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Ohnmacht ohne Geschichte: Politische Bildung nach der Millenial Linken

Platypus Review #33 | September/Oktober 2024

von Pamela C. Nogales C.

Am 9. November 2023 veranstaltete das Chapter der Platypus Affiliated Society an der University of Chicago ein von Pamela Nogales gehaltenes Teach-in zu Moishe Postones Essay „Geschichte und Ohnmacht“ (2006) und zu den Ursprüngen von Platypus. Es folgt eine editierte, überarbeitete und erweiterte Version ihres Vortrags.1

Es ist sicherlich nicht einfach, das globale Kapital zu begreifen und ihm entgegenzutreten – in jedem Fall ist es von entscheidender Bedeutung, einen Internationalismus wiederherzustellen und neu zu formulieren … [Die Linke] läuft Gefahr, eine Politik zu betreiben, die vom Standpunkt menschlicher Emanzipation bestenfalls fragwürdig wäre, wie viele Menschen sie auch ansprechen mag.

Moishe Postone, „Geschichte und Ohnmacht“ (2006)2

Was ist die Linke gewesen und was kann aus ihr zukünftig noch werden? – Platypus existiert, weil die Antwort auf solch eine Frage, sogar in ihrer grundlegenden Ausformulierung, schon lange nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden kann.

Zielsetzung der Platypus Affiliated Society (2007)3
Einleitung

Mein Name ist Pamela Nogales, ich bin Gründungsmitglied von Platypus und eine der Autorinnen unserer Zielsetzung sowie der Zielsetzung der Platypus Review. Ich schicke das voraus, weil ich die Mitverantwortung dafür trage, unsere mittlerweile 18 Jahre alte Organisation ins Leben gerufen zu haben, die momentan an Universitäten auf drei Kontinenten aktiv ist. Zudem bin ich Historikerin der Ideengeschichte, der Sozialreformen sowie des Liberalismus im 19. Jahrhundert und unterrichte Bachelor-Studenten an der University of Chicago.

Platypus ist eine Organisation der Millennial Linken und gehört zu den letzten dieser Art, die die turbulenten anderthalb Jahrzehnte überlebt haben. Als wir im Jahr 2006 begannen, war ich Studentin am School of the Art Institute of Chicago (SAIC), wo Chris Cutrone mich mit der Frankfurter Schule bekannt machte. Bald darauf las ich zum ersten Mal Das Kapital, als ich ein Seminar Moishe Postones an der University of Chicago belegte. Da sich die Gelegenheit ergeben hat, dieses Teach-in im Nachgang der Ereignisse des 7. Oktobers zu halten, erschien mir das als passender Anlass, auf den Gründungsmoment von Platypus entlang Postones „Geschichte und Ohnmacht“ – einem Prüfstein unserer frühen Bildung – zurückzukommen.

Was die politische Bildung betrifft, sind wir heute in einer weit weniger verheißungsvollen Situation als 2006. Allerdings sind einige der Hindernisse, auf die wir treffen, nicht neu. Studenten sind heute einem ähnlichen Druck ausgesetzt, „für eine Seite Partei zu ergreifen“ oder stillschweigend als Verräter verurteilt zu werden – „Weißes Schweigen ist Gewalt“, wie vor Kurzem auf einer pro-palästinensischen Demo auf einem Schild zu lesen war. Auf welcher Seite stehst Du? So wird ihnen heute die „Linke“ vorgestellt. Der Israel-Palästina-Konflikt nach dem 7. Oktober bringt bekannte Hürden mit sich.

„Weißes Schweigen ist Gewalt“4

Gleichzeitig erscheint die Vergangenheit aus der Sicht der Gegenwart als Moment der Möglichkeit. In seiner Buchvorstellung von The Death of the Millennial Left an der University of Chicago argumentierte Chris Cutrone, dass der Moment der Millennial Linken eine historische Gelegenheit gewesen sei, die ungenutzt blieb.5 Ich möchte mein Teach-in dazu nutzen, um die Frage nach dem unausgeschöpften Potenzial der jüngeren Vergangenheit aufzugreifen und um Platypus in der Geschichte der Millennial Linken zu verorten.

Mein Teach-in ist durch die Wahrnehmung angeregt, dass Platypus sich am Scheideweg befindet: Wir versuchen, uns unter neuen und verschlechterten Bedingungen erneut unserer Raison d’Être zu versichern. Was war Platypus? Und was kann daraus zukünftig noch werden? Die Antwort darauf ist nicht selbstverständlich.

I. Heute...

In der Zielsetzung von Platypus schrieben wir, „dass die gegenwärtige Orientierungslosigkeit der Linken dafür spricht, dass wir […] heute nicht besser als die ‚Utopisten‘ der Vergangenheit wissen, wie die Aufgaben und Ziele sozialer Emanzipation aussehen könnten“. Das trifft noch immer zu.

Der letzte Monat hat sich angefühlt wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Die sich abspielende Tragödie, der Israel-Palästina-Konflikt, hat bei der sogenannten Linken einige der schlimmsten sozialen Regungen zum Vorschein gebracht. Ein umfassender Nihilismus ist an die Stelle politischer Fragen getreten. Um den Unmut gegenüber dem Irakkrieg zu organisieren, warfen wir damals, 2007, die folgenden beiden Fragen auf: „Was ist Imperialismus?“; und, wie wir es für unsere erste Podiumsdiskussion formulierten: „Warum sollten wir dagegen sein?“.6 Heute ist moralische Empörung an die Stelle von politischer Bildung getreten und die Beteiligten sind weniger in der Lage – vielleicht weniger willens –, sich mit der Geschichte der Linken und ihrer Niederlage auseinanderzusetzen, das heißt mit den historischen Bedingungen für die Abwesenheit emanzipatorischer Politik.

Heute findet der Israel-Palästina-Konflikt in einem Vakuum statt, auf einem ahistorischen Schauplatz, auf dem Handlungsfähigkeit von und durch Unterdrückung erzeugt wird – ad infinitum. Es gibt gute Leute (die leiden) und es gibt schlechte Leute (die unterdrücken). Es ist ganz einfach. Auf welcher Seite stehst Du?

Schert sich irgendjemand darum, danach zu fragen, warum wir ausschließlich mit der Hamas und dem israelischen Staat dastehen? Warum werden sie als Stellvertreter eines ewigen und ahistorischen Kampfes wahrgenommen?

2007 war es ein bisschen anders. Ich möchte mich diesem Moment zuwenden, um nachzuzeichnen, wie die Linke während unseres Gründungsmoments auf Konflikte im Nahen Osten reagierte. Um es klar und deutlich zu sagen: Ich komme nicht auf diesen Zeitraum zurück, um in Nostalgie zu schwelgen – es gab keine „guten alten Zeiten“ –, und dennoch ist vielleicht etwas verloren gegangen. Ich komme auf unsere Raison d’Être zurück, weil uns die Gegenwart dazu herausfordert, auf unsere eigene Geschichte zurückzublicken, das heißt auf das Gedächtnisbild der Gründung von Platypus. Was sehen wir dort, betrachtet vom Standpunkt der Gegenwart aus?

II. Damals…

In Vorbereitung auf unsere erste Podiumsdiskussion las Platypus verschiedene Texte. Dazu gehörten Postones „Geschichte und Ohnmacht. Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus“ und Tariq Alis „Mid-point in the Middle East“ (New Left Review), die beide 2006 veröffentlicht wurden.7 Die beiden, Postone und Ali, standen für Überbleibsel der historischen Linken. Indem wir uns mit ihnen beschäftigten, wollten wir unser Verständnis dessen vertiefen, was um uns herum geschah, nämlich die Massendemonstrationen gegen den Irakkrieg, die die populäre Agitation gegen den Vietnamkrieg nachahmten. Durch die Begegnung mit der Antikriegsbewegung war Platypus mit der Geschichte der Neuen Linken konfrontiert. Auf mich als jungen Menschen machten die Proteste einen tiefgreifenden Eindruck. Es waren gewaltige Demonstrationen, die Millionen von Menschen in hunderten Städten rund um die Welt mobilisierten: Was wollten sie? Ich war nicht Teil der Linken, aber als Resultat meiner Nachforschungen in Platypus begann ich, mich zu fragen: Was ist die Linke? Was würde es bedeuten, Teil einer linken Opposition gegen den Irakkrieg zu sein?

