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Der Marxismus der Rosa Luxemburg

Stefan Hain, Frigga Haug, Gert Meyer und Sascha Stanicic

Die Platypus Review Ausgabe #20 | Juli/August 2022

Am 10. April 2021 organisierte die Platypus Affiliated Society eine virtuelle Podiumsdiskussion mit Frigga Haug (feministische Marxistin), Sascha Stanicic (Sozialistische Organisation SolidaritĂ€t), Gert Meyer (Historiker) und Stefan Hain (Platypus Affiliated Society), um ĂŒber den Marxismus der Rosa Luxemburg zu diskutieren.

Es folgt ein editiertes und gekĂŒrztes Transkript der Veranstaltung, die unter https://www.youtube.com/watch?v=rrV1qjGeWyo vollstĂ€ndig angesehen werden kann.

BESCHREIBUNG
Rosa Luxemburgs Politik bildet einen kontroversen Streitpunkt innerhalb der Linken: War sie wĂ€hrend der Russischen Revolution eine Kritikerin der Bolschewiki, eine demokratische Verfechterin der SpontaneitĂ€t von unten? Oder war sie eine orthodoxe Marxistin, eine BefĂŒrworterin der Revolution durch die entschlossene politische FĂŒhrung der Arbeiterbewegung?

Bernsteins Diktum „Die Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts“ hĂ€lt die damals 27-jĂ€hrige Rosa Luxemburg entgegen, dass es das Endziel allein ist, das den Geist und den Inhalt des sozialistischen Kampfes ausmacht und ihn zum Klassenkampf macht. Wenn Luxemburg immer noch zu uns spricht, dann nicht in abstrakten Lehren aus der Geschichte, sondern, wie Walter Benjamin es ausdrĂŒckte, durch ihren Kampf in und gegen den Strich der Geschichte.

Wie können wir heute noch aus Luxemburgs Beispiel lernen? Warum mĂŒssen wir uns an ihren Versuch erinnern, den Sozialismus zu verwirklichen? Was könnten die Folgen des Vergessens sein

EINGANGSSTATEMENTS

Frigga Haug: Rosa Luxemburg war sowohl eine Kritikerin der russischen Revolution als auch eine glĂŒhende BefĂŒrworterin. Sie kritisierte die Revolution, weil diese das Volk nicht am Aufbau des Sozialismus beteiligt hat. Auf diese Weise konnte es kein Sozialismus werden, sondern jakobinische Demokratie. Sie war eine Verfechterin der Demokratie von unten, nicht der SpontaneitĂ€t. Das Rezept fĂŒr den Sozialismus gibt es noch gar nicht, also muss man es lernen, indem man es tut.

Bei der Frage, ob Luxemburg eine orthodoxe Marxistin war, kommt es darauf an, was man darunter versteht. Wenn man meint, ob sie von Kopf bis Fuß bei Marx blieb, dann: ja; wenn man orthodox als Negativwort nimmt, dann war sie keine orthodoxe Marxistin – sie folgte dem lebendigen Marxismus.

War sie der Auffassung, dass die Revolution durch die entschlossene FĂŒhrung der Partei gemacht wird? Dieser Formulierung wĂŒrde Luxemburg widersprechen. Die FĂŒhrung kann keine Revolution machen, oder, wie sie das fĂŒr den Massenstreik ausfĂŒhrt, er wĂŒrde am nĂ€chsten Tag platt zu Boden fallen. FĂŒr die Revolution, fĂŒr den Massenstreik braucht es die Menschen, die das tun. Hingegen muss die FĂŒhrung durch die Partei den Massen dienen, nicht umgekehrt.

Sie stellt Bernsteins „Die Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts“ entgegen, dass es allein das Endziel ist, das den Geist des sozialistischen Kampfes ausmacht. Es bestimmt das, was sie „revolutionĂ€re Realpolitik“ nennt. Die Perspektive, das Ziel ist es, wonach sich die einzelnen Maßnahmen auszurichten haben. Letztere aber sind Reformen, weil sie an den Problemen und Nöten der Menschen verstĂ€ndlich anknĂŒpfen mĂŒssen. Deswegen hat sie diesen widersprĂŒchlichen Begriff „revolutionĂ€re Realpolitik“ geprĂ€gt, der bis heute außerordentlich hilfreich ist.

Wenn Luxemburg immer noch zu uns spricht, dann vielleicht so: in den WidersprĂŒchen Politik machen. Nehmen wir das Beispiel des Parlaments. Was ist, wenn Mitglieder der sozialistischen Partei zu Mitgliedern des bĂŒrgerlichen Parlaments werden? Sie befinden sich in einem Widerspruch, weil sie einerseits das Parlament unterlaufen wollen, andererseits aber darin tĂ€tig sein mĂŒssen, um das zu tun. Sie befinden sich permanent in WidersprĂŒchen und mĂŒssen lernen, mit ihnen zu hantieren. In WidersprĂŒchen Politik machen heißt, die KĂ€mpfe im Parlament, auf der Straße, im Schreiben, im Streik zusammenzufĂŒgen.

Mit der Frage, warum wir uns an ihren Versuch erinnern mĂŒssen, den Sozialismus zu verwirklichen, kann ich nur ein großes Fragezeichen verbinden. Obwohl ich alle von ihr veröffentlichten Schriften kenne, habe ich nirgends gelesen, dass sie den Sozialismus zu verwirklichen versucht hat. Sie hat an Schulung gearbeitet, an AufklĂ€rung, an Streikvorbereitung, an Politik, aber sie wollte nicht unmittelbar den Sozialismus verwirklichen. Ich erinnere dies nicht.

Zur Frage, welche Folgen es haben könnte, Luxemburg zu vergessen: Das könnte das sein, was wir heute IdentitĂ€tspolitik nennen, also den Widerstand gegen den Neoliberalismus an Stelle des marxistischen Kampfes gegen BĂŒrokratie. Zudem hat sie theoretisch Neues ĂŒber Marx hinaus erbracht. Sie hat in ihren AkkumulationsbĂŒchern1 die Imperialismustheorie von Marx weiterentwickelt und das, was man heute „Landnahme“ nennt, das heißt, Elemente aus dem zukĂŒnftigen Gemeinwesen zu ĂŒbernehmen und in den alten Kapitalismus einzuverleiben. Der Kampf gegen BĂŒrokratie und die Vorstellung, dass der lebendige Geist aus dem Marxismus verschwindet und stattdessen Prinzipien und starre Gesetze entstehen, welche den Marxismus töten, war einer ihrer HauptkĂ€mpfe. Das kann man angesichts der tatsĂ€chlichen Entwicklung des Marxismus vergessen, der sich nicht in der luxemburgischen Weise entwickelt hat. Luxemburg war viel zu lange der blinde Fleck im Marxismus – vergessen, verleugnet. Aus Arbeiterbewegungsmund, in Dokumenten und BĂŒchern erfĂ€hrt man, Luxemburg habe theoretisch nichts geleistet und die Massen ĂŒberschĂ€tzt. Keines von beidem stimmt. Die luxemburgische Theorie geht ĂŒber Marx hinaus, sie ist ein lebendiger Marxismus. Sie hat die Massen keineswegs ĂŒberschĂ€tzt, sondern wollte mit den Massen Politik machen. Ihr erstes Losungswort fĂŒr die Politik war Schulung, da die Massen von selbst nicht reif sind, die Politik zu machen, die sie machen mĂŒssten. Sie stand fĂŒr die Verwirklichung von sozialistischen Ideen von unten.

Sascha Stanicic: Es ist eine sehr zeitgemĂ€ĂŸe Diskussion, ĂŒber Rosa Luxemburg, ihre Ideen und ihr politisches Wirken zu sprechen und ĂŒberhaupt keine akademische Debatte, die nur von rein historischem Interesse wĂ€re – sie sollte es zumindest nicht sein! Vielmehr ist eine Auseinandersetzung mit ihren Ideen und ihrem Handeln fĂŒr uns als Linke und SozialistInnen eine Quelle fĂŒr Inspiration und kann auch eine Anleitung fĂŒr heute sein. Denn so sehr sich die heutigen VerhĂ€ltnisse von denen zu Luxemburgs Lebzeiten unterscheiden mögen, so ĂŒberwiegt doch die grundlegende Gemeinsamkeit, dass wir immer noch in einer kapitalistischen Klassengesellschaft leben und dass diese weiterhin tagtĂ€glich auf der ganzen Welt Not, Elend, Krieg, Ausbeutung und auch ganz grundlegende existenzbedrohende Fragen im Zusammenhang beispielsweise mit dem Klimawandel hervorbringt.

