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Die historischen Wurzeln der Linken und des Marxismus liegen in den bürgerlichen Revolutionen des 17. und 18. Jahrhunderts und deren Krise im 19. Jahrhundert. Der Lesekreis versucht diesen geschichtlichen Hintergrund durch die Lektüre von Texten von Marx und der radikalen bürgerlichen Philosophie der Aufklärung herauszuarbeiten. Durch Texte von Autoren wie Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Georg Lukács, Karl Korsch und Leszek Kołakowski versuchen wir, das Problem des politischen Bewusstseins der Linken im 20. Jahrhundert, das bis heute prägend bleibt, zu beleuchten.

Die Texte werden im Voraus gelesen und dann zusammen diskutiert. Neueinsteiger/innen sind herzlich willkommen. Vorkenntnisse werden keine benötigt.

Die erste Sitzung findet am Montag, den 17.10.2022, um 19 Uhr im Seminarraum 204 am Universitätscampus Augustusplatz statt.

Es werden ab dem 24.10.2022 jede Woche zwei alternative Termine angeboten: am Montag und am Donnerstag. Ihr könnt euch selber aussuchen, zu welchem ihr erscheinen wollt, eine vorherige Anmeldung o.Ä. ist nicht nötig.

Montags: 19 Uhr – 22 Uhr, Liebknecht-Haus, Braustraße 15, 04107 Leipzig

Donnerstags: 18 Uhr – 21 Uhr, Seminarraum 104, Universität, Campus Augustusplatz

Aktuelle Informationen erfahrt ihr auch immer auf unserem Telegram-Kanal.

Leseliste:

vorausgesetzte / + empfohlene Texte

1. Woche | Was ist die Linke? – Das Kapital in der Geschichte | 17.10.2022

● Max Horkheimer, Der kleine Mann und die Philosophie der Freiheit (1926-31)
● Epigraphe über moderne Geschichte und Freiheit von Louis Menand (über Marx und Engels), Karl Marx, über das „Werden“ (aus Grundrisse, 1857-58) und Peter Preuss (über Geschichte)
+ Being and becoming (freedom in transformation) chart of terms
● Chris Cutrone, Das Kapital in der Geschichte (2008)
+ Capital in history timeline and chart of terms
+ Capital in History Teach In [Video] (2011)
+ Capitalist contradiction chart of terms 
Cutrone, “Die Marxistische Hypothese” (2010)
Cutrone, Klassenbewusstsein (aus einer marxistischen Perspektive) heute
+ G.M. Tamas, Telling the Truth About Class [HTML] (2007)
+ Robert Pippin, On Critical Theory (2004)
+ Rainer Maria Rilke, Archaïscher Torso Apollos (1908)

2. Woche | 1960er Neue Linke I. : Neo-Marxismus | 24./27.10.2022 (KW 43)

● Martin Nicolaus, “Der unbekannte Marx” (1968)
+ Commodity form chart of terms
+ Capitalist contradiction chart of terms
+ Organic composition of capital chart of terms
+ Marx on surplus-value chart of terms
● Theodor W. Adorno, “Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?“ (1968) [AUDIO]
● Moishe Postone, “Necessity, Labor and, Time” (1978)
+ Postone, “Marx after Marxism” [Interview] (2008)
+ Postone, “Geschichte und Ohnmacht: Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus” (2006)
+ Postone, “Theorien der heutigen Welt: Robert Brenner, Giovanni Arrighi, David Harvey” (2006)

3. Woche | 1960er Neue Linke II. : Geschlecht und Sexualität | KW 44

The situation of women is different from that of any other social group. This is because they are not one of a number of isolable units, but half a totality: the human species. Women are essential and irreplaceable; they cannot therefore be exploited in the same way as other social groups can. They are fundamental to the human condition, yet in their economic, social and political roles, they are marginal. It is precisely this combination — fundamental and marginal at one and the same time — that has been fatal to them.