Ich trat den New Students for a Democratic Society (New SDS) bei. Ich erinnere mich daran, wie ich in Räumen an verschiedenen Universitäten und linken Orten in Chicago saß, wo ich mich in frustrierende Gespräche über die Ziele der Antikriegs-Mobilisierung begab. Als Platypus-Mitglieder, die bei den New SDS aktiv waren, dachten wir, der Organisation dabei helfen zu können, die alten Fehler der Neuen Linken zu vermeiden. Wir dachten, dass wir dazu in der Lage wären, neue Fehler zu machen, die sich von jenen Fehlern unterscheiden, die die Generationen vor uns gemacht hatten. Wir dachten, dass wir dazu in der Lage wären, die Welt aufs Neue zu beurteilen.

Bei einem Treffen der New SDS im Michigan Building am SAIC debattierten wir darüber, was in der ersten öffentlichen Stellungnahme der New SDS stehen sollte. Der Vorschlag, der auf dem Tisch lag, sah vor, die Port-Huron-Erklärung der alten SDS von 1962 zu übernehmen und ihr schlicht ein neues Image für die Gegenwart zu verpassen, indem eine einzige Änderung vorgenommen werden sollte: den „Kalten Krieg“ durch den „Irakkrieg“ zu ersetzen. Wir sprachen uns gegen eine derartige kosmetische Änderung aus und verhinderten sie erfolgreich. Moishe Postones Werk hatte uns bereits gelehrt, dass die Abwesenheit einer Linken als politische Kraft im Irak den 2007-Moment zu einem völlig anderen als jenen der Neuen Linken machte. Die Änderung hätte einen historischen Niedergang politischer Handlungsfähigkeit kaschiert.

Dennoch fühlte sich unsere Intervention bedeutungslos an, da dieser Vorfall in Wirklichkeit das Wesen der Millennial Linken offenbarte: Sie war eine Totgeburt. Was vor uns lag, war die Wiederholung der unverarbeiteten Vergangenheit. Die Rufe nach einer überarbeiteten Port-Huron-Erklärung wurden von „Ho-Ho-Ho Chi Min“-Sprechchören begleitet – aber es gab keinen Ho Chi Min, keinen Vietnamkrieg, keine organisierte Linke gegen die Vereinigten Staaten im Irak. Es war eine skurrile Einführung in die Linke. Worum ging es bei dieser Wiederholung wirklich?

Die Neue Linke hatte die politische Vorstellungskraft der Zeit ergriffen. Um uns einen Reim darauf zu machen, lasen wir den New Left Reader und versuchten, den Möglichkeitshorizont wiederzuerlangen, der von den Protesten verdeckt wurde.8

Wir wussten es nicht besser als die Demonstranten. Wir wussten nicht, was zu tun ist. Sicherlich hatten wir nicht das Programm für eine sozialistische Partei in der Schublade. Was wir in diesem Moment entwickelten, waren negative Lehren: Die Forderung nach einer UN-Intervention bedeutete, amerikanische Soldaten in Blauhelmen zu fordern; den sofortigen Abzug der Truppen zu fordern, bedeutete ein Massaker, eine ethnische Säuberung, Gewalt von Kurden gegen Schiiten, von Schiiten gegen Sunniten; die „internationale Gemeinschaft“ zum Eingreifen aufzufordern, lief auf wenig mehr hinaus als auf eine bedeutungslose moralische Haltung gegenüber der Brutalität des Krieges, die die Zügel zurück in die Hände der kapitalistischen Schlächter gab. Krieg ruft moralische Empörung hervor, aber die Frage blieb: Was konnte die Linke tun? In den frühen Platypus-Jahren erfuhren wir, dass die Irakische Kommunistische Partei (IKP), ein Bruchstück der Linken aus dem vor-baathistischen Irak, vom Weltsozialforum – das damals einer der wenigen internationalen, organisierten Zusammenschlüsse auf der Linken war – ausgeschlossen wurde. Die IKP wurde ausgeschlossen, weil sie sich dazu entschlossen hatte, Teil der von den Amerikanern eingesetzten Übergangsregierung zu werden.9

Wie stand es mit dieser politischen Realität? Wie änderte sie, was die New SDS wollten? Sie veränderte nichts.

Auch außerhalb der New SDS gestalteten sich die Dinge eher trostlos. Verso veröffentlichte Messages to the World. The Statements of Osama Bin Laden10; Judith Butler behauptete, dass Hamas und Hisbollah Teil der „fortschrittlichen Linken“ seien, dass die gleichen Leute, die Sozialisten, Gewerkschaftsführer und Lehrerinnen töteten, auf der Seite des „Fortschritts“ stünden. Die wirkmächtigsten Marxisten in der Antikriegsbewegung waren die US-amerikanischen Anhänger Tony Cliffs, die International Socialist Organization (ISO). Ihre allgemeine Wahrnehmung war: Der Feind meines Feindes ist mein Freund – jeder, der gegen die Vereinigten Staaten zur Waffe griff, stand auf der richtigen Seite der Geschichte. In einem Interview mit Tariq Ali, das Platypus 2007 führte, warnte er uns davor, den Widerstand gegen die Amerikaner als durch religiösen Fanatismus befeuert darzustellen, das sei „westliche Propaganda“.11 Derweil fand die Spartacist League einen Mittelweg, indem sie sagte: Keine politische Unterstützung für Saddam Hussein oder den islamischen Widerstand, aber „militärische Unterstützung“ für die antiimperialistischen Kräfte12 – was bedeutete das? Ließen sie den Aufständischen militärische Unterstützung zukommen? Als wir sie danach fragten, sagten sie uns, dass Lenin selbst auf der Unterscheidung zwischen militärischer und politischer Unterstützung beharrte, und zitierten einen Brief zum Kornilow-Putsch von 1917. In diesen Gesprächen wurde uns klar, dass 1917 die Linke verfolgt. Also verfolgte es auch uns.

Platypus wurde aus einer Frustration heraus geboren, dass eine politische Sackgasse verkannt – aktiv verdrängt – wurde. Die Leute schoben ihre Fassungslosigkeit absichtlich auf. Angesichts der Abwesenheit einer emanzipatorischen Linken glaubten wir, dass öffentlicher Widerstand auf der Straße auf wenig hinauslaufen würde; dass der Krieg zu einem Ende kommen würde, wahrscheinlich begleitet durch Verhandlungen der Weltmächte darüber, wie das Pulverfass Irak am besten gemanagt werden sollte. Wir erklärten: „Die Linke ist tot! Es lebe die Linke!“, um Platz für die Zukunft zu machen. Das heißt, dass wir zunächst die Abwesenheit der Linken anerkennen mussten, um die Bedingungen für eine zukünftige Linke zu schaffen. Damals dachten wir, dass wir ein bescheidenes Ziel hatten: Lasst uns neue Fehler machen; lasst unsere Generation aufs Neue die Welt durchdenken: Was kann aus der Linken noch werden? Wir dachten, das sei bescheiden, aber rückblickend war es eine schwierige Aufgabe.

Was konnten wir tun? Platypus stellt die Fragen.

Übrigens wünschte ich mir, dass es anders wäre. Es ist beunruhigend, einsehen zu müssen, dass ich nicht für emanzipatorische Kräfte auf der Welt Partei ergreifen kann und dass meine Generation nichts als Katastrophen erlebt hat. Die Unmöglichkeit, heute „Partei zu ergreifen“, ist nicht wünschenswert. Aber sie macht Platypus notwendig.

Platypus-Banner auf einer Antikriegsdemonstration, Chicago, 19. März 2008
III. Symptomatik

Als wir uns in der Vorbereitungsphase für unsere ersten Podiumsdiskussion Moishe Postone und Tariq Ali zuwendeten, fragten wir uns: Was waren diese Bruchstücke und Scherben der linken Geschichte? Beide waren Teil der Generation der Neuen Linken. Ali und Postone waren zu einer Zeit des historischen Übergangs vom Fordismus über den Post-Fordismus zum neoliberalen globalen Kapitalismus auf der Linken aktiv. Postone beschrieb diese Transformation als Symptom, als Ausdruck tiefgreifender historischer Dynamiken und umfassender kultureller Veränderungen. Für Postone ist die kapitalistische Gesellschaft der Kontext, in dem gesellschaftliche und politische Phänomene verstanden werden müssen. Politik im Kapitalismus ist funktionalisiert. Obwohl der keynesianische Sozialstaat und die UdSSR ideologisch grundverschieden waren, bewegte sich die Verwaltung der Produktionsverhältnisse beider innerhalb der gesellschaftlich-historischen Beschränkungen des Kapitalismus und seiner Form der Akkumulation. Die Verschiebung hin zu einer flexiblen Akkumulation, die eine Zentralisierung der Finanzmärkte und eine Dezentralisierung der Produktion mit sich brachte, und die internationale kulturelle Rebellion standen auf ähnliche Weise in Zusammenhang mit der Transformation des Kapitals im postfordistischen Zeitalter. Die gesellschaftlichen Verhältnisse des Kapitals beschränken die Politik, das heißt, die politische Handlungsfähigkeit ist den Beschränkungen des Kapitals unterworfen.