Luxemburg war RevolutionĂ€rin, revolutionĂ€re Marxistin und ParteifĂŒhrerin. Es gibt vor allem zwei Fragen, in denen ihre Haltung oft falsch dargestellt oder fehlinterpretiert wird. Erstens wird ihr eine SpontaneitĂ€tstheorie zugeschrieben, die die Bedeutung von Organisation und Partei negiert oder zumindest gering schĂ€tzt. Zweitens wird sie oftmals als Gegnerin der russischen Oktoberrevolution dargestellt. Luxemburg als RevolutionĂ€rin zu verstehen, bedeutet, sie als die unerbittliche Gegnerin des Kapitalismus und auch jedweder Idee zu verstehen, den Kapitalismus zu einer sozial gerechteren Gesellschaft zu reformieren oder ihn schrittweise auf parlamentarischem Wege ĂŒberwinden zu können. In ihrer vielleicht berĂŒhmtesten, gegen Bernstein gerichteten Schrift Sozialreform oder Revolution?2 bringt Luxemburg auf den Punkt, dass es nicht darum geht, sich gegen den Kampf um Sozialreformen auszusprechen, vielmehr sind jene ein Mittel zum Zweck. FĂŒr sie ist der Kampf fĂŒr die Reform das Mittel, der Zweck ist die sozialistische Revolution. Das Erreichen der Reform, der materiellen Verbesserung im Hier und Jetzt, steht also nicht einmal im Mittelpunkt; vielmehr versteht sie dies als eine Schule der Arbeiterklasse fĂŒr die Entwicklung von Bewusstsein, um zur Revolution zu kommen. Denn sie war ĂŒberzeugt, dass jede im Rahmen des Kapitalismus erkĂ€mpfte Verbesserung nicht gesichert werden kann, solange die kapitalistischen VerhĂ€ltnisse fortexistieren. Sie wandte sich gegen alle Ideen – die letztlich in der alten Sozialdemokratie die Oberhand gewinnen konnten –, den Kapitalismus zu zĂ€hmen oder durch parlamentarische Schritte zu ĂŒberwinden.

Schauen wir uns die 103 Jahre seit Luxemburgs Ermordung und die heutige Welt an, so stellen wir fest, wie recht sie hatte. All die Sozialreformen, die es gegeben hat, zumindest in den entwickelten kapitalistischen LĂ€ndern, wurden auf Basis des Klassenkampfes erkĂ€mpft. Nichts davon ist uns geschenkt worden. Aber sie haben das System nicht grundlegend geĂ€ndert und den Kapitalismus nicht zu einem sozialen, friedlichen und umweltfreundlichen Gesellschaftssystem umgestaltet. Ganz im Gegenteil: Wir leben in Zeiten der tiefsten Weltwirtschaftskrise, wir haben eine Coronapandemie und den Klimawandel. All das muss uns vor Augen fĂŒhren, dass das kapitalistische System tatsĂ€chlich die Lebensgrundlage der Menschheit bedroht und dass sich der berĂŒhmte Ausspruch von Luxemburg: „Sozialismus oder Barbarei!“ tatsĂ€chlich entscheiden wird. Das heißt, linke Politik muss immer mit dem Ziel verbunden sein, mit diesem System zu brechen und es durch eine sozialistische Gesellschaft zu ersetzen.

Ich glaube schon, dass Luxemburg sich bewusst war, dass es kein automatischer Prozess sein wird, der einfach als Krise oder Zusammenbruch des Kapitalismus erwachsen wird. Sie war außerordentlich optimistisch – ein Charakterzug, den viele MarxistInnen haben. Aber ihre Schriften wurden durchströmt von der Notwendigkeit, die ArbeiterInnnenklasse zu organisieren, zu schulen und ihr sozialistisches Klassenbewusstsein zu fördern und zu entwickeln. Und so sehr sie einerseits darauf vertraute, dass die ArbeiterInnenklasse imstande ist, die Welt zu verĂ€ndern und aus eigener Erfahrung weitgehende Schlussfolgerungen zu ziehen, so sehr war sie andererseits doch davon ĂŒberzeugt, dass eine revolutionĂ€re sozialistische Partei nötig ist, um diesen Prozess zum Erfolg fĂŒhren zu können. Nicht zuletzt auch um die Bewusstseinsentwicklung innerhalb der Klasse zu sozialistischem Bewusstsein, zu Klassenbewusstsein zumindest zu beschleunigen. Ihre Partizipation in der Sozialdemokratischen Partei des Königreichs Polen und Litauen (SDKPiL), im Internationalen Sozialistischen BĂŒro sowie ihr Zutun zur GrĂŒndung der Kommunistischen Partei ist eine Widerlegung einer Interpretation von SpontaneitĂ€tstheorie, die zum Inhalt hat, dass die Arbeiterklasse ohne Organisation, ohne Partei und auch ohne FĂŒhrung dieses große Ziel erreichen könnte.

Ihre revolutionĂ€re und konsequent antikapitalistische Haltung drĂŒckt sich auch in der Frage der Koalitionsregierungen mit prokapitalistischen Parteien aus. Das ist eine aktuelle Debatte innerhalb der Linkspartei: Soll die Linkspartei mit SPD und GrĂŒnen, die ich als prokapitalistische Parteien bezeichnen wĂŒrde, koalieren? Als Mitglied der Sozialistischen Organisation SolidaritĂ€t und auch als Mitglied der Linkspartei kĂ€mpfe ich seit Jahren gegen diesen Kurs und konnte mich dabei immer auf Luxemburgs Schrift Die sozialistische Krise in Frankreich3 stĂŒtzen, in der sie den historisch ersten Eintritt eines Sozialisten in eine bĂŒrgerliche Regierung scharf kritisierte. Sie erklĂ€rt, dass man sich nicht waschen kann, ohne nass zu werden, dass eine linke Partei, die MinisterInnen in eine kapitalistische Regierung schickt, die Verantwortung fĂŒr die gesamte Politik dieser Regierung ĂŒbernimmt und dass eine solche Politik dem Ziel der sozialistischen VerĂ€nderung der Gesellschaft widerspricht. Alle Erfahrungen – auch die jĂŒngeren Koalitionen der Linkspartei bzw. der PDS mit SPD und GrĂŒnen – solcher linken Regierungsbeteiligungen mit prokapitalistischen Parteien haben die Haltung Luxemburgs bestĂ€tigt. Innerhalb der Linkspartei findet gerade eine Debatte statt, in der der Gedanke des „rebellischen Regierens“ propagiert wird; es wird behauptet, es gĂ€be ĂŒberhaupt keinen Gegensatz zwischen einerseits Regieren und andererseits dem Stehen an der Seite sozialer Bewegungen. Aus meiner Sicht widerspricht dieses Mitregieren dem Kerngedanken Luxemburgs, die UnabhĂ€ngigkeit von SozialistInnen gegenĂŒber dem bĂŒrgerlichen Staat immer zu verteidigen.

Sitzungssaal im Taurischen Palais, Sankt Petersburg, in dem am 18. und 19. Januar die russische verfassunggebenden Versammlung tagte, bevor die bolschewistische Regierung diese fĂŒr aufgelöst erklĂ€rte.4

In der Frage der Russischen Revolution wird Luxemburg gern als Gegnerin der Bolschewiki dargestellt. Sie war eine glĂŒhende UnterstĂŒtzerin nicht nur der Oktoberrevolution, sondern auch der Politik der Bolschewiki. Diese hat sie anerkannt als eine Voraussetzung dafĂŒr, dass diese Revolution ĂŒberhaupt zum Sieg kommen konnte. Ihre Kritik, und das ist ja in der Regel die, die propagiert wird, war eine an demokratie-feindlichen Maßnahmen durch die bolschewistische Regierung 1918. Dies wird oftmals mit der Auflösung der Nationalversammlung in Russland im Januar 1918 und der grundsĂ€tzlichen Abschaffung dieser Institution begrĂŒndet, mit der Luxemburg sich kritisch beschĂ€ftigt hat. Wenn man aber ihr Handeln in der Novemberrevolution anschaut, erkennt man, dass sie die Ă€hnliche Fragestellung, die in Deutschland bestand, eindeutig beantwortet und sich selbst gegen die Nationalversammlung und fĂŒr die Losung „Alle Macht den RĂ€ten!“ aussprach.

Wenn wir aus Luxemburgs Denken und Wirken Schlussfolgerungen fĂŒr heute ziehen wollen, so wĂ€ren das aus meiner Sicht: Erstens, der Kapitalismus muss und kann nur revolutionĂ€r ĂŒberwunden werden. Zweitens, der Kampf fĂŒr Verbesserung im Hier und Jetzt muss gefĂŒhrt werden, aber als Mittel zur Herausbildung von Selbstorganisation der Arbeiterklasse zum sozialistischen Klassenbewusstsein. Drittens, die Arbeiterklasse ist die entscheidende Kraft fĂŒr eine solche sozialistische VerĂ€nderung der Gesellschaft und sie braucht Organisation, sie braucht die Partei. Viertens, es darf keine Zusammenarbeit mit prokapitalistischen KrĂ€ften geben, insbesondere nicht in Form von Regierungsbeteiligungen.

Gert Meyer: Rosa ist vor 150 Jahren in Zamoƛć, in Kongresspolen geboren worden. Als 16-jĂ€hrige SchĂŒlerin wurde sie in einer Organisation, die Zweites Proletariat hieß und Verbindungen zu Russland hatte, politisch aktiv. Wir befinden uns in einer Zeit des Übergangs von den VolkstĂŒmlern, den Narodniki, zum Marxismus. Luxemburg geht spĂ€ter nach ZĂŒrich, ein Zentrum des russischen Marxismus, dessen UrsprĂŒnge in der Gruppe Befreiung der Arbeit von 1883 liegen. Sie lernte unter anderem Plechanow, Axelrod und Sassulitsch kennen.