Juliet Mitchell, "Women: The Longest Revolution" (1966)

+ Capitalist contradiction chart of terms
● Juliet Mitchell, “Women: The longest Revolution” (1966)
● Clara Zetkin, Auszug aus "Erinnerungen an Lenin" (1925)
Adorno, “Sexualtabu und Recht heute” (1963)
● John D’Emilio, “Capitalism and gay identity” (1983)

4. Woche | 1960er Neue Linke III. : Anti-Schwarzer Rassismus in den USA | KW 45

As a social party we receive the Negro and all other races upon absolutely equal terms. We are the party of the working class, the whole working class, and we will not suffer ourselves to be divided by any specious appeal to race prejudice; and if we should be coaxed or driven from the straight road we will be lost in the wilderness and ought to perish there, for we shall no longer be a Socialist party.

Eugene Debs, "The Negro and the Class Struggle" (1903)

+ Eugene Debs, “The Negro and the Class Struggle” (1903)
+ Debs, “The Negro and his Nemesis” (1904)
+ Capitalist contradiction chart of terms 
● Richard Fraser, “Two lectures on the black question in America and revolutionary integrationism” (1953)
+ Fraser, “For the materialist conception of the Negro Struggle
● James Robertson and Shirley Stoute, “For black Trotskyism” (1963)
+ Spartacist League, “Black and red: Class struggle road to Negro freedom” (1966)
+ Bayard Rustin, “The failure of black separatism” (1970)
● Adolph Reed, “Black particularity reconsidered” (1979)
+ Reed, “Paths to Critical Theory” (1984)

5. Woche | I. Bürgerlich-Radikale Philosophie: Rousseau – Gesellschaft am Scheideweg | KW 46

Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.

Karl Marx: “Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie” (1843-44)

Wer den Mut besitzt, einem Volke Einrichtungen zu geben, muß sich imstande fühlen, gleichsam die menschliche Natur umzuwandeln, jedes Individuum, das für sich ein vollendetes und einzeln bestehendes Ganze ist, zu einem Teile eines größeren Ganzen umzuschaffen, aus dem dieses Individuum gewissermaßen erst Leben und Wesen erhält; die Beschaffenheit des Menschen zu seiner eigenen Kräftigung zu verändern und an die Stelle des leiblichen und unabhängigen Daseins, das wir alle von der Natur empfangen haben, ein nur teilweises und geistiges Dasein zu setzen. Kurz, er muß dem Menschen die ihm eigentümlichen Kräfte nehmen, um ihn mit anderen auszustatten, die seiner Natur fremd sind und die er ohne den Beistand anderer nicht zu benutzen versteht.

Jean-Jacques Rousseau: “Der Gesellschaftsvertrag” (1762)

● Jean-Jacques Rousseau„Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ (1754)
+ Capital in history timeline and chart of terms 
Rousseau, Auszüge aus Der Gesellschaftsvertrag (1762)
+ Max Horkheimer: “Der kleine Mann und die Philosophie der Freiheit” (1926–31)
+ Epigraphe über moderne Geschichte und Freiheit von James Miller (über Rousseau), Menand (über Marx und Engels), Marx, über das „Werden“ (Aus den Grundrissen, 1857-58) und Preuss (über Geschichte)
+ Rilke, Archaïscher Torso Apollos (1908)
+ Robert Pippin “On Critical Theory” (2004)
+ Being and becoming (freedom in transformation) chart of terms

6. Woche | II. Bürgerlich-Radikale Philosophie: Adam Smith (Teil 1) | KW 47

● Adam Smith, Auszüge aus Der Wohlstand der Nationen (aus Buch 1 und 3) (1776)

7. Woche | III. Bürgerlich-Radikale Philosophie: Adam Smith (Teil 2) | KW 48

Smith, Auszüge aus Der Wohlstand der Nationen (aus Buch 4 und 5) (1776)

8. Woche | IV. Bürgerlich-Radikale Philosophie: Was ist der Dritte Stand? | KW 49

● Abbé Emmanuel-Joseph Sieyès, Auszug aus Was ist der dritte Stand? (1789)
+ Bernard Mandeville, Die Bienenfabel (1732)