Welche Auswirkungen hat das auf linke Politik? Postone half uns dabei, zwei verschiedene Zeitstränge zu entwirren, die beide Einfluss auf die Bedingungen der Linken haben. Bei dem ersten Zeitstrang handelt es sich um die historische Dynamik des Kapitals und seiner Rekonstitution. Wir erleben momentan den Übergang von einer neoliberalen zu einer postneoliberalen Ordnung. Der zweite Zeitstrang ist die Geschichte der Linken selbst, das heißt die Arten und Weisen, in denen die Linke versuchte, Gesellschaft tiefgreifend zu verändern – die Bemühungen früherer Emanzipationsversuche. Diese Versuche haben auch unbeabsichtigte Folgen und können dazu beitragen, die Rekonstitution des Kapitals zu befördern. Die beiden Zeitstränge überlappen sich. Sie sind nicht unabhängig voneinander. Sowohl das Subjektive (die Linke) als auch das Objektive (die historische Dynamik) sind Faktoren, die innerhalb des Kontexts der Gegenwart vermittelt werden, einem Schauplatz, der durch angehäufte Geschichte geformt wurde.

Obwohl Ali und Postone der gleichen Generation angehörten und damit beide derselben historischen Dynamik unterworfen waren, stehen sie stellvertretend für zwei historische Bruchstücke der Linken. Postone verkörpert die Überbleibsel und das Erbe der Frankfurter Schule: Lukács, Adorno, Marcuse und die Beschäftigung mit Marx nach dem Marxismus. Postone fragt: Inwiefern spricht Marx nach dem Zerfall marxistischer Politik zur Gegenwart? Tariq Ali verkörpert auf der anderen Seite das Erbe des in der Neuen Linken und durch die Neue Linke transformierten Trotzkismus. 1968 war Ali Mitglied der International Marxist Group (IMG), der britischen Sektion der Vierten Internationale, und Ernest Mandel verbunden. Mandel war der Überzeugung, dass es möglich sei, sozialistische revolutionäre Politik unter den historisch neuartigen Bedingungen des „prosperierenden Neokapitalismus“ zu erneuern.13 Jedoch würde das Sozialisten abverlangen, über „den ‚normalen‘ institutionellen Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft und ihres Staates“, oder „traditionelle Organisationen“, hinauszugehen.14 Es würde Sozialisten abverlangen, passende Momente für Massenstreiks zu erkennen, die sich von dem Vorbild unterscheiden, das die Deutsche Revolution von 1918 bietet, die aber dennoch durch die Errichtung einer Doppelherrschaft eine Krise hervorrufen:

[Neue radikale Kampfformen der Massen] können und müssen erreichen, daß die Massen neue Machtpositionen erobern, Kontroll- und Vetofunktionen, die einen Zustand der Doppelherrschaft ins Leben rufen , d. h. den Klassenkampf auf seine höchste und heftigste Stufe heben und so die Bedingungen für eine revolutionäre Machtergreifung heranreifen lassen.15

Wenn Postone fragt: Wie bewahren wir die marxschen Einsichten nach dem Marxismus? Wie können wir Marx – unabhängig davon, wie er in der Gegenwart angewandt wird – als eine immanente Kritik des Kapitals aufgreifen, verstehen und überdenken? – Dann fragte die Vierte Internationale: Wie können Sozialisten eine Praxis aufbauen? Wie können sie ihre Aktivitäten auf das Ziel des Sozialismus ausrichten? Sowohl Postone als auch die Trotzkisten erkannten ein Problem, das Platypus eine historische Sackgasse nennen würde. Beide waren eine linke Kritik der Linken.

„Freds Geist lebt: ‚Ich bin ein Revolutionär‘“, Plakat des Revolutionary Youth Movement

Als Benjamin Blumberg und ich Postone für die Platypus Review interviewten, fragten wir ihn nach seiner Beteiligung an der Neuen Linken und seinen Erfahrungen als Student.16 Postone war zunächst Teil der Fraktion innerhalb der Students for a Democratic Society (SDS), die Revolutionary Youth Movement (RYM) hieß, und die sich in Opposition zu Progressive Labor (PL) – einer stalinistischen Organisation, die aus einer Spaltung der Communist Party of the United States of America (CPUSA) heraus entstanden war – befand. Laut Postone war das Problem mit PL, dass sie sich „wesentlich außerhalb historischer Zeit“ bewegten, abgekoppelt von zeitgemäßen und tatsächlichen Möglichkeiten. Aber seine Orientierung am RYM währte nur kurz. Als Reaktion auf die Arbeitsgruppe „Die Jugend als Klasse“ des RYM, startete er gemeinsam mit einem Freund einen gesonderten Lesekreis zu Hegel und Marx. Er begründete das so:

Wir empfanden Gesellschaftstheorie als wesentlich für das Verständnis des historischen Moments und den Fokus auf die Unmittelbarkeit der Erscheinung [surface immediacy] des RYM als verheerend. Wir lasen Lukács, der uns auch insofern die Augen öffnete, als er viele der Motive einiger konservativer Kritiker des Kapitalismus aufgriff – die Kritik der Bürokratisierung, des Formalismus, des vorherrschenden Wissenschaftsmodells – und diese innerhalb der marxschen Analyse der Warenform einordnete. In gewisser Hinsicht ließ das die konservativen Kritiker viel oberflächlicher erscheinen als zuvor und vertiefte und erweiterte den Begriff einer marxschen Kritik. Ich sah darin wirklich eine eindrucksvolle Glanzleistung. Unterdessen war ich sehr unglücklich mit bestimmten Ausrichtungen, die die Linke vorgenommen hatte.17

Der junge Georg Lukács

Postones Bedenken hinsichtlich der Unmittelbarkeit der Erscheinung und der konkreten Gegnerschaft gegenüber dem Kapital tauchen wieder in seinem Artikel „Geschichte und Ohnmacht“ auf.18 Seine Kritik an der Linken im Jahr 2007 wurde von seiner Kritik an der Neuen Linken geprägt, also davon, was er als die Fehler seiner Generation erachtete. Das war Postones Urteil.

Was ist mit den Trotzkisten? In dem Interview, das unser Mitglied Efraim Carlebach 2017 mit Ian Birchall führte, bestimmte er das Verhältnis zwischen der Neuen Linken und der Antikriegsbewegung folgendermaßen:

Die Vietnam-Solidaritätskampagne wurde im Grunde von dem angeführt, was zur (IMG) wurde, einem weiteren Bruchstück der Vierten Internationale. Wir riefen die Vietnam-Solidaritätskampagne ins Leben […] Das geschah gegen den British Council for Peace in Vietnam, der im Grunde von der Kommunistischen Partei und der Linken innerhalb der Labor Party geführt wurde und der eine sehr nachgiebige Linie verfolgte, die lediglich Verhandlungen forderte.19

In diesen unbeständigen Zeiten der Spaltungen und Neugruppierungen auf der trotzkistischen Linken konkurrierte Mandels Organisation, die IMG, mit Birchalls Organisation, den International Socialists (IS) – ein Vorläufer der Socialist Workers Party/UK (gegründet 1977), die von Tony Cliff geführt wurde. Auch wenn diese beiden trotzkistischen Organisationen für die kommenden Jahrzehnte rivalisierende und entgegengesetzte Strömungen blieben (die Anhänger Mandels und die Anhänger Cliffs), begannen sie, sich auf Grundlage ihrer geteilten Vietnam-Solidarität anzunähern. Die beiden Strömungen kamen sich hinsichtlich ihres strategischen Verhältnisses zur Antikriegsbewegung näher. Alis Entwicklung repräsentiert daher eine wichtige Kontinuität und Überschneidung, die von deren gemeinsamer Reaktion auf 1968 herrührt.20 Ihre geteilte strategische Perspektive lässt die Entwicklung erkennen, die die Neue Linke einschlug.