Sie grĂŒndet 1894 die Partei, die spĂ€ter SDKPiL heißen wird. Eine kleine Partei, die aber zeitweilig in der russischen Revolution von 1905 durchaus eine Massenverankerung bei den Textilarbeitern in Lodz und in Warschau hatte. Interessant an dieser Partei ist, dass sie weder nationalistisch noch antinationalistisch war, sondern sich gegen die Konkurrenzpartei der Polen wendete, gegen die Polnische Sozialistische Partei (PPS), die beides miteinander verquicken wollte. Wir lernen, dass die Verquickung von Nationalismus und Sozialismus, wie wir sie aus der deutschen Geschichte kennen, in keiner Weise vorwĂ€rtsweisend, sondern ein Teil der Reaktion ist.

Die SDKPiL hat sich, wie Luxemburg selbst auch, immer als Teil der gesamtrussischen Arbeiterbewegung verstanden, die es aber damals noch gar nicht richtig gegeben hat. Die Sozialdemokratie Russlands wird erst vier Jahre spĂ€ter gegrĂŒndet. Luxemburg schreibt wĂ€hrend ihrer Zeit in ZĂŒrich eine Dissertation mit dem Titel Die industrielle Entwicklung Polens5. Es ist eine sehr genaue Beschreibung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung des polnischen Kapitalismus und seiner VerknĂŒpfung mit dem russischen Markt. Es wĂ€re doch eine Aufgabe fĂŒr uns, uns in wissenschaftlicher Form um den heutigen Kapitalismus zu kĂŒmmern.

1898 geht Luxemburg nach Berlin. Im Jahr 1904 veröffentlicht sie den Artikel Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie6 ĂŒber den zweiten Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR). Das war der Parteitag im Ă€ußeren London, auf dem sich die Spaltung in Bolschewiki (Mehrheitler) und Menschewiki (Minderheitler) vollzieht. Luxemburg setzt sich mit der leninschen Theorie des Zentralismus, die sie teilweise teilt, auseinander und sagt, man mĂŒsse diese einzelnen versprengten politischen Organisationen gegen den konzentriert arbeitenden Gegner, den autokratischen Zarismus, zusammenfassen. Diese Organisationsfrage mĂŒsse aber als ein sozialer Lernprozess, als eine wesentliche Selbstorganisation verstanden werden, statt mechanistisch. Diese Organisationsfragen begleiten uns bis heute und insofern ist die LektĂŒre ihrer Schrift nach wie vor sehr lehrreich.

Demonstranten marschieren am 22. Januar 1905, der als Blutsonntag in die Geschichte einging, zum Winterpalast in St. Petersburg.7

Im Dezember 1905 geht Luxemburg illegal nach Warschau und wird aktiv in ihrer Partei. Im August 1906 reist sie nach Kultala in Finnland, wo sie ein lĂ€ngeres Zusammentreffen mit Lenin hat und arbeitet an Massenstreik, Partei und Gewerkschaften<8/sup>. Wie der Titel andeutet, sieht sie die Organisationen der Arbeiterbewegung herausgeboren aus den Massenstreikaktionen, die also zentral sind fĂŒr den Aufbau der Arbeiterorganisation der Partei, der Gewerkschaften, der Genossenschaften usw. Diese Idee der Massenstreikaktion trĂ€gt sie 1906 nach Deutschland. In Kooperation mit Lenin und Martow brachte Luxemburg auf dem Internationalen Sozialistenkongress einen Änderungsantrag durch, der einstimmig angenommen wurde. Darin wird beschrieben, dass die Arbeiterorganisationen alles tun mĂŒssen, um einen Krieg zu verhindern. Eine Methode mĂŒsse der Massenstreik sein. Das VerhĂ€ltnis von Krieg und Revolution ist dort markiert und nahm spĂ€ter in Russland Wirklichkeit an.

Der interessanteste Punkt ist ihre Stellungnahme zur Russischen Revolution von 1917. Hat sich Luxemburg gegen die Oktoberrevolution gestellt? Im Kalten Krieg wurde diese Frage bejaht. Es gibt zwei Modelle: das luxemburgische und das leninsche. Dieselbe Antwort hat Stalin im Jahre 1931 in seinem Beitrag zu der Zeitschrift Proletarskaja Revolucija9 gegeben. NatĂŒrlich werden von Luxemburg zentrale Kritikpunkte geĂ€ußert, die jedoch nichts an ihrer GesamteinschĂ€tzung Ă€ndern, nĂ€mlich dass die Russische Revolution im Rahmen ihrer internationalen Konstellation und ihrer internationalen Möglichkeiten gezeigt hat, dass die zentralen Fragen, nĂ€mlich Krieg und Frieden, Sturz des Kapitalismus, sehr wohl durch die aktive politische Kraft des russischen Proletariats angegangen worden sind. Sie steht den bolschewistischen Impulsen der Oktoberrevolution sehr positiv gegenĂŒber, sagt allerdings, dass viele Fragen nur international gelöst werden können, sodass viele Probleme in Russland nur gestellt, aber nicht gelöst werden konnten. In diesem Sinne, und das ist die letzte Zeile ihrer Schrift, gehört die Zukunft ĂŒberall dem Bolschewismus, das heißt, die Kraft der internationalen Arbeiterklasse muss mobilisiert werden, um diese zentralen Fragen von Krieg und Frieden weiterzubringen bis hin zu einer neuen Gesellschaftsordnung.

Stefan Hain: Luxemburgs Tod ist das Sinnbild der sich fortsetzenden Katastrophe der Geschichte. Die Erinnerung an den Marxismus scheint abstrakt, poetisch verklĂ€rt und gar nicht dem entsprechend, was die Linke in den letzten Jahren einfordert: „materialistisch sein“. Und doch stellt sich die Frage, ob das neue linke Verlangen nach Materialismus, Konkretion und Realismus wirklich nĂ€her an dem ist, was der Marxismus als Wirklichkeit verstand. Mit ihrer Ermordung starb nicht nur das bĂŒrgerliche Individuum Rosa Luxemburg, sondern der Marxismus, fĂŒr den sie mit ihrer ganzen Existenz einstand. Sie folgte dem Diktum des jungen Marx: der „rĂŒcksichtslosen Kritik alles Bestehenden“.10 Luxemburg war eine immanente Kritikerin der organisierten Arbeiterbewegung und der einem marxistischen Programm folgenden revolutionĂ€ren Partei, die die Klasse fĂŒhren sollte.

Das Problem der gegenwĂ€rtigen Linken beginnt, aber endet nicht bei Jargon, Codeworten. Davon kann sich niemand ausnehmen. Es ist eine Folge des rapide schwindenden Geschichtsbewusstseins unserer Epoche als Ganzes, aber besonders der Linken. Dies- wie jenseits des Atlantiks sammelte sich die Linke in den letzten Jahren unter dem Banner des „demokratischen Sozialismus“, dem Luxemburg meist subsumiert wird. Wesentlich bedeutet das: Distanzierung vom Stalinismus; oder zumindest von seinen schlimmsten AuswĂŒchsen. Die geschichtliche Entstehung des Begriffs unterscheidet sich jedoch von diesem heutigen Gebrauch: Vor gut 100 Jahren geprĂ€gt als Kampfbegriff gegen die III. Internationale und die Oktoberrevolution unter FĂŒhrung Lenins und Trotzkis, zeugte der „demokratische Sozialismus“ schon bald einen konterrevolutionĂ€ren Zwilling: „Marxismus-Leninismus“. Ein weiteres Codewort, das wesentlich Stalins Bezeichnung fĂŒr seine „Weiterentwicklung“ des Marxismus war.

FĂŒr den „demokratischen Sozialismus“ der 1920er-Jahre war Luxemburg das bedauerliche Opfer eines gefĂ€hrlichen und abenteuerlichen Kurses, den sie selbst willentlich eingeschlagen habe. Frei nach dem Motto: „Wer sich in den BĂŒrgerkrieg begibt, wird in ihm umkommen.“ – Doch die SPD, die demokratischen Sozialisten der 1920er-Jahre, wusste sehr genau, wen sie aus welchen GrĂŒnden von den Freikorps ermorden ließ:

Der Platz jener, welche erschlagen oder kampfunfĂ€hig gemacht sind, wird schlecht und recht aus den Reihen der KĂ€mpfenden ausgefĂŒllt; meist schlecht, denn der Feind weiß die zu treffen, welche ihm gefĂ€hrlich sind,

schreibt Max Horkheimer Ende der 1920er-Jahre in seiner Aphorismen-Sammlung DĂ€mmerung11. Im stalinistischen „Marxismus-Leninismus“ hingegen wird Luxemburg zur naiven MĂ€rtyrerin. Zwar hat sie sich fĂŒr die Revolution geopfert, doch gescheitert sei sie daran, die SPD nicht rechtzeitig verlassen, nicht – wie Lenin in Russland – „rechtzeitig“ eine Organisation aufgebaut zu haben. Eines der grĂ¶ĂŸten Verdienste dieser Radikalen der II. Internationale – Lenin, Luxemburg und Trotzki – war dabei, dass sie niemals die strikte Trennung von Theorie und Praxis akzeptierten.