9. Woche | V. Bürgerlich-Radikale Philosophie: Kant und Constant – Bürgerliche Gesellschaft | KW 50

● Immanuel Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht (1874)
Kant, Was ist Aufklärung? (1784)
+ Being and becoming (freedom in transformation) chart of terms
+ Kant's 3 Critiques and philosophy charts of terms [PNG]
● Benjamin Constant, Von der Freiheit des Altertums, verglichen mit der Freiheit der Gegenwart (1819)
+ Rousseau, Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen (1754)
+ Rousseau, Auszüge aus Der Gesellschaftsvertrag (1762)

Hintergrundlektüre für die Weihnachtspause

+ Richard Appignanesi and Oscar Zarate / A&Z, Lenin für Anfänger (1977)
+ Sebastian Haffner, „Die deutsche Revolution 1918/19“ (1968)
+ Edmund Wilson, „To the Finland Station: A Study in the Writing and Acting of History“ (1940), Part II. Ch. (1–4,) 5–10, 12–16; Part III. Ch. 1–6
+ Tariq Ali and Phil Evans, „Trotzki für Anfänger“ (1980)
+ James Joll, „The Second International 1889–1914“ (1966)

10. Woche | VI. Bürgerlich-Radikale Philosophie: Hegel – Freiheit in der Geschichte | 09/12.01.2023 (KW 2)

● G.W.F. Hegel, Einleitung aus: Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte (1831)
+ Being and becoming (freedom in transformation) chart of terms

11. Woche | Was ist die Linke? – Utopie und Kritik | KW 3

Horkheimer, Auszüge aus Dämmerung (1926–31)
Adorno, Ausschweifung aus Minima Moralia (1944–47)
● Leszek Kołakowski, Der Sinn des Begriffes ›Linke‹ (1968)
Marx, Auszüge aus seiner Doktordissertation (1839-41)
Marx, Brief an Arnold Ruge (September 1843)
+ Capitalist contradiction chart of terms  
+ Being and becoming (freedom in transformation) / immanent dialectical critique chart of terms

12. Woche | I. Was ist Marxismus? – Sozialismus | KW 4

Marx, Auszüge aus Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)
+ Commodity form chart of terms
+ Being and becoming (freedom in transformation) / immanent dialectical critique chart of terms
+ Capitalist contradiction chart of terms  
Marx und Friedrich Engels, Auszüge aus dem Manifest der Kommunistischen Partei (1848)
Marx, Die kommende Schlacht (aus Das Elend der Philosophie, 1847)

13. Woche | II. Was ist Marxismus? – Die Revolution von 1848 | KW 5

Marx, Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März 1850und Klassenkampf und Produktionsweise(aus dem Brief an Weydemeyer, 1852)
Engels, Zur Taktik der Sozialdemokratie (Einleitung zu Marx’ Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, 1895)
Marx, Auszüge aus Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850 (1850)
Marx, Auszüge aus Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852)

14. Woche | III. Was ist Marxismus? – Bonapartismus | KW 6

+ Karl Korsch, Der Marxismus der Ersten Internationale (1924)
Marx, Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation (1864)
Marx, Auszüge aus Der Bürgerkrieg in Frankreich (Teil III und IV, 1871) inklusive Engels' Einleitung (1891)
+ Korsch, Einleitung zu Marx' Kritik des Gothaer Programms (1922)
Marx, Kritik des Gothaer Programms (1875)
Marx, Einleitung zum Programm der französischen Arbeiterpartei (1880)

15. Woche | IV. Was ist Marxismus? – Kritik der Politischen Ökonomie | KW 7

Der Fetischcharakter der Ware ist keine Tatsache des Bewußtseins sondern dialektisch in dem emminenten Sinne, daß er Bewußtsein produziert. […] [D]ie Vollendung des Warencharakters in einem Hegelschen Selbstbewußtsein [inauguriert] die Sprengung der Phantasmagorie.

Theodor W. Adorno, in einem Brief an Walter Benjamin, 2.-4. August 1935

+ Commodity form chart of terms
+ Capitalist contradiction chart of terms
+ Organic composition of capital chart of terms
+ Marx on surplus-value chart of terms
Marx, Auszüge aus Grundrisse (1857–61)
Marx, Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis aus Das Kapital Bd. I (1867)
+ Being and becoming (freedom in transformation) / immanent dialectical critique chart of terms

16. Woche | V. Was ist Marxismus? – Verdinglichung | KW 8

● Georg Lukács, Das Phänomen der Verdinglichung (Teil I des Kapitels Die Verdinglichung und das Bewusstsein des Proletariats, in: Geschichte und Klassenbewusstsein, 1923)
+ Commodity form chart of terms
+ Reification chart of terms
+ Capitalist contradiction chart of terms
+ Organic composition of capital chart of terms
+ Being and becoming (freedom in transformation) / immanent dialectical critique chart of terms

17. Woche | VI. Was ist Marxismus? – Klassenbewusstsein | KW 9

Lukács, Auszüge aus Geschichte und Klassenbewusstsein (1923): Vorwort (1922), Klassenbewusstsein (1920), Was ist orthodoxer Marxismus? (1919)
+ Capitalist contradiction chart of terms
+ Reification chart of terms
+ Being and becoming (freedom in transformation) / immanent dialectical critique chart of terms
+ Herbert Marcuse, A Note on Dialectic (1960)
+ Marx, Vorwort zur ersten und Nachwort zur zweiten Auflage (1867/1873) von Das Kapital Bd. I (1867)

18. Woche | VII. Was ist Marxismus? – Das Telos der Philosophie | KW 10

Korsch, Marxismus und Philosophie (1923)
+ Capitalist contradiction chart of terms 
+ Being and becoming (freedom in transformation) / immanent dialectical critique chart of terms
+ Marcuse, A Note on Dialectic (1960)
+ Marx, Auszüge aus seiner Doktordissertation (1839-41)
+ Marx, Brief an Arnold Ruge (September 1843)
+ Marx, Thesen über Feuerbach (1845)

19. Woche | Vorläufer der Frankfurter Schule | KW 11

+ Capitalist contradiction chart of terms 
● Wilhelm Reich: “Ideologie als materielle Gewalt”, aus: Massenpsychologie und Faschismus (1933)
● Siegfried Kracauer: “Das Ornament der Masse” (1927)
+ Kracauer: “Die Photographie” (1927)
+ Being and becoming (freedom in transformation) / immanent dialectical critique chart of terms

Empfohlene Hintergrundlektüre für die zweite Hälfte (Sommersemester 2023) des Lesekreises: „Was ist revolutionärer Marxismus?“

+ Richard Appignanesi and Oscar Zarate / A&Z, Lenin für Anfänger (1977)
+ Sebastian Haffner, „Die deutsche Revolution 1918/19“ (1968)
+ Edmund Wilson, „To the Finland Station: A Study in the Writing and Acting of History“ (1940), Part II. Ch. (1–4,) 5–10, 12–16; Part III. Ch. 1–6
+ Tariq Ali and Phil Evans, „Trotzki für Anfänger“ (1980)
+ James Joll, „The Second International 1889–1914“ (1966)

Freitag, 08. Juli 2022, 19 Uhr im Pöge-Haus

Für Marxisten konnte die klassenlose Gesellschaft nur durch eine Übergangsphase, die Diktatur des Proletariats, erreicht werden. Das Proletariat und sein politischer Arm, die Partei, sollte die Führung der demokratischen Revolution übernehmen. Nach der Niederlage der Weltrevolution zu Beginn des 20. Jahrhunderts und vor allem mit dem Aufkommen der Neuen Linken in den 1960ern wurden zunehmend unterdrückte und marginalisierte Gruppen zum revolutionären Subjekt erklärt.
Mit der Krise des Neoliberalismus scheint die Frage der Klasse wieder in Betracht gezogen zu werden.
Welche politische Bedeutung hatte der Klassenkampf im 19. und 20. Jahrhundert? Wer sollte die Gesellschaft führen und was bedeutet revolutionäre Führung? Welche Beziehung besteht zwischen der Linken und der Klasse? Was ist die Klasse für die Linke heute, und wie verhält sie sich zur Aufgabe, den Kapitalismus zu überwinden?