Laut Birchall reagierten die IS auf die Alte Linke, indem sie eine frühere Interpretation von antiimperialistischer sozialistischer Politik ablehnten und diese durch eine neue Perspektive ersetzten:

Wir waren der Auffassung, dass die Fronten klar verteilt waren, und wir befürworteten den Sieg der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams, weil es sich um einen Kampf für die nationale Befreiung gegen den Imperialismus handelte. Diese Losung begann, Leute anzuziehen.21

In den USA wurden die Anhänger Cliffs durch die International Socialist Organization (ISO) vertreten, die die Antikriegsbewegung während des Irakkriegs unter Bush anführten.

Birchall meinte, dass Tony Cliff ursprünglich dachte, Vietnam sei „eine ziemliche Ablenkung“. Er änderte seine Meinung dazu recht schnell, aber:

Es waren die jüngeren Genossen, insbesondere Chris Harman, die die Hinwendung der International Socialists zur Vietnam-Bewegung und die Abkehr von einem Standpunkt bewirkten, der äußerst abstrakt-negativ gewesen wäre.22

Auf der einen Seite machte Postone das Problem der Neuen Linken in ihrer oberflächlichen Analyse – oder in ihrem Fokus auf die „Unmittelbarkeit der Erscheinung“ – aus und auf der anderen Seite beschrieb Birchall das Problem, auf das sie gestoßen waren, als potenzielle Bedeutungslosigkeit – oder als „äußerst abstrakt-negativen Standpunkt“ –, wobei Prinzipien völlig losgelöst von der Realität gewesen wären.

Wenn wir diese begriffliche Rahmung aufgreifen, so würde Birchall Postone aufgrund dessen Betonung der „abstrakten Negation“ verwerfen, die die Gegenwart von einer marxistischen politischen Praxis beraubt zurücklässt, während Postone die Anhänger Cliffs verwerfen würde, da diese für eine „oberflächliche Analyse“, eine Fetischisierung des Konkreten (z. B. des amerikanischen Imperialismus) eintreten, die der Antikriegsbewegung hinterherläuft, um den Marxismus „relevant“ zu machen.

IV. Das Abstrakte und das Konkrete

Was sind Postones zentrale Kategorien in „Geschichte und Ohnmacht“? Ich habe bisher auf ein paar von ihnen hingewiesen: eine historische Dynamik und das Problem der „Fetischisierung des Konkreten“. Als letztes möchte ich die Kategorie des „Widerstands“ einführen. In dem Textausschnitt, den Platypus für die Podiumsdiskussion „Reform, Revolution, Widerstand: Problematische Formen des heutigen Antikapitalismus“ benutzt hat, schreibt Postone:

Die Kategorie des Widerstands besagt jedoch wenig über die Eigenschaften dessen, gegen das Widerstand geleistet wird oder über die damit einhergehende Politik des Widerstands – das heißt, über die Eigenschaften der bestimmten Formen von Kritik, Opposition, Rebellion und „Revolution“. Die Kategorie des Widerstands drückt häufig ein zutiefst dualistisches Weltbild aus, das dazu neigt, sowohl das Herrschaftssystem als auch die Vorstellung von Handlungsfähigkeit zu verdinglichen.23

Postone beunruhigte die Art und Weise linker politischer Handlungsfähigkeit, wenn sie als Form der Opposition gegen konkrete historische Entwicklungen auftrat, ohne die tiefgreifenden strukturellen Transformationen in Betracht zu ziehen, das heißt die Umstrukturierung der Gesellschaft unter dem Kapital. Wie geht die Linke mit historischen Veränderungen um?

Postone legt eine Diagnose des Zustands der arabischen und muslimischen Welt dar, die einer genaueren Betrachtung bedarf. Er argumentierte, dass ein starker Niedergang der arabischen Welt zu beobachten sei:

Die mit dem arabischen Nationalismus der fordistischen Nachkriegszeit in Verbindung stehenden Strukturen des autoritären Staats erwiesen sich aus welchen Gründen auch immer als unfähig, sich an diese globalen Transformationen anzupassen. Man könnte argumentieren, dass diese Transformationen den arabischen Nationalismus sogar stärker schwächten und untergruben als die militärische Niederlage gegen Israel 1967. Solche abstrakten historischen Vorgänge können „vor Ort“ rätselhaft und außerhalb der Einflussmöglichkeiten lokaler Akteure erscheinen und Gefühle der Machtlosigkeit hervorrufen.24

Darüber hinaus wurde „[d]er ideologische Rahmen, der zur Interpretation dieses Niedergangs [der arabischen Welt, P. N.] bereitstand“ – das heißt zur Konkretisierung des Problems von Freiheit und Unfreiheit –

von Denkern wie dem Ideologen der ägyptischen Muslimbruderschaft Sayyid Qutb ausformuliert, der die kapitalistische Moderne als eine Verschwörung von Juden (Freud, Marx, Durkheim) zur Zersetzung „gesunder“ Gesellschaften ablehnte. Israel stellte in seiner antisemitischen Vorstellungswelt lediglich den Brückenkopf einer übermächtigen und bösartigen Weltverschwörung dar.25

Postone argumentiert, dass diese Form des Verkennens mit der Neigung zu tun hat, das Abstrakte – die Herrschaft des Kapitals – als Konkretes zu begreifen, das heißt als jüdische Verschwörung „zur Weltherrschaft“ oder als „fetischisierte Identifikation der Vereinigten Staaten mit dem globalen Kapital“26:

[D]ie Ausbreitung des Antisemitismus und damit verwandte antisemitischen Formen des Islamismus (wie etwa die ägyptische Muslimbruderschaft und ihr palästinensischer Ableger, die Hamas) [sollten] als Ausbreitung einer fetischisierten antikapitalistischen Ideologie [begriffen werden], die eine als bedrohlich empfundene Welt zu verstehen vorgibt. Diese Ideologie mag von Israel und dem politischen Handeln Israels entfacht und verschärft werden, aber ihre Resonanz wurzelt im relativen Niedergang der arabischen Welt, der vor dem Hintergrund der tiefgreifenden strukturellen Veränderungen vor sich geht, die der Übergang vom Fordismus in den neoliberalen globalen Kapitalismus mit sich bringt.27

Der Niedergang der arabischen Welt ging im Kontext der strukturellen Veränderungen des Kapitalverhältnisses vor sich, die möglicherweise eine Chance für die Linke darstellten. Aber jene politischen Kräfte, die die massenhafte gesellschaftliche Unzufriedenheit hätten organisieren können, machten das Problem von Freiheit und Unfreiheit zu einer Angelegenheit von bösen (und gefährlichen) Akteuren. Postone argumentiert, dass diese Form des Verkennens den Weg für aussichtslose politische Praktiken und für einen Rechtsruck der politischen Ideologie ebnete.

Anschließend wiederholt er seine Kritik an der Antikriegs-Linken während des Irakkriegs, die er auch an seine Mitstreiter in der Neuen Linken richtete:

[D]ie jüngsten Massenmobilisierungen waren weder Ausdruck noch der Beitrag zur Entstehung dessen, was in diesem Zusammenhang notwendig gewesen wäre – eine Bewegung, die gleichzeitig gegen den Krieg der Amerikaner und für eine grundlegende Veränderung im Irak und darüber hinaus im Nahen Osten eintritt.28

Postones Diagnose geht mit einer Warnung einher: Die Neue Linke kaschierte unter Bedingungen der Abwesenheit politischer Handlungsfähigkeit zur Umgestaltung der Gesellschaft im Nahen Osten ihre Ohnmacht, indem sie sich in den späten 1960er-Jahren der Gewalt zuwendete und sich in den frühen 1970er-Jahren den Deckmantel der Militanz überzog. Angesichts des allgegenwärtigen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Unmuts sowie des bürokratischen Stillstands der fordistischen Welt machte sich die Linke sorelianische Gewalt als „Akt der Reinigung“ – als „erlösenden Akt der Erneuerung“, als eine schöpferische Kraft, die letztendlich ihre Ohnmacht verdeckte – zu eigen. Postone lehrte uns, dass die Anwendung von Gewalt als Erlösung – als Gerechtigkeit – Ausdruck einer als Hoffnung getarnten Ohnmacht ist. Diese Verzweiflung deutet auf eine Abwesenheit linker politischer Handlungsfähigkeit hin.