Georg LukĂĄcs schrieb in seinem Aufsatz Rosa Luxemburg als Marxist:

[D]ie Hegelsche – dialektische – Ineinssetzung von Denken und Sein, die Auffassung ihrer Einheit als Einheit und TotalitĂ€t eines Prozesses bildet auch das Wesen der Geschichtsphilosophie des historischen Materialismus.12

Theorie, die auf das Niveau einer Sonntagspredigt herabfĂ€llt, das heißt, von der politischen Praxis entkoppelt ist, war fĂŒr Luxemburg keine Theorie; Praxis, die nicht oder nur nominell durch marxistische Theorie geleitet ist, war nach einem Wort Adornos: Pseudo-Praxis. Die Neue Linke griff das stalinistische Narrativ invertiert auf: Luxemburg wurde verklĂ€rt zu einer Ikone des Anti-Autoritarismus, zur „demokratischen“ Gegenspielerin Lenins.

Dass dies wenig bis nichts mit der realen Politik Luxemburgs zu tun hat, ist einer der zentralen GrĂŒnde, weshalb kein ernstzunehmendes politisches Projekt aus dieser scheinbaren Wiederentdeckung erwuchs. Theorie und Praxis standen in der Neuen Linken nicht in einem dialektischen SpannungsverhĂ€ltnis, sondern wurden in eine erpresste Versöhnung mitei-nander gezwungen: Wie bereits in der II. Internationale und der stalinisierten III. Internationale wurde „die Theorie zur Magd der Praxis erniedrigt“. Sie rechtfertigte, was die Protagonisten und Protagonistinnen ohnehin bereits taten. Luxemburg wurde zur imaginierten VorkĂ€mpferin eines politischen Konflikts, dessen Inhalt keineswegs die Krise der Sozialdemokratie ihrer Lebzeiten war, sondern zu einer chiffrierten Abarbeitung an den Problemen der Welt des Kalten Krieges wurde. So tat die Neue Linke ihrer eigenen wie Luxemburgs Zeit unrecht, und hinterlĂ€sst uns desorganisiert und desorientiert.

Was hieße es, das Erbe Luxemburgs anzutreten? Marxismus ist heute nicht in der Lage, die Welt zu verĂ€ndern, weder durch politische Aktionen noch Ideen. Inwiefern also können wir die Welt ĂŒberhaupt marxistisch begreifen? Inwiefern hat unsere Situation ĂŒberhaupt zu tun mit jener Luxemburgs und wie können wir kritisch an das politische Projekt anknĂŒpfen, dem sie sich zugehörig fĂŒhlte: dem Marxismus, der es als seine Aufgabe verstand, in der Arbeiterklasse das Bewusstsein fĂŒr seine revolutionĂ€re FĂŒhrungsrolle zu entzĂŒnden? FĂŒr Luxemburg war klar, dass es keinen organisierten Klassenkampf, „keine sozialdemokratische Bewegung ohne das sozialistische Endziel geben kann“.13

FĂŒr Luxemburg wie auch fĂŒr Lenin und Trotzki konnte es nur einen Sozialismus geben: einen internationalen. Der Aufbau des „Sozialismus in einem Lande“ war fĂŒr sie eine contradictio in adiecto, eine Unmöglichkeit, da sie im Sinne Marxens den Sozialismus als eine neue, weltweite Stufe der Entwicklung der Menschheit betrachteten. Wie also stellten sich die Radikalen der II. Internationale das „sozialistische Endziel“ vor? Kurz gesagt, im Sinne Marxens: In seinem berĂŒhmten Brief an Weydemeyer schrieb er, dass er weder die „Existenz der Klassen in der modernen Gesellschaft noch ihren Kampf unter sich entdeckt“ habe. Sein Verdienst seien stattdessen folgende Erkenntnisse ĂŒber das „sozialistische Endziel“ gewesen:

1. nachzuweisen, daß die Existenz der Klassen bloß an bestimmte historische Entwicklungsphasen der Produktion gebunden ist; 2. daß der Klassenkampf notwendig zur Diktatur des Proletariats fĂŒhrt; 3. daß diese Diktatur selbst nur den Übergang zur Aufhebung aller Klassen und zu einer klassenlosen Gesellschaft bildet.14

Doch ergibt es ĂŒberhaupt Sinn, im 21. Jahrhundert noch von der Diktatur des Proletariats zu sprechen? VorschlĂ€ge gibt es auf der Linken genug: „Wir dĂŒrfen heute nicht mehr sprechen wie Luxemburg“, oder: „Diktatur des Proletariats – das wĂŒrden wir heute nicht mehr so sagen“. Sollte man nicht mehr in den Worten von Marx und Luxemburg sprechen? Darf man es nicht mehr? Vielleicht. Doch die Frage bleibt: Weshalb? Wer hört und versteht, was wir jetzt mit den neuen Worten sagen? Inwiefern bringt es uns nĂ€her zum Sozialismus? Wir können Worte tauschen, aber nicht Begriffe. Wir können Dingen beliebig neue Namen geben, aber ihr Wesen können wir nicht beliebig Ă€ndern. Wenn wir von Marxismus, von Sozialismus und Revolution reden, dann mĂŒssen wir der RealitĂ€t unserer Gegenwart ins Auge blicken: Die Geschichte der Linken ist die Geschichte der selbst zugefĂŒgten Niederlagen der Linken. Es ergibt durchaus Sinn, dass wir die permanente Niederlage der Revolution nicht wahrhaben wollen. Sozialismus und Marxismus haben nie aufgehört, sich bestĂ€ndig selbst zu besiegen.

Vielleicht können wir im Moment nicht ernsthaft von „internationaler SolidaritĂ€t“, von „Marxismus“ oder von „Klassenkampf“ sprechen, da sie nicht existieren. Sie erforderten ein Bewusstsein von Geschichte, fĂŒr dessen Tod symbolisch der Luxemburgs einsteht. Denn „Marxismus“ und „Klassenkampf“ existieren nicht in dem Sinne, den Marx, Engels, Luxemburg und Lenin fĂŒr wesentlich hielten. Der Kampf der arbeitenden Menschen fĂŒr bessere Lebensbedingungen wird nicht zum politischen Kampf um die Staatsmacht gefĂŒhrt. Zumindest nicht in dem Sinne, in dem er fĂŒr Luxemburg und den Marxismus von Bedeutung war: Die Übernahme der Staatsmacht sollte dazu genutzt werden, den Staat absterben zu lassen – ihn als Herrschaftsinstrument durch die Diktatur des Proletariats historisch ein fĂŒr alle Mal ĂŒberflĂŒssig zu machen. Es gibt weltweit keine Organisation von Bedeutung, deren politisches Programm diese Möglichkeit auch nur denken könnte. Ökonomische, soziale und politische KĂ€mpfe stehen unvermittelt nebeneinander – sofern ĂŒberhaupt noch die FĂ€higkeit besteht, sie zu unterscheiden. Mit dem Begriff der „TotalitĂ€t“ wurde auch der der „Differenz“ obskur.

Der Begriff der TotalitĂ€t existiert im Kapitalismus nur in seiner negativen Form: die Tradition aller besiegten Geschlechter, die wie ein Alp auf dem Hirn der Lebenden lastet, der Feind, der zu siegen nicht aufgehört hat – die fortlaufende Katastrophe, die uns bestĂ€ndig neue TrĂŒmmer vor die FĂŒĂŸe schleudert. Der Tod der Linken ist, anders als die Ermordung Luxemburgs, nicht die Folge dieser oder jener politischen Verbrechen oder Verantwortungslosigkeiten. „Sozialismus oder Barbarei“ benannte Luxemburg den geschichtsphilosophischen Kern des Marxismus. Da der Sozialismus bis jetzt nicht gesiegt hat, leben wir in der Barbarei. Ein Verbrechen gegen Luxemburg wĂ€re es, das zu verleugnen. Wenn wir so radikal wie die Wirklichkeit selbst sein wollen, wie Lenin schrieb, mĂŒssen wir uns zuerst dieser Wahrheit stellen: Im Moment existiert weder Partei noch Klasse noch das Endziel des Sozialismus. Zumindest nicht im Sinne des Marxismus, fĂŒr den Rosa Luxemburg mit ihrem Leben und ihrem Tod eingestanden hat.

Das ist die Bedeutung des Satzes: „Die Linke ist tot!“ – „Es lebe die Linke!“ ist der zweite Teil des Platypus-Slogans. Was wir wollen, ist klar: Sozialismus. Wie wir dorthin kommen, wissen auch wir nicht. Aber wir glauben, dass wir aus der besiegten und gescheiterten Tradition des Marxismus noch immer lernen können. Im Sinne Luxemburgs sehen wir es nicht als unsere Aufgabe, den Marxismus zu adaptieren oder zu „verbessern“. Wir sehen es als unsere Aufgabe, an die verpassten Möglichkeiten der Revolution zu erinnern, und daran, wie der Marxismus versucht hat, Sinn aus ihnen zu schaffen: „Wir gleichen wahrhaft den Juden, die Moses durch die WĂŒste fĂŒhrt. Aber wir sind nicht verloren und wir werden siegen, wenn wir zu lernen nicht verlernt haben“, schreibt sie 1915 in der Junius-BroschĂŒre15.

Haben wir nicht verlernt, aus der linken Geschichte der Niederlagen zu lernen? Wenn wir Luxemburg ernst nehmen wollen, mĂŒssen wir sie begreifen in dem, was sie besonders gemacht hat: ihrem Marxismus. Und das bedeutendste an diesem Marxismus ist: Er existiert nicht – nicht mehr. In Margarethe von Trottas Film Rosa Luxemburg sagt diese ĂŒber sich und Clara Zetkin: “Auf unserem Grabstein wird stehen: ‚Hier liegen die letzten beiden MĂ€nner der deutschen Sozialdemokratie.‘“16 In diesem Sinne, und nur in diesem Sinne, lĂ€sst sich verstehen, was Walter Benjamin mit seiner XVI. These ĂŒber den Begriff der Geschichte meint:

Auf den Begriff der Gegenwart, die nicht Übergang ist sondern in der die Zeit einsteht und zum Stillstand gekommen ist, kann der historische Materialist nicht verzichten [...] Er ĂŒberlĂ€sst es anderen, bei der Hure „Es war einmal“ im Bordell des Historismus sich auszugeben, Er bleibt seiner KrĂ€fte Herr: Manns genug, das Kontinuum der Geschichte aufzusprengen.17

Wer wÀre heute Luxemburg genug, das Kontinuum linker Niederlagen aufzusprengen? Können wir es ertragen, die Zeit in unserer Gegenwart zum Stillstand kommen zu lassen?

ANTWORTRUNDE

SS: Meiner Meinung nach gehört der Begriff „revolutionĂ€re Realpolitik“ zu den Begrifflichkeiten, die oft fehlinterpretiert werden. In der Regel wird nicht verstanden, in welchem Kontext Luxemburg das gesagt hat, und eine Realpolitik im Sinne der Anpassung an die bĂŒrgerliche Gesellschaft und an Regierungsbeteiligungen begrĂŒndet. Sie gebraucht den Begriff im Kontext der Abgrenzung von den utopischen Sozialisten und schrieb:

Wir sind keine Phantasten, sondern Realpolitiker. So tĂ€uschen wir niemanden darĂŒber, dass der Zustand des ewigen Friedens erst dann eintreten kann, wenn der Kapitalismus ausgerottet ist.18

Auch im 21. Jahrhundert bedeutet realistisch sein zu erkennen, dass der Kapitalismus keine der großen Fragen – Umweltfrage, Krieg, soziale Frage – lösen kann und darum Sozialismus im revolutionĂ€ren Sinne tatsĂ€chlich die realistischste Politik ist. Gert sagte, dass die Verquickung von Nationalismus und Sozialismus, wie die Geschichte es gezeigt habe, gefĂ€hrlich und reaktionĂ€r sei. Du hast das aber in einen Kontext mit der Auseinandersetzung zwischen Lenin und Luxemburg zur NationalitĂ€tenfrage gesetzt, und das finde ich gefĂ€hrlich. Den Nationalsozialismus, der den Sozialismus im Namen trug, kann man keines sozialistischen Inhalts ĂŒberfĂŒhren. Die Auseinandersetzung zwischen Lenin und Luxemburg zur NationalitĂ€tenpolitik und die UnterstĂŒtzung Lenins fĂŒr das Selbstbestimmungsrecht der Nationen bis hin zum Recht auf Abspaltung, wie das dann in der jungen Sowjetunion praktiziert wurde, hat ĂŒberhaupt nichts mit dem zu tun, was als Nationalsozialismus in die Geschichte eingegangen ist. In diesem Zusammenhang finde ich es interessant, dass es nichts mit der wahren Geschichte zu tun hat, Luxemburg in der Frage der Kritik an der Russischen Revolution als grundsĂ€tzliche Gegnerin der Bolschewiki und ihrer Politik darzustellen. Gerade wenn man die Frage von Demokratie in diesem Zusammenhang betrachtet, dann handelte die Kritik Luxemburgs gar nicht von dieser Frage. Die NationalitĂ€tenpolitik der Bolschewiki war, vereinfacht dargestellt, demokratischer als Luxemburgs Vorstellung, da in ersterer das Recht auf Selbstbestimmung anerkannt wurde. Entscheidend ist, dass Luxemburg im Kontext der Russischen Revolution auch stets eine internationale Perspektive hatte und ganz bei Lenin und Trotzki war, die die Russische Revolution als Auftakt verstanden haben und gar nicht die Vorstellung hatten, dass die Arbeiterklasse Russlands die Macht ohne eine Ausdehnung der Revolution auf andere LĂ€nder halten könnte. Aber wir sollten solche Diskussionen nicht in einem akademischen Stil und nicht nur rĂŒckwĂ€rtsgewandt fĂŒhren. Das Entscheidende ist, dass wir uns in Auseinandersetzungen befinden – auch wenn sich das viele nicht bewusst machen –, die tatsĂ€chlich Klassenkampf sind, und dass die Notwendigkeit, die Gesellschaft zu verĂ€ndern, dringender ist denn je. In dem Sinne kann ich ĂŒberhaupt nichts damit anfangen, wenn Stefan sagt, der Marxismus existiere nicht mehr und mĂŒsse neu verhandelt werden. Es geht eher darum, dass wir uns in die existierenden Auseinandersetzungen und KĂ€mpfe einbringen, ob bei Amazon, den KrankenhausbeschĂ€ftigten, die um mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen kĂ€mpfen, oder in der Frage von ArbeitsverkĂŒrzung in der Metallindustrie und anderen Bereichen. Wir mĂŒssen im luxemburgischen Sinne den Kampf um die Reformen fĂŒhren und sie verbinden mit einer sozialistischen Intervention, AufklĂ€rungsarbeit, mit sozialistischer Propaganda, um den Zusammenhang herzustellen. Aber wenn wir uns nur auf abstrakte Diskussionen zurĂŒckziehen, dann werden wir Luxemburg ĂŒberhaupt nicht gerecht. Und das wĂ€re mein Wunsch, meine Aufforderung, sich in die praktischen Auseinandersetzungen in Gewerkschaft, sozialen Bewegungen, in der Linkspartei einzubringen und dort fĂŒr sozialistische und die Ideen Luxemburgs einzutreten.

FH: Die einzelnen Positionen sind unglaublich verschieden, man hat Schwierigkeiten, BrĂŒcken zu finden. Sascha sagte, das Problem sei gewesen, dass man die gewonnenen Reformen nicht habe halten können. Das sieht Luxemburg realistischer. Das Problem ist, dass jede Reform die Arbeiterklasse friedlicher macht. Die WĂ€nde zu irgendeinem Umsturzgedanken werden immer höher, weil die Arbeiter mit jeder Verbesserung ihrer Lebensbedingungen einverstanden sind. Das ist ein Widerspruch, mit dem man umgehen und fĂŒr den man eine eigene Strategie finden muss. Das ist eine aktuelle Frage fĂŒr uns. Wir haben keine revolutionĂ€re Arbeiterklasse, sondern eine winzige befriedete Arbeiterklasse. Und dann haben wir das „Hightech-Proletariat“, das wiederum ein eigenes Studienobjekt fĂŒr euch sein mĂŒsste. Wie denkt Luxemburg Schulung, wenn sie die Lebensweise, die Kultur, die Integration der Arbeiterklasse in die Gesellschaft nicht als eigenes Problem aufgreift? Wie kann man denn Schulung machen, ohne Arbeits- und Lebensweisen zu studieren? Nun musste sie nicht die Arbeiter im Hightech-Kapitalismus studieren, aber wir mĂŒssen das, um zu lernen, wie man jetzt Schulung macht. Wisst ihr das? Schulung ist ihr erstes Losungswort. Die andere Seite ist: Wir kĂ€mpfen doch in dem, was man mit Gramsci Zivilgesellschaft nennen wĂŒrde, also die Art, wie die Menschen leben, arbeiten, lernen, in die Schule gehen, sich Bildung aneignen usw. Darin bewegen wir uns und mĂŒssen die verschiedenen WidersprĂŒche herausfinden, an denen sich die Sache bewegt. Dialektisch gesprochen: Nur wo sich etwas bewegt, können wir befördernd in VerĂ€nderung eingreifen. Direkt dagegen zu sein, bringt ĂŒberhaupt nichts, so findet man weder AnhĂ€nger noch DurchfĂŒhrende. Also muss man, wie Brecht das sagt, in Flussrichtung arbeiten, die VerĂ€nderungen am positiven Ende ergreifen und dort zu stĂŒtzen versuchen.

GM: Bei der Frage des Nationalismus und selbststĂ€ndiger Staatlichkeit, der berĂŒhmten Kontroverse zwischen Luxemburg und Lenin, habe ich Schwierigkeiten, Position zu beziehen, weil beide recht haben. Lenin hatte recht, wenn er sagt, wir können die unterdrĂŒckten NationalitĂ€ten nicht mit Zwangsgewalt in ein gesamtstaatliches Gebilde einfĂŒgen, wenn sie das nicht wollen. Sie haben als unterdrĂŒckte Nationen das Recht der nationalen Selbstbestimmung bis hin zur staatlichen SelbststĂ€ndigkeit. Luxemburg hat aber auch recht, wenn sie sagt, dass diese nationalen SelbststĂ€ndigkeiten sofort von der jeweiligen nationalen Bourgeoisie okkupiert werden, bis hin zum blutigen Terror gegen das Proletariat. Ein Beispiel ist Finnland, wo es eine starke proletarische Bewegung gab, die mit den Sowjets der Russen verbunden war, bis es 1918 eine Offensive der Bourgeoisie gegen diese proletarischen Aktionen gibt, beflĂŒgelt von der Idee der nationalen SelbststĂ€ndigkeit und Staatlichkeit und unterstĂŒtzt vom deutschen Imperialismus, der ihnen Waffen liefert. Luxemburg sieht die Idee der nationalen UnabhĂ€ngigkeit und SelbststĂ€ndigkeit als ein Einfallstor fĂŒr gegenrevolutionĂ€re AktivitĂ€ten bis hin zum offenen protofaschistischen Terror, wie Finnland zeigte.

SH: Sascha hat darauf hingewiesen, dass wir nicht so akademisch reden sollten – leider ist in unserer Zeit das meiste, was sich als Theorie ausgibt, akademischen Charakters. Aber vielleicht ist nicht jede theoretische Frage eine akademische. Luxemburg schreibt, dass es keine grĂ¶ĂŸere Beleidigung fĂŒr das Proletariat geben könne, als zu sagen, das seien bloße Fragen der Theorie. Sascha meinte, Bernstein hĂ€tte nur einen besseren Kapitalismus gewollt – das stimmt natĂŒrlich nicht, Bernstein war Sozialist. Er war anti-revolutionĂ€r; er meinte, es bedĂŒrfe keines BĂŒrgerkriegs, da die Arbeiterbewegung in ihren zivilgesellschaftlichen Organisationen – die wir laut Sascha ja aufbauen sollen – bereits so stark geworden sei, und dieser Umstand sei das Entscheidende. Entscheidend sei demnach nicht, dass wir uns in einer revolutionĂ€ren Partei organisieren, die das Proletariat in einer bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen Auseinandersetzung zum Sieg fĂŒhrt. Eine solche Partei braucht es laut Bernstein nicht, da das Proletariat ĂŒber andere Organisationen verfĂŒgt, die jetzt schon einflussreicher sind. Heute können sich die Leute, die eindeutige Reformer des Kapitalismus sind und klar sagen, dass sie keinen Sozialismus wollen, als Sozialisten bezeichnen, wĂ€hrend ein wirklicher Sozialist wie Bernstein retrospektiv umgeformt wird zu einem bloßen Vertreter eines besseren Kapitalismus.

Gert hat von einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus gesprochen, die wir jetzt brĂ€uchten. In Anbetracht der Vielzahl vorhandener Auseinandersetzungen muss ich fragen: welche meinst du? Womit mĂŒssen wir uns auseinandersetzen? Wie wird das den Klassenkampf ermöglichen? Uns ist doch im Grunde klar, dass sich diese Fragen fĂŒr uns gar nicht wirklich stellen, deshalb drĂŒcken wir uns davor. Ich wĂŒrde gerne wissen, warum sie sich uns nicht stellen, wenn wir doch alle darĂŒber reden und unser gemeinsames Ziel Sozialismus zu sein scheint.

OFFENE FRAGERUNDE

Sascha, was wĂ€re deiner Meinung nach eine adĂ€quate Strategie fĂŒr die Linkspartei, wenn sie nicht in Koalitionen mit bĂŒrgerlichen Parteien gehen sollte? HĂ€ltst du es fĂŒr realistischer, dass die Linkspartei in absehbarer Zeit dazu in der Lage wĂ€re, eine Revolution zu leiten?

SS: Aus meiner Sicht kann die Frage der Aufarbeitung der Geschichte der Arbeiterbewegung und der des vielen Scheiterns von Bewegungen nicht losgelöst von den Auseinandersetzungen und KĂ€mpfen, die hier und heute stattfinden, gefĂŒhrt werden. Lebendiger Marxismus ist nicht nur Lebendigkeit im Denken, sondern auch Lebendigkeit im Handeln und ein Bewusstsein darĂŒber, dass Geschichte vor unseren Augen stattfindet. Ich bin ĂŒberhaupt nicht bei Frigga, die sagt, die Arbeiterklasse sei befriedet und winzig. Als Internationalist auch im luxemburgischen Sinne wĂŒrde ich hier einen globalen Blickwinkel einnehmen. Ich wĂŒrde auch sagen, dass sich die Arbeiterklasse vielleicht in ihrer Zusammensetzung verĂ€ndert hat, aber heute weitaus grĂ¶ĂŸer ist als zu Luxemburgs Zeiten. Zur Arbeiterklasse zĂ€hle ich die LohnabhĂ€ngigen – egal ob im Blaumann, weißen Kittel oder am Computer sitzend. Die Frage, inwiefern sich die Arbeiterklasse ihres Klassenzustands bewusst ist, ist eine andere. Aber auch das war etwas, was sich zu anderen Zeiten durch Erfahrungen, KĂ€mpfe und Eingreifen von SozialistInnen entwickelt hat. Und darum ist fĂŒr mich die aktive Beteiligung an diesen Prozessen, ob in Gewerkschaften, sozialen Bewegungen, wie Black Lives Matter oder Fridays for Future, absolut entscheidend. Alles andere ist graue und nicht lebendige Theorie.

Banner auf der Fridays for Future-Kundgebung am 27. September 2019 im Invalidenpark, Berlin.19

Man kann darĂŒber streiten, ob die Linkspartei ein Teil dieser notwendigen Auseinandersetzung ist oder nicht. Ich glaube, dass die Linkspartei in all ihrer WidersprĂŒchlichkeit ein Ausdruck dafĂŒr ist, dass es eine politische Vertretung fĂŒr die LohnabhĂ€ngigen geben muss, die ein politisches Gegenmodell zum Einheitsbrei der prokapitalistischen, neoliberalen Parteien von GrĂŒnen bis AfD darstellt. Ich wĂŒrde nicht sagen, dass sie eine Arbeiterpartei ist oder sich in ihrer Gesamtheit ohne BrĂŒche zu einer wirklich sozialistischen Arbeiterpartei wird entwickeln können. Es ist ein Ort, wo Linke und SozialistInnen heute die Auseinandersetzung darĂŒber fĂŒhren sollten. Sie ist ein Ort, den man dazu nutzbar machen kann, in die stattfindenden Bewegungen einzugreifen, sie zu unterstĂŒtzen, antikapitalistische Ideen in sie hineinzutragen und damit Bewusstseinsprozesse voranzutreiben. Luxemburg war sich ĂŒber den Charakter der deutschen Sozialdemokratie wahrscheinlich klarer als Lenin. Aber sie war organisatorisch nicht so sehr vorbereitet, was ein Faktor dafĂŒr war, dass es, als 1918 die Revolution ausbrach, eben noch keine festgefĂŒgte Parteistruktur gab. Ich glaube, dass man sich heute schon in der Art und Weise organisieren muss, sich aber nicht isolieren sollte, sondern sich an den Auseinandersetzungen, KĂ€mpfen und Prozessen in einer Partei wie der Linkspartei beteiligen sollte, um dadurch auch einen grĂ¶ĂŸeren Resonanzboden zu erlangen. Ich teile den Gedanken nicht, dass jede gewonnene Reform die Arbeiterklasse friedlicher macht. Ich finde das tatsĂ€chlich ein bisschen undialektisch, weil die gewonnenen Reformen ja wieder in Frage gestellt werden. Im Umkehrschluss wĂŒrde das ein StĂŒck weit den Gedanken fördern, dass eine Arbeiterklasse, der es besonders dreckig geht und die besonders verarmt ist, besonders kĂ€mpferisch sei. Das ist und war auch in der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung nicht der Fall. Es geht darum, dass sich die Arbeiterklasse Dinge erkĂ€mpfte, die aufgrund der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus wieder angegriffen und in Frage gestellt werden. Das beinhaltet ein enormes Potenzial fĂŒr Gegenwehr, Widerstand und einen Erkenntnisprozess der Klasse, um das Wegnehmen des Erreichten zu verhindern. Der Kampf fĂŒr Verbesserungen kann im luxemburgischen Sinne gefĂŒhrt werden. Aber vor allen Dingen erwĂ€chst die Verteidigung des Errungenen daraus; und die Tatsache, dass der Kapitalismus als krisenhaftes System das Errungene wieder angreift, birgt ein enormes Potenzial.

FH: Nicht ich habe gesagt, dass die Arbeiterklasse immer zufrieden sein wird. Das ist mein Referat ĂŒber Luxemburg gewesen. In diesem Fall heißt das: Mit jeder Reform, die wir gewinnen, werden die WĂ€nde höher, die wir zu ĂŒberwinden haben, denn die Arbeiterklasse ist mit jeder Reform einverstandener mit dem kapitalistischen System. Auch wenn unsere Agitation, unsere Arbeit, die Weise, in der wir jetzt vorgehen mĂŒssen, komplizierter wird, mĂŒssen auch wir lernen, wie das geht. Wovon sprecht ihr eigentlich, wenn ihr von Arbeiterklasse sprecht? Wir haben heute eine Hightech-Arbeiterklasse, ihr mĂŒsst von dieser sprechen und nicht von einer, die zu Zeiten von Rosa Luxemburg aktiv war und fĂŒr uns schön handlich mit den roten Fahnen herumging. Dies mĂŒsstet ihr einbeziehen. Noch viel schlimmer finde ich, dass ihr von Internationalismus sprecht, aber keine Frauen habt. Kurz, ihr habt keine Kenntnis von dem, was die marxistischen FeministInnen getan haben, was sie jetzt tun, welches ihre Strategien sind. Es gibt eine marxistisch-feministische Internationale, die schon viermal getagt hat. Das sind Kongresse riesiger Art gewesen. Es gibt dreizehn marxistische Thesen von den entsprechenden Feministinnen bezĂŒglich der Frage, wie wir mit dem Kapitalismus verfahren. Die solltet ihr zur Kenntnis nehmen.

Sowohl Stalin wĂ€hrend des ersten FĂŒnfjahresplans als auch Mao wĂ€hrend der Kulturrevolution mobilisierten die Massen gegen die BĂŒrokratie. Was sagt uns das ĂŒber die GegenĂŒberstellung von BĂŒrokratie und Masse?

Frigga, könntest du noch etwas ausfĂŒhren, inwiefern Luxemburg einen lebendigen Marxismus im Gegensatz zum bĂŒrokratisierten, dogmatischen Marxismus vertritt? Wer waren die VertreterInnen dieses dogmatischen Marxismus und was zeichnet demgegenĂŒber Luxemburgs Marxismus aus?

FH: Plechanow wĂ€re ein Beispiel. Ein lebendiger Marxismus ist einer, der die Wirklichkeit zur Kenntnis nimmt und seine Strategien aus den Analysen der wirklichen Prozesse gewinnt und nicht aus irgendwelchen Papieren. Als Folge dessen mĂŒssen wir stĂ€ndig die Wirklichkeit analysieren und dementsprechend unsere Strategien entwerfen. Außerdem ist ein historisch-kritisches Bewusstsein, wie Gert das vorfĂŒhrt, notwendig. Wenn man die Geschichte der Bewegungen studiert, sieht man die Punkte, an denen sie gescheitert ist, und kann aus dem Scheitern lernen und wieder neu anfangen. Das wĂŒrde ich auch zu einem lebendigen Marxismus zĂ€hlen. PrimĂ€r sind, wie Marx das in der ersten Feuerbachthese schreibt, die wirklichen, sinnlichen, praktischen Taten der Menschen. Davon ist auszugehen und davon ist die Strategie, die Theorie, die Praxis zu entwickeln. Das nennt sich dann Philosophie der Praxis. Das hört sich jetzt schon wieder abstrakt fĂŒr euch an, ist es aber eigentlich nicht. Von den wirklichen Menschen auszugehen, wĂŒrde auch notwendig machen, dass ihr nicht vergesst, dass es außer MĂ€nnern auch noch Frauen gibt. Ihr hĂ€ttet das zur Kenntnis nehmen können, könnt es noch und solltet es unbedingt.

SH: Wir sollten sehen, dass Luxemburg die von Frigga aufgeworfenen Fragen nicht so wichtig zu sein schienen. Ihr ging es nicht darum, welches Geschlecht die Leute haben, sondern vielmehr um die Frage, wie die Revolution politisch durchfĂŒhrbar ist.

Der Hinweis auf ein kritisches historisches Bewusstsein ist ein gutes Stichwort. Wir sprechen davon, dass wir lernen beziehungsweise etwas ausbilden mĂŒssen, aber das passiert ja ganz offensichtlich nicht. Die Neue Linke war viel entscheidender fĂŒr die Weltgeschichte als das, was wir jetzt die Millennial Linke nennen. Ob erstere eine grĂ¶ĂŸere Chance fĂŒr die sozialistische Revolution darstellte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es geht immer nur darum, dass weiter aufgebaut und etwas gelernt wird, wogegen ich auch ĂŒberhaupt nicht bin. Ich frage mich aber, was wir da wirklich aufbauen und lernen.

Wenn es heißt, wir mĂŒssten uns an den Menschen orientieren, dann mag das korrekt sein, aber offensichtlich ist die Arbeiterklasse ja eben nicht bereit, wie vor 100 bis 120 Jahren eine Revolution zu machen. Bereit war sie. Es waren Fehler der revolutionĂ€ren FĂŒhrung, die geschichtlich fĂŒr uns verschĂŒttet und schwer erklĂ€rbar scheinen. Warum ist die II. Internationale eigentlich konterrevolutionĂ€r geworden? War das Problem die BĂŒrokratisierung? Stalin und Mao waren gegen BĂŒrokratisierung. Hat das das Zersplittern der II. Internationale erlöst? Da wir immer noch in der Barbarei leben: ganz offensichtlich nicht. Es ist genau das Problem, dass diese Verbindung zwischen den großen, vielleicht auch abstrakten theoretischen Fragen und der Organisierung zerrissen wurde. Auch der Marxismus-Feminismus fungiert nicht als die FĂŒhrung des Feminismus, sondern bleibt ein RandphĂ€nomen.

Saschas Hinweis, die Linkspartei verweise darauf, dass es einer Vertretung der LohnabhĂ€ngigen bedarf, habe ich mehr in den Worten des Marxismus zu formulieren versucht: Es bedarf einer revolutionĂ€ren Arbeiterpartei, um die Diktatur des Proletariats zu errichten. Eine politische Vertretung der LohnabhĂ€ngigen – inwiefern ist die Linkspartei etwas anderes als das, was die SPD war? Letztere verstand sich einst auch als Vertretung der LohnabhĂ€ngigen oder zumindest als deren Statthalter. Mir bleibt unklar, inwiefern wir seit Luxemburgs Tod etwas gelernt haben sollen, das die Welt zum Sozialismus hin verĂ€ndert.

FH: Die Beschwerde, dass hier keine Frauen sind und dass ihr nicht an den Fragen arbeitet, ist doch eine praktische. Das ist doch nicht symbolisch: erst ab einer bestimmten Anzahl von Frauen kann das etwas taugen. Die reprĂ€sentieren doch etwas. So ist es auch bei Luxemburg. NatĂŒrlich hat sie keine extra Frauenpolitik gemacht, zu dieser Zeit war das nichts. Eine Posse hat sie das genannt. Was sie aber getan hat, ist, an den Erfahrungen der Menschen anzusetzen. Das bringen die FeministInnen in die Politik: Ihr mĂŒsst mit den Erfahrungen der Menschen arbeiten. Luxemburg hat, als die Sozialdemokraten die Kriegskredite bewilligt haben, angefangen, die Medien zu studieren und festgestellt, welchen Einfluss diese auf das Verhalten der Abgeordneten hatten. Das solltet ihr in euer Programm aufnehmen: die Beeinflussung, sowohl durch die Medien, sofern sie noch existieren, und, viel schlimmer noch, durch das Internet, Facebook etc. Durch die Entwicklung der ProduktivkrĂ€fte sind die VerhĂ€ltnisse doch anders, wir können nicht in gleicher Weise fortfahren.

SS: Ich wĂŒrde die Begriffe dogmatisch und bĂŒrokratisch gar nicht in einem Atemzug nennen, weil sie zwei unterschiedliche Probleme benennen. Lebendiger Marxismus bedeutet, die Augen nicht vor der Wirklichkeit zu verschließen, den Marxismus als eine Methode zu betrachten, als eine Analysemethode, aber auch als eine Methode, um in Aktion zu treten, in den Kampf einzutauchen, und auf eine sich verĂ€ndernde Welt anzuwenden. Dies setze ich in Gegensatz zur Herangehensweise, bestimmte LehrsĂ€tze, die zu einem bestimmten Zeitpunkt vielleicht richtig waren, einfach fortzuschreiben statt permanent mit der RealitĂ€t zu ĂŒberprĂŒfen. Ich bin Trotzkist und der Meinung, dass Trotzki an einigen wichtigen Stellen den Marxismus lebendig auf eine verĂ€nderte Welt angewendet hat. Da war Luxemburg, ohne dass sie es sich vielleicht bewusst war, sehr nah an Trotzki. Sie opponierten diesem Klischee-Schema des klassischen Marxismus – wobei das bei Marx und Engels auch gar nicht so war –, wonach die Geschichte in der Reihenfolge Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus verlaufen muss, dass also nach dieser Logik in einem Land wie Russland 1917 gar keine Arbeiterrevolution hĂ€tte stattfinden können. Das hat Trotzki mit seiner Theorie der permanenten Revolution in Frage gestellt und den Marxismus lebendig weiterentwickelt und auf die Entwicklung der stalinistischen Sowjetunion angewendet. Man musste das in der weiteren Geschichte, zum Beispiel nach dem Zerfall der Sowjetunion, immer wieder anwenden. Man darf nicht die Augen verschließen, sondern muss die VerĂ€nderungen anerkennen und nicht abstrakte LehrsĂ€tze wiederholen. Wenn man das Vertrauen in diese Methode und in den Marxismus hat, kann man ohne Angst jede neue historische Entwicklung betrachten, sie mit offenem Visier angehen und analysieren.

BĂŒrokratismus ist nochmal etwas anderes als Dogmatismus. BĂŒrokratismus ist eher ein Problem der Arbeiterbewegung, der Organisationen; die BĂŒrokratie entwickelte sich in der Sowjetunion als die soziale Schicht, die die politische Macht ausĂŒbt. FĂŒhrung und Organisation sind zwar wichtig, aber nicht als Ersatz fĂŒr die Klasse, ArbeiterInnen oder fĂŒr die Massen, sondern als notwendiges Instrument, um diese tatsĂ€chlich auf den Weg zu gesellschaftlicher VerĂ€nderung zu bringen. In dem Sinne existiert der Widerspruch zwischen BĂŒrokratie einerseits und Selbstorganisation und Demokratie andererseits, aber nicht zwischen Selbstorganisation und Partei oder FĂŒhrung.

GM: Der Marburger Sozialdemokrat Robert Michels untersucht in Soziologie des Parteiwesens die Dialektik von Organisation, BĂŒrokratisierung und Oligarchisierung.20 Wenn man seiner Analyse folgt, ist nicht ganz unklar, warum die Spitze der Sozialdemokratie im August 1914 fĂŒr den Krieg gestimmt hat. Mir ist nicht bekannt, ob Luxemburg sein Buch gelesen hat. Eine der Fragen, die Luxemburg beschĂ€ftigt haben, ist die von Krieg und Frieden. In ihrer 1900/1901 veröffentlichten Schrift Verschiebungen in der Weltpolitik21 erkennt sie, dass eine neue internationale Politik in Erscheinung tritt. Sie nennt und kennt das Wort „Imperialismus“ noch nicht, aber sieht die Konflikte der zentralen MĂ€chte, die in kriegerische Kollision kommen werden. Zeit ihres Lebens war das ein zentrales Thema, das wir uns auch heute auf die Fahnen schreiben sollten. Eine weitere Frage ist die der VerwĂŒstung des Imperialismus in den Peripherien der Dritten Welt, die Ausbeutung ganzer Kontinente. Sie exemplifiziert das in ihrer großen Schrift Akkumulation des Kapitals anhand Chinas, Indiens und Nordafrikas. Was wir heute „ökologische Problematik“, „ökologische Folgen der Kapitalakkumulation“ nennen, also das, was heute fĂŒr uns die Klimafrage ist, hat sie schon mit ihrer Analyse der Kapital-akkumulation angedeutet. Der dritte Punkt waren die horrenden Unterschiede zwischen arm und reich ihrer Zeit. In ihrer Akkumulationsschrift sagt sie, dass man diese nur steuern und regulieren kann, wenn man eine grundlegend andere Gesellschaftsordnung im Visier hat. Ihre Lebenserfahrung und EindrĂŒcke in der Russischen Revolution 1905 gaben ihr eine nahe Perspektive auf den Zusammenbruch des Kapitalismus. Diese Hoffnung oder Projektion können wir heute nicht mehr teilen. Was wir von ihr lernen können, ist die sorgfĂ€ltige Analyse dieser genannten Probleme, vor allem das Problem von Krieg und Frieden. Angesichts dieser neuen HochrĂŒstungsphase mĂŒssen die Arbeiterbewegung und alle möglichen anderen pazifistischen, religiösen usw. Gruppen einen neuen Impuls setzen, sodass wir in dieser Richtung weiterkommen. Das wĂ€re ganz im Sinne Luxemburgs.

SH: Viele Fragen sind offen. Was alle Leute zu teilen scheinen, ist, dass wir die Theorie beibehalten, ihr treu bleiben und sie weiterentwickeln mĂŒssen. Dieses Problem bereitet uns schon lange Kopfzerbrechen. Das ist der Streit, den Luxemburg mit Bernstein ausficht. Bernstein sieht verĂ€nderte UmstĂ€nde, die Welt habe sich weiterentwickelt, deshalb mĂŒssten wir nun anders an die Sache herangehen; Marx treu zu bleiben, heiße, ihn umzuwandeln, anzupassen an die verĂ€nderten UmstĂ€nde. Was wir nur sehr rudimentĂ€r gestreift haben und eher als Gespenst ĂŒber uns schwebt, ist die Neue Linke. Feminismus, Dritte Welt, die Frage, wie man mit den sozialdemokratischen Parteien zusammenarbeitet, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg herausbilden. Sind letztere zum Beispiel eine Rekrutierungsbasis, um eine revolutionĂ€re Partei abzuspalten? All das sind Fragen, die mit der Neuen Linken aufgekommen sind. Es herrscht EinverstĂ€ndnis, dass Marxismus wichtig ist und dass wir an der marxistischen Methode festhalten sollten. Ja, die Welt hat sich weiterentwickelt und wenn Marxismus etwas sein will, muss er lebendig sein. Mein Punkt ist: das ist er nicht. Die Frage ist, wieso er es nicht ist, wenn diese Debatten doch scheinbar immer noch so aktuell sind, wir scheinbar immer noch um irgendwelche Antworten ringen. Vielleicht sind es an manchen Stellen einfach die falschen Fragen. | P


1 Rosa Luxemburg: „Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen ErklĂ€rung des Imperialismus“, in: Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke (Bd. 5), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1975, S. 5–411. Online abrufbar unter: http://mlwerke.de/lu/lu05/lu05_005.htm.
2 Rosa Luxemburg: „Sozialreform oder Revolution?“, in: Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke (Bd. 1.1), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1970, S. 369–445. Online abrufbar unter: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1899/sozrefrev/.
3 Rosa Luxemburg; „Die sozialistische Krise in Frankreich“, in: Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke (Bd. 1.2), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1975, S. 5–73. Online abrufbar unter: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1901/sozkrfr/index.htm
4 Dieses Foto besitzt gemeinfreien Status.
5 Rosa Luxemburg: „Die industrielle Entwicklung Polens“, in: Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke (Bd. 1.1), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1979, S. 112—216. Online abrufbar unter: https://www.duncker-humblot.de/_files_media/leseproben/9783428560325.pdf.
6 Rosa Luxemburg: „Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie“, in: Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke (Bd. 1), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1979, S. 422–446. Online abrufbar unter: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1904/orgfrage/text.htm.
7 Dieses Foto besitzt gemeinfreien Status.
8 Rosa Luxemburg: „Massenstreik, Partei und Gewerkschaft“, in: Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke (Bd. 2), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1986, S. 93–170. Online abrufbar unter: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1906/mapage/.
9 Josef Stalin: „Über einige Fragen der Geschichte des Bolschewismus. Brief an die Redaktion der Zeitschrift ‚Proletarskaja Rewoluzija‘“, in: J. W. Stalin Werke
(Bd. 13), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1955, S. 56–64. Online abrufbar unter: https://kommunistische-geschichte.de/
StalinWerke/stalin-band13.pdf
10 Karl Marx: „Brief an Arnold Ruge“, in: Karl Marx/Friedrich Engels – Werke (Bd. 1), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED, Berlin 1976, S. 344.
11 Max Horkheimer: „Diskussion ĂŒber die Revolution“, in: Max Horkheimer Gesammelte Schriften (Bd. 2), Hrsg. Alfred Schmidt und Gunzelin Schmid Noerr, Frankfurt a. M. 1987, S. 348.
12 Georg Lukács: „Rosa Luxemburg als Marxist“, in: Georg Lukács Werke (Bd. 2), Neuwied 1977, S. 206.
13 Rosa Luxemburg: „Sozialreform oder Revolution“, in: Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke (Bd. 1), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1982, S. 369–445. Online abrufbar unter: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1899/sozrefrev/kap2-4.htm.
14 Karl Marx: „Brief an Weydemeyer, 15. MĂ€rz 1852“, in: Marx-Engels-Gesamtausgabe (Bd. 5), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1986, S. 76. Online abrufbar unter: https://thecharnelhouse.org/wp-content/uploads/2016/02/megac2b2-iii-5-karl-marx-friedrich-engels-briefwechsel-januar-bis-august-1852-text.pdf.
15 Rosa Luxemburg: „Die Krise der Sozialdemokratie“, in: Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke (Bd. 2), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1974. Online abrufbar unter: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1916/junius/teil1.htm.
16 Margarethe von Trotta: Rosa Luxemburg [Film], 1986.
17 Walter Benjamin: „Über den Begriff der Geschichte“, in: Walter Benjamin Gesammelte Schriften (Bd. 1.2), Hrsg. Rolf Teidemann und Hermann SchweppenhĂ€user, Frankfurt a. M. 1974, S. 702.
18 Vgl. Rosa Luxemburg: „Diskussionsbeitrag in der Protestversammlung in Freiburg i. Br.“, in: Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke (Bd. 3), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1970, S. 414-425.
19 Dieses Foto besitzt gemeinfreien Status.
20 Robert Michels: Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie. Untersuchungen ĂŒber die oligarchischen Tendenzen des Gruppenlebens, Leipzig 1925.
21 Rosa Luxemburg: „Verschiebