradition wie Lenin, Luxemburg und Trotzki, dass solche Reformen zugleich die Krise des Kapitalismus vertieften, da sie seine immanenten Widersprüche zuspitzten.
So ist z.B. die Vollbeschäftigung eine – vom Standpunkt der Arbeiter – notwendige Forderung. Gleichzeitig aber wird das gesamte System der Beschäftigung gefährdet, welches unter Bedingungen kapitalistischer Produktion auf die Abschöpfung des Mehrwerts der verfügbaren Arbeitskraft angewiesen ist.
Um die Probleme und Ambiguitäten einer möglichen Politik der Arbeit herauszuschälen, lassen wir verschiedene linke Perspektiven zu Wort kommen. Diese Diskussion soll ein Klärungsversuch zentraler Fragen für eine neu konstituierte internationale marxistische Linke darstellen. Welches sind gegenwärtig theoretische und praktische Hindernisse einer solchen Linken, die durch die Politik der Arbeit die Befreiung der Arbeiterklasse anstreben würde?
Ist die Arbeiterklasse eine Identität neben anderen unterdrückten Identitäten? Gibt es heute eine Arbeiterklasse und muss diese sich selbst emanzipieren? Auf welchem Weg kann das erreicht werden? Welche Prinzipien zeichneten die Politik der Arbeit einst aus? Was ist das Verhältnis von Reform und Revolution?
Mit:
Thomas Seibert - Interventionistische Linke
Holger Marcks - unter_bau
Jonas - farbeRot
Heinz Klee - Arbeiterbund zum Wiederaufbau der KPD
Auf der dritten jährlichen Convention, die in der School of the Art Institute of Chicago zwischen dem 29. April und 01. Mai 2011 stattfand, organisierte Platypus ein Gespräch über „Art, Culture, and Politics: Marxist Approaches“. Die Platypus-Mitglieder Omair Hussain, Lucy Parker, Pac Pobric und Bret Schneider sollten die folgende Frage diskutieren: „“What might the problems of aesthetics and culture have to do with the political project of the self-education of the Left?“.
Ernst Bloch und die Frankfurter Schule. Ein Gespräch mit Nicolas Schliessler-Jaramillo.