Sprecher*Innen:
- Ekkehard Lieberam
- Michael Fischer
- Jonathan Eibisch

Eine Veranstaltung von Platypus Leipzig.

Mittwoch, 15. Juni 2022, 19 Uhr im Index, Breite Str. 1

Es ist mal wieder ein Filmabend angesagt! Diesen Mittwoch wollen wir mit euch zwei Folgen der britischen Historienserie "Fall of Eagles" schauen.

Folge 12 " The Secret War" und Folge 13 "End Game" behandeln die Ereignisse im Europa der Jahre 1917/1918, sind also eine schöne Ergänzung zur dieswöchigen Lesekreis-Sitzung über das Scheitern der Revolution. Kommt gerne vorbei, der Eintritt ist kostenlos, es gibt Getränke gegen kleine Spende.

Der Filmabend wird im Index (Breite Straße 1, 04317 Leipzig) stattfinden.

Zeit: 15.06.2022, 19 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr)

Freitag, 29. April 2022, 19 Uhr im Conne Island

Die Veranstaltung lässt sich nun auf YouTube nachschauen.

Die Idee einer Befreiung der Geschlechter datiert zurück vor den Marxismus. Es waren utopische Sozialisten wie Charles Fourier und Mary Wollstonecraft, die formulierten, dass das Versprechen von “Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit” der bürgerlichen Revolutionen nur von Bedeutung sei, wenn es alle Menschen beträfe. Diese Forderung nahm der historische Marxismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in der Frage nach der “Befreiung der Frau” auf und versuchte, sie in der proletarischen Weltrevolution umzusetzen. Nachdem der Versuch einer solchen Revolution in den Jahren 1919 bis 1923 als gescheitert galt, schienen Fragen nach Geschlecht von geringer Bedeutung für die Überreste marxistischer und sozialistischer Politik.

Es war die Neue Linke, die Fragen nach Sexualität und Geschlecht erneut aufwarf und als Kritik des Marxismus in Stellung brachten, da dieser die Themen vernachlässigt habe. Die “Zweite Welle des Feminismus”, die sich aus dem gescheiterten Projekt der Neuen Linken ergab, war desillusioniert: Eine Befreiung aller Geschlechter wurde gelesen als eine Betäubung gegen die realen Machtverhältnisse eines jahrtausendealten Patriarchats - eine Befreiung der Geschlechter könne nicht bis zu einer imaginierten “Diktatur des Proletariats” vertagt werden. Doch bereits bald darauf zeichneten sich auch innerhalb des Feminismus ideologische und politische Differenzen und Konflikte ab. Der in den 1950ern vom Psychologen John Money eingeführte Begriff Gender, der die psychische und soziale Dimension des Geschlechts betont, hielt Einzug in feministische Diskussionen, am prominentesten vielleicht in Judith Butlers “Gender Trouble”.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt scheint der Begriff Gender zunehmend politische Bedeutung zu erhalten, auch und vielleicht besonders innerhalb der Linken. Als Begriff scheint er traditionelle Grenzen zwischen den Geschlechtern einzureißen, aber auch neu zu errichten. Und auch für die Linke ist Gender ein Zankapfel, über dessen korrekte Beurteilung sich Gruppen und Zeitungen spalten.

Ist “Gender” eine Leerstelle des Marxismus, die nur durch neue Formen der Theorie komplettiert werden kann? Welche politische Bedeutung hat der Begriff Gender für die Linke heute? Wie steht es um “Gender-Befreiung” mehr als 30 Jahre nachdem sie als politisches Projekt ausgerufen wurde? Was hat die Linke gelernt aus den 200 Jahren Kampf um die Befreiung der Geschlechter? Welche politische Rolle käme “Gender” in einem Kampf um die Emanzipationen der Geschlechter zu?

Sprecher*Innen:

  • Roswitha Scholz
  • Sara Rukaj
  • Stefan Hain

Eine Veranstaltung von Platypus Leipzig