Tariq Ali auf der anderen Seite rückt die Geschichte der Linken im Nahen Osten in den Vordergrund. Alis Ausgangspunkt in dem Platypus-Interview war die Niederlage des Osmanischen Reichs im Ersten Weltkrieg und die Umgestaltung dieser Region hin zu kleinen Staaten unter den Briten und Franzosen, was laut ihm zu einer starken nationalistischen Strömung sowie – teilweise inspiriert durch die Revolution von 1905 – zur Entstehung kleiner kommunistischer Parteien führte. Er meinte, dass die Palästina-Frage im Kontext der aufkommenden nasseristischen Bewegung, der Führerin des arabischen Nationalismus, in den 1950er-Jahren entstand. Es folgten die Revolutionen in Syrien (1956) und im Irak (1958). Alis Einschätzung nach schien die Vorstellung Vereinigter Arabischer Staaten mit Kairo, Damaskus und Bagdad als Hauptstädte „möglich“. Jedoch wurde diese Vorstellung eines „nicht radikalen [d.h. nicht islamistischen, P. N.] Nationalismus in der arabischen Welt“ – oder, laut Ali, der Weg, der nicht eingeschlagen wurde – durch eine Reihe von Kriegen zunichte gemacht und erhielt schließlich mit 1967 ihren Todesstoß. Damit wurde eine einmalige Gelegenheit verpasst:

Beginnend mit den 1980er-Jahren ist diese Geschichte eine der Ausnutzung religiöser Kräfte durch den US-Imperialismus zur Beseitigung der Sozialisten, die folglich eine Lücke hinterließ – ein Wendepunkt dabei war die Niederlage der Sowjets in Afghanistan 1989.29

Ali machte das Publikum darauf aufmerksam, dass wir achtgeben sollten, wenn wir über den „irakischen Widerstand“ reden, weil darunter „säkulare Elemente [sind], die die Imperialisten als religiöse Fanatiker darstellen wollen“ und wir nicht darauf hereinfallen sollten. Auf was nahm er Bezug?

Für Ali stellte die Hamas eine politische Alternative zur Palästinensischen Autonomiebehörde dar. In seinem New Left Review-Artikel von 2006 schrieb er:

Ohne jedwede Ressourcen ihres Kontrahenten errichtete sie Kliniken, Schulen, Krankenhäuser und setzte Berufsausbildungs- und Sozialhilfeprogramme für die Armen auf. Ihre Führer und Kader lebten genügsam in Reichweite der gewöhnlichen Leute. Es war diese Antwort auf die alltäglichen Bedürfnisse, die der Hamas die breite Basis ihrer Unterstützung zusicherte, nicht die tägliche Rezitation von Koranversen.30

Und dennoch:

Das programmatische Erbe der Hamas bleibt mit einer Hypothek der verhängnisvollsten Schwäche des palästinensischen Nationalismus belastet: dem Glauben, dass die ihr zur Verfügung stehenden politischen Alternativen darin bestehen, entweder die Existenz Israels gänzlich abzulehnen oder sich mit den zerstückelten Überbleibseln eines Fünftels des Landes zufriedenzugeben.31

Für ihn bestand die Frage darin, ob die Hamas „mit dieser lähmenden Tradition brechen“ könne oder nicht.32 Während die sozialistischen Kräfte 1989 endgültig besiegt waren, ging Ali davon aus, dass die neuen politischen Subjekte einer wiederauflebenden Linken die am meisten Entrechteten sein würden – „Die Hamas, die Hisbollah, die Sadr-Brigaden und die Basidsch haben ihre Wurzeln in den Slums.“33 Alis Auffassung von politischer Handlungsfähigkeit wurde zu dem, was Postone als Fetischisierung des Konkreten ausgemacht hätte:

Der Kontrast zu den Hariris, den Dschalabis, den Karzais, den Allawis, auf die der Westen setzt – Auslandsmillionäre, korrupte Banker, CIA-Erfüllungsgehilfen –, könnte stärker nicht sein. Ein radikaler Wind weht von den Straßen und Hütten der heutigen Verdammten dieser Erde her, die vom sagenhaften Erdöl-Reichtum umgeben sind.34

Für Ali war die Geschichte der Neuen Linken unverzichtbar. In seinem Interview für Platypus und in seinem Beitrag für die New Left Review gab er uns mittels einer Geschichte der Linken im 20. Jahrhundert eine Theorie der Gegenwart. Die Kommunisten waren besiegt worden, der amerikanische Imperialismus herrschte uneingeschränkt und während die politische Handlungsfähigkeit 1989 in sich zusammengebrochen war, sollte ein neues politisches Subjekt auf Grundlage des Ressentiments der Unterdrückten statt durch die Organisation der Arbeiter wiederhergestellt werden.

V. Historische Bildung: Eine Theorie der Gegenwart

Durch die Beschäftigung von Platypus mit der existierenden Linken erfuhr ich von der Revolution von 1905, von der Wende zum arabischen Nationalismus, von den kommunistischen Parteien im Irak und im Iran. Unsere Podiumsdiskussionen ermöglichten uns, auch die Stellen freizulegen, zu denen einzelne Gespräche nicht vordringen konnten. Bei der Veranstaltung „Marxismus und Israel: Linke Perspektiven auf den israelisch-palästinensischen Konflikt“, die wir 2010 am Hunter College organisierten, lernte ich, dass Alis historische Darstellungen eklatante Lücken aufwiesen. Bei den beiden Sprechern handelte es sich um Richard Rubin, ein Platypus-Mitglied, und Alan Goodman, ein Mitglied der Revolutionary Communist Party. Auf dem Podium merkte Rubin Folgendes an:

1948 unterstützte die Sowjetunion unter Stalins Diktatur die Staatsgründung Israels und das bereits erwähnte sozialistische Lager [China und die UdSSR, P. N.] stellte erhebliche – manche würden sagen: entscheidende – materielle Hilfe zur Verfügung. Zudem erschienen zu dieser Zeit zahlreiche Artikel in der kommunistischen Presse, die den israelischen Kampf als einen antiimperialistischen bejubelten. Die arabischen kommunistischen Parteien, die klein waren, aber in mehreren Ländern – insbesondere in Ägypten und im Irak – existierten, lehnten das Eingreifen der arabischen Armeen loyal ab und unterstützten die Teilung.35

Rubins Wortbeiträge hoben eine verschüttete Geschichte der Linken in den Vereinigten Staaten hervor: die Unterstützung Israels durch die Linke. Dieses Bruchstück linker Geschichte wurde klarer, als Platypus in Deutschland wuchs. Unser internationales Wachstum über die Vereinigten Staaten hinaus machte es für uns erforderlich, Historiker der Linken zu werden. Mit dem Ziel, die Linke zu verstehen und aus ihren offensichtlichen Widersprüchen schlau zu werden, unterzogen wir uns einer kontinuierlichen Bildung. Aus dem Provinzialismus der amerikanischen Linken auszubrechen, bedeutete auch, die Leser unserer monatlich erscheinenden Zeitschrift, The Platypus Review, den Bruchstücken einer Geschichte auszusetzen, die sie nicht als ihre eigene erkannten.36 Es bedeutete außerdem, unsere deutschen Mitglieder dazu einzuladen, die Geschichte Amerikas als Teil des globalen Aufstiegs der bürgerlichen Gesellschaft in Betracht zu ziehen. Platypus baut Brücken, um eine Geschichte der Linken für die Zukunft zu entwerfen.

Mitglieder der Israelischen Kommunistischen Partei (Maki), ehemals die Kommunistische Partei Palästinas (PKP), am Wahltag am 25. Januar 1949 in Nazareth. Vorangegangen war die am 22. und 23. Oktober 1948 stattfindende Vereinigungskonferenz in Haifa, auf der die palästinensischen Kommunisten, die auf dem von Israel besetzten Gebiet verblieben und die Mitglieder der von Tawfik Toubi und Emile Habibi geführten Liga der nationalen Befreiung in Palästina gewesen waren, verkündeten, dass sie der Maki beitreten würden. (Bild: Hugo Mendelson/GPO)

Viele junge Platypus-Mitglieder nahmen sich aus intellektueller Neugier und dem Wunsch nach Selbstbildung Forschungsprojekten und weiterführender Lektüre an, was oftmals zu Artikeln in der Platypus Review und zu Teach-ins führte. Ian Morrison schrieb für die Platypus Review einen Artikel über die Geschichte des Baathismus.37 Zudem veranstalteten wir einen Sommerlesekreis zur Islamischen Revolution, was in eine jahrelangen Auseinandersetzung mit der iranischen Linken mündete. Zum Iran lasen wir Fred Halliday, Kevin Andersons und Janet Afaris Foucault and the Iranian Revolution sowie Ervand Abrahamians Iran Between Two Revolutions.38 Als ich von Chicago nach New York zog, setzte ich meine Selbstbildung zur iranischen Linken fort, indem ich eines von Abrahamians Seminaren an der City University of New York zur Islamischen Revolution belegte, was zu einem Teach-in und zur Organisation von Podiumsdiskussionen zum Erbe der Islamischen Revolution im Angesicht der Grünen Bewegung (2009/2010) führte.39

Abrahamian stand damals stellvertretend weder für die Trotzkisten noch für die Frankfurter Schule, sondern für eine radikale liberale Perspektive – die „Radlibs“. In dem Interview, das Spencer Leonard mit Abrahamian für die Platypus Review führte, lehrte uns letzterer, dass der Aufstieg des radikalen Islam seine spezifischen historischen Ursprünge im arabischen Nationalismus hatte.40 Er machte uns darauf aufmerksam, dass man die beiden nicht verwechseln sollte. Ein zentrales historisches Kennzeichen des Aufstiegs des radikalen Islams besteht darin, dass seine Ursprünge bei den Studenten im Iran zu finden sind, die den Islam auf eine viel „sozialistischere Weise“ verstanden:

Der wichtigste Philosoph dieses Phänomens ist Ali Schariati, der stark von Franz Fanon beeinflusst war. Schariati fügte dem Schiismus radikale Vorstellungen des Klassenkampfs, der Gleichheit, des Antikapitalismus, des Antiimperialismus und des Antiklerikalismus hinzu. Schariati hat stark antiklerikale Züge. Seine Vorstellungen übten auf Hochschulabsolventen, Studenten und Schüler einen großen Reiz aus, und das waren die größten Bevölkerungsgruppen, die von 1977 an die Demonstrationen organisierten und auf die Straße gingen.41

Das bedeutete, dass die Islamische Revolution ebenso Teil der Geschichte der Neuen Linken war. Die Studenten in den Hörsälen der Universität Teheran deuteten marxistische Politik neu, drängten die Alte Linke zurück und formulierten eine neue Variante antiimperialistischer Politik aus. Alis Wiederaneignung Fanons bei der Beschreibung des revolutionären Winds, der von den Slums her wehe, war nicht originär – es war Ali Schariati.

Eine Demonstration der Volksmudschahedin in Teheran während der Revolution; bei der Abbildung auf dem linken Plakat handelt es sich um Dr. Ali Schariati

Ich möchte mit meinen ausführlichen Erläuterungen darlegen, wie die Geschichte der Neuen Linken, der wir in Fetzen und Bruchstücken begegnen, unsere Auffassung von den gegenwärtigen Sackgassen verändert. Es handelt sich um eine fortlaufende Veränderung und die Gegenwart erfordert es, diese Geschichte unter veränderten Bedingungen zu durchdenken. Die linke Geschichte stattete uns nicht mit einer endgültigen Antwort aus, sondern half uns dabei, unsere Fragen zu formulieren. Im Rahmen von Platypus-Podiumsdiskussionen fragen wir nicht: Stimmst Du Ali zu? Stimmst Du Postone zu? Stimmst Du Abrahamian zu? Wir fragen dich nicht: Auf welcher Seite stehst Du? Stattdessen wollen wir die anhaltenden Hindernisse linker Praxis begreifen: Wie handelte die Linke in der Geschichte? Welche Aufgaben und Hindernisse müsste eine frisch wiederhergestellte Linke aufgreifen? Es gibt keine einfache oder direkte Linie von der Gegenwart in die Vergangenheit. Die Dinge sind verschüttet, teilweise verzerrt, manche Horizonte sind vergessen oder verschollen. Platypus versucht, das Geröll zu sortieren, die Hieroglyphen zu entziffern, damit vergangene Versuche zur Herstellung eines revolutionären Bewusstseins und zum Aufbau sozialistischer Politik eine neue Bedeutung erlangen können.

VI. Potenzial?

Abschließend möchte ich auf Platypus und die Frage nach der Millennial Linken zurückkommen. Eine geläufige Platypus-Parole zur selbstverschuldeten Niederlage der Millennial Linken lautet, dass sie „daran gescheitert ist, eine sozialistische Partei aufzubauen“. Das stimmt schon, aber es ist nicht hilfreich, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, was Platypus als Organisation der Millennials im Verlauf der vergangenen 18 Jahre getan hat. Es ist niemals unser Ziel gewesen, „die Partei aufzubauen“, sondern arbeitsteilig daran mitzuwirken, dass solch eine Unternehmung möglich, erstrebenswert und erneut notwendig werden würde.

Trotz des allgemeinen Abschwungs auf der Linken schießen neue Projekte aus dem Boden, neue „kommunistische Parteien“, neue Lesekreise und sogar eine erneuerte Kampagne für eine Sozialistische Partei. Wie sind diese Aktivitäten einzuordnen?

Platypus bleibt agnostisch.

Genauso wie 2006/2007 müssen wir heute offen gegenüber der Möglichkeit bleiben, dass neue Generationen einen neuen Versuch unternehmen und scheitern werden. Die Millennial Linke hat einen Versuch unternommen und ist gescheitert. Nur weil es Platypus gab und die Bedeutung ihrer Versuche verstand, konnte unser Publikum – potenziell – Lehren aus ihrer Niederlage ziehen. Dass die Millennial Linke „die Partei nicht aufgebaut hat“, ist eine schlichte Tatsache. Sicherlich gab es Versuche, das zu tun, einschließlich von jenen, die sich in der Kampagne für eine Sozialistische Partei engagierten. Wie könnte Platypus aus solchen Versuchen schlau werden? Wir haben keine andere Wahl, wenn wir zu lernen nicht verlernt haben.

In den ersten Jahren bestand unsere Erwartung darin, dass Platypus die Symptome auf der Linken würde zuspitzen – und die „stumpfen Symptome“ würde ausmisten – können. Was bedeutete das? Wir stellten uns vor, dass die Linke dazu zu bringen, ihre Auffassung der Gegenwart – sowie die Beweggründe ihrer politischen Praxis – zu artikulieren, zwei Dinge bewirken könnte: die Hindernisse offenzulegen, die eine zukünftige Linke in ihrer Praxis anpacken müsste; und unsere Mitglieder dabei zu unterstützen, die Lücken und Inkonsistenzen im Selbstverständnis der Linken zu erkennen, die sie zu füllen und zu bereinigen hätten. Wir wollten eine intellektuelle Neugier auf die Linke, auf ihre Geschichte und auf ihre Horizonte bei unserem Publikum hervorrufen und fördern. Anstatt auf die existierende Linke als diejenige zu blicken, die die Antworten parat hat (Entscheide dich einfach für eine Seite!), wollten wir unser Publikum dazu herausfordern, nachzudenken. Die Podiumsdiskussionen waren entscheidend für dieses Unterfangen. Platypus richtete das Gespräch aus. Nirgendwo sonst außer bei Platypus konnten Postone, Ali und Abrahamian ins Gespräch miteinander gebracht werden. Die drei „bildeten kein Ganzes“, sondern sie verwiesen vielmehr – wenn auch nur teilweise – auf ein Problem, auf eine Sackgasse auf der Linken, wenn sie ins Verhältnis zueinander gesetzt wurden. Wir wussten, dass ohne Platypus eine solche Selbstbildung nicht stattfinden und dass die Abwesenheit der Linken nicht spürbar werden würde. Ohne Platypus würde es keine zukünftige Linke geben.

Die Frage nach dem Potenzial der Millennial Linken, die Cutrone bei seiner Buchvorstellung aufwarf, schwirrt noch in meinem Kopf herum. Ich stellte mir im Anschluss daran die Frage, ob Platypus die Selbstüberwindung der Millennial Linken sein kann. Das hieße, dass die vergangenen Versuche einer bezwungenen Generation durch unsere Arbeit zu einem anderen Zeitpunkt neu bedacht werden könnten. Vielleicht war eine „sozialistische Partei“ zum damaligen Zeitpunkt nicht im Rahmen des Möglichen, sondern der Beginn einer Nachforschung und das Beharren auf einer Aufgabe. Vielleicht bestand die Möglichkeit in Platypus selbst.

Wie der Rest der Millennial Linken waren auch wir optimistisch in Bezug auf das, was wir würden bewerkstelligen können. Wir stellten Forderungen an eine Realität, die nicht reif war. Wir hofften, dass die Millennial Linke sich selbst als etwas anderes würde erkennen können als das Gewesene. Waren wir zu optimistisch?

Ich denke, wir hatten zahlreiche unbeabsichtigte Einflüsse auf die Millennial Linke, die wir nicht vorhersahen. Die Einsicht von Platypus, dass die „Linke tot [ist]!...“ wird mittlerweile von der Linken – sogar von denen, die dazu aufrufen, den Kampf fortzusetzen – gemeinhin akzeptiert. Der zweite Teil unserer Losung, „…Es lebe die Linke!“, bleibt verwirrend. Bei einem Großteil der Linken hat die Stumpfsinnigkeit zugenommen und das historische Bewusstsein abgenommen. Der Untergang der sektiererischen Organisationen (unter anderem die International Socialist Organization/US und die Socialist Workers Party/UK) hat niemanden wachgerüttelt, Verantwortung zu übernehmen, sondern der zunehmenden Orientierungslosigkeit Tür und Tor geöffnet. Teile der heutigen Linken scheinen einen unverhohlenen Kampf gegen ein historisches Bewusstsein zu führen. Teil ihres verzweifelten Instrumentariums zur Erlangung von Relevanz ist es, sich der Geschichte des Marxismus gänzlich zu entledigen, teilweise den Namen ihrer Organisationen zu ändern und sich auf das Ressentiment einer bewusstlosen Masse herabzulassen. Inmitten dieser Masse sind Studenten, die nach größerer Klarheit suchen, aber stattdessen gesagt bekommen, dass sie sich berechtigterweise der Verzweiflung hingeben. Wie kann Platypus unter diesen Bedingungen zur Bildung einer neuen Generation beitragen?

Natürlich liegt es im Bereich des Möglichen, dass unsere Arbeit die Bedingungen und begrifflichen Kategorien für einen neuen Selbstbetrug und eine Liquidation auf der Linken in Nachfolge der Millennials liefert. Die Kräfte der Regression lassen uns nicht unberührt. Aus diesem Grund müssen wir unsere historische Entwicklung und unsere Ziele mit nüchternem Blick reflektieren. Ja, 18 Jahre später muss Platypus immer noch die Fragen stellen. Aber diese Fragen sollten eine gesunde Dosis an Nachforschungen über uns selbst beinhalten. Wir wollen neue historische Möglichkeit nicht dadurch verspielen, dass wir den Wiederholungszwang der toten Linken unsererseits wiederholen. Unser Ziel bleibt: Kritik und Bildung mit dem Ziel der Re- und Neuorganisation einer marxschen Linken. Die Frage, wie wir dieses Ziel unter veränderten historischen Bedingungen erreichen, macht es erforderlich, uns selbst aufs Neue entgegenzutreten. |P

Der vorliegende Texte erscheint ebenso in der englischsprachigen Platypus Review #170 (Oktober 2024): https://platypus1917.org/2024/10/01/helplessness-without-history-political-education-after-the-millennial-left/. Er wurde von Tobias Rochlitz ins Deutsche übersetzt.


1. Pamela Nogales, „History and Helplessness“ (9. November 2023), Platypus Teach-in, University of Chicago. Eine Videoaufnahme des Teach-ins ist online hier abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=T9BX4HGK1m8. Der Dank der Autorin gilt Efraim Carlebach, Nils Frisius, Cam Hardy, Itsï Ramirez, Marco Torres, Tobias Rochlitz und Andreas Wintersperger für ihre wohlüberlegten Bemerkungen und Anregungen.

2. Moishe Postone, „History and Helplessness. Mass Mobilization and Contemporary Forms of Anticapitalism“, Public Culture 48, Jg. 19 (2006): 93–110, https://platypus1917.org/wp-content/uploads/readings/postonemoishe_historyhelplessness.pdf.

[Der Text „History and Helplessness“ wurde 2006 auf Englisch erstveröffentlicht, während laut den Herausgebern von Deutschland, die Linke und der Holocaust bereits 2005 ebenda ein Text Postones unter dem Titel „Geschichte und Ohnmacht“ – basierend auf einem Vortrag Postones auf der Konferenz „Indeterminate! Kommunismus“, die vom 7.–9. November 2003 in Frankfurt stattfand – auf Deutsch erstveröffentlicht wurde (siehe Moishe Postone, „Geschichte und Ohnmacht. Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus,“ in Deutschland, die Linke und der Holocaust, Hrsg. initiative kritische geschichtspolitik (Freiburg 2005), 195–212, https://platypus1917.org/wp-content/uploads/Moishe-Postone-Geschichte-und-Ohnmacht-2005.pdf.). Dementsprechend handelt es sich bei dem 2005 veröffentlichten Text „Geschichte und Ohnmacht“ nicht um die Übersetzung des Texts „History and Helplessness“ von 2006, sondern vermutlich um die Übersetzung eines auf dem Vortrag von 2003 basierenden Texts. Da die deutsche Übersetzung von 2005 und der englische Text von 2006 zum Teil deutlich voneinander abweichen, habe ich die Zitate im Folgenden entweder gänzlich selbst übersetzt (siehe die Fußnoten 22, 23 und 25) oder aus der deutschen Übersetzung von 2005 entnommen und gemäß dem englischen Text von 2006 überarbeitet (siehe die Fußnoten 24, 26 und 27). Bei den Fußnoten 21–23 habe ich zudem vermerkt, woher das jeweilige Zitat aus der deutschen Übersetzung von 2005 stammt, das ich in überarbeiteter Form übernommen habe.

Die Übersetzung des Zitats, auf das sich diese Fußnote bezieht, habe ich „Geschichte und Ohnmacht“ (2005), S. 212 entnommen, überarbeitet und Pamela Nogales‘ Zitierweise angepasst (Anm. d. Übers.).]

3. The Platypus Affiliated Society, „Zielsetzung“ (Chicago, 2007), https://platypus1917.org/project/mission-deutsch/.

4. Für das Bild vgl. mark sebastian (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:-7271_No_Justice_No_Peace.jpg), „-7271 No Justice No Peace“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcode

5. Am 12. Oktober 2023 veranstaltete die Platypus Affiliated Society an der University of Chicago eine Buchvorstellung von The Death of the Millennial Left: Interventions 2006–2022 mit Chris Cutrone. Die Buchvorstellung ist online hier abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=g4D7YGgqfGc. Das Buch ist online hier zu erwerben: https://sublationmedia.com/product/the-death-of-the-millennial-left-interventions-2006-2022/.

6. Kevin Anderson, Chris Cutrone, Nick Kreitman, Danny Postel, und Adam Turl, „Imperialism: What is it? Why should we be against it?“, Platypus Review, Nr. 25 (Juli 2010), https://platypus1917.org/2010/07/09/imperialism-what-is-it-why-should-we-be-against-it/.

7. Tariq Ali, „Mid-Point in the Middle East?,“ New Left Review, Nr. 38 (März/April 2006), https://newleftreview.org/issues/ii38/articles/tariq-ali-mid-point-in-the-middle-east.

8. The New Left Reader, Hrsg. Carl Oglesby (New York: Grove Press, 1969).

9. Brief der Irakischen Kommunistischen Partei, „Letter to Fraternal and Friendly Parties About the Situation in Iraq and the Position of the Iraqi Communist Party“ (2006), https://platypus1917.org/2024/04/01/44538/.

10. Osama bin Laden, Messages to the World: The Statements of Osama Bin Laden, Hrsg. Bruce Lawrence (London: Verso, 2005).

11. Interview mit Tariq Ali über den Irak, die Antikriegsbewegung und den Zustand der Linken heute, geführt von dem Platypus-Mitglied Chris Cutrone am 15. Oktober 2007 am SAIC. Online abrufbar unter: https://archive.org/details/TariqAliInterviewedByChrisCutronePlatypusChicago.

12. International Communist League, „Defend Iraq Against U.S. and Allied Imperialist Attack!“, Spartacist, Nr. 57 (Winter 2002/03), S. 4–11. Online abrufbar unter: https://www.marxists.org/history/etol/newspape/spartacist-us/1999-2011/0057_Winter_2002-03-Spartacist.pdf.

13. Siehe Ernest Mandel: „Die Lehren vom Mai 1968“, zuerst 1968 als Artikel in Les Temps Modernes and New Left Review veröffentlicht. Auf Englisch online abrufbar unter: https://www.marxists.org/history/etol/img/img-pamphlets/IMG-%20Lessons%20of%20May%201968-%20Mandel.pdf. Auf Deutsch veröffentlicht in: André Glucksmann, André Gorz, Ernest Mandel, Jean-Marie Vincent, Revolution Frankreich 1968: Ergebnisse und Perspektiven (Frankfurt a.M.: Europäische Verlagsanstalt, 1969), 122.

14. Ebd., S. 130.

15. Ebd., S. 132.

16. Benjamin Blumberg und Pamela Nogales: „Marx after Marxism. An Interview with Moishe Postone,“ Platypus Review, Nr. 3 (März 2008), https://platypus1917.org/2008/03/01/marx-after-marxism-an-interview-with-moishe-postone/.

17. Ebd. [eigene Übersetzung, T. R.].

18. Vgl. Postone, „History and Helplessness,“ S. 102 und S. 107f.

19. Efraim Carlebach, „The unchanging core of Marxism. An interview with Ian Birchall,“ Platypus Review, Nr. 102 (Dezember 2017–Januar 2018), https://platypus1917.org/2017/12/02/unchanging-core-marxism-interview-ian-birchall/ [eigene Übersetzung, T. R.].

20. Es ist außerdem beachtenswert, dass Ali Herausgeber der Zeitschrift Black Dwarf war, die Mitglieder sowohl der IMG als auch der IS versammelte. Danke an Efraim Carlebach für diesen Hinweis.

21. Carlebach, „The unchanging core of Marxism: An interview with Ian Birchall“ [eigene Übersetzung, T. R.].

22. Ebd. [eigene Übersetzung, T. R.].

23. Postone, „History and Helplessness,“ S. 108 [eigene Übersetzung, T. R.].

24. Ebd., S. 100 [eigene Übersetzung, T. R.].

25. Ebd., S. 101 [Zitat aus Postone, „Geschichte und Ohnmacht,“ S. 203 entnommen und überarbeitet, T. R.].

26. Ebd., S. 98 und S. 102 [eigene Übersetzung, T. R.].

27. Ebd., S. 101f. [Zitat aus Postone, „Geschichte und Ohnmacht,“ S. 203 entnommen und überarbeitet, T. R.].

28. Ebd., S. 103 [Zitat aus Postone, „Geschichte und Ohnmacht,“ S. 205 entnommen und überarbeitet, T. R.].

29. Siehe Endnote 11 [eigene Übersetzung, T. R.].

30. Ali, „Mid-Point in the Middle East?“ [eigene Übersetzung, T. R.].

31. Ebd. [eigene Übersetzung, T. R.].

32. Ebd. [eigene Übersetzung, T. R.].

33. Ebd. [eigene Übersetzung, T. R.].

34. Ebd. [eigene Übersetzung, T. R.].

35. Alan Goodman und Richard Rubin, „Marxism and Israel: Left perspectives on the Israeli-Palestinian Conflict,“ Platypus Review, Nr. 35 (Mai 2011), https://platypus1917.org/2011/05/05/marxism-and-israel-left-perspectives-on-the-israeli-palestinian-conflict/ [eigene Übersetzung, T. R.].

36. Initiative Sozialistisches Forum, „Communism and Israel,“ Platypus Review, Nr. 28 (Oktober 2010), https://platypus1917.org/2010/10/08/communism-and-israel/ [auf Deutsch online abrufbar unter: https://www.ca-ira.net/verein/positionen-und-texte/isf-kommunismus-israel/]; Felix Baum, „German psycho: A reply to the Initiative Sozialistisches Forum,“ Platypus Review, Nr. 33 (März 2011), https://platypus1917.org/2011/03/01/german-psycho-a-reply-to-the-initiative-sozialistisches-forum/. Für eine Einführung in die antideutsche Linke, siehe Max Hörügel, „The early Antideutsch and the working class,“ Platypus Review, Nr. 147 (Juni 2022), https://platypus1917.org/2022/05/31/the-early-antideutsch-and-the-working-class/ [Auf Deutsch veröffentlicht als: „Die frühen Antideutschen und die Arbeiterklasse“, Deutschsprachige Platypus Review, Nr. 16 (Herbst 2021), https://platypus1917.org/2021/09/30/fruehe_antideutsche_und_die_arbeiter/]. Für die aktuellste Platypus-Podiumsdiskussion, die die antideutsche Linke aufgreift, siehe unsere vor Kurzem in Berlin veranstaltete Podiumsdiskussion: „Was waren die Antideutschen?“ (02.08.2024). Eine Audioaufnahme ist online abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=sPbT71IExIw.

37. Ian Morrison, „Ba’athism and the history of the Left in Iraq: Violence and politics,“ Platypus Review, Nr. 3 (März 2008), https://platypus1917.org/2008/03/01/baathism-and-the-history-of-the-left-in-iraq-violence-and-politics/.

38. Fred Halliday, „Iran’s Tide of History: Counterrevolution and After,“ OpenDemocracy.net (19.07.2009), https://www.opendemocracy.net/en/iran-s-tide-of-history-counter-revolution-and-after/; Fred Halliday, „The Fates of Solidarity: Use and Abuse,“ in Crime, Social Control and Human Rights: From Moral Panics to States of Denial, Essays in Honour of Stanley Cohen, Hrsg. David Downes et al. (London: Willan, 2007), 394–406 [online abrufbar unter: https://platypus1917.org/wp-content/uploads/archive/library/hallidayfred_fateofsolidarity.pdf]; Danny Postel, „Who is responsible? An interview with Fred Halliday,“ OpenDemocracy.net (23.11.2005), https://www.opendemocracy.net/en/who-is-responsible-interview-with-fred-halliday/; Janet Afari und Kevin B. Anderson, Foucault in Iran. Gender and the Seductions of Islamism. Chicago: The University of Chicago Press, 2005); Ervand Abrahamian, Iran Between Two Revolutions (Princeton: Princeton University Press, 1982).

39. „30 Years of the Islamic Revolution in Iran: The Tragedy of the Left“, eine am 13. September 2009 am Brecht Forum in New York veranstaltete Platypus-Podiumsdiskussion mit Ervand Abrahamian (City University of New York), Siyaves Azeri (Vorsitzender des Ausschusses für Internationale Beziehungen der Arbeiterkommunistischen Partei Irans) und Hamid Dabaschi (Columbia University); „Teach-in on the Iranian Revolution and a discussion on the current situation in Iran“, gehalten von Pamela Nogales an der New School am 17. Februar 2010; „Forging a Left in Iran: Possibilities and difficulties“, Teach-in mit Ervand Abrahamian am 2. Mai 2010 an der New York University; „The Green Movement and the Left: Prospects for Democracy in Iran“, am 20. März 2010 auf dem Left Forum an der Pace University in New York City veranstalte Platypus-Podiumsdiskussion, online abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=uzK9cPxPdVA; Siehe auch: Maziar Behrooz, Chris Cutrone, Kaveh Ehsani und Danny Postel, „30 years of the Islamic Revolution in Iran,“ Platypus Review, Nr. 20 (Februar 2010), https://platypus1917.org/2010/02/18/30-years-of-the-islamic-revolution-in-iran/; Chris Cutrone, „The Failure of the Islamic Revolution: The nature of the present crisis in Iran,“ Platypus Review, Nr. 14 (August 2009), https://platypus1917.org/2009/08/24/the-failure-of-the-islamic-revolution/.

40. Spencer A. Leonard, „30 years of the Islamic Revolution in Iran. An interview with Ervand Abrahamian,“ Platypus Review, Nr. 14 (August 2009), https://platypus1917.org/2009/08/23/30-years-islamic-revolution-iran/.

41. Ebd. [eigene Übersetzung, T. R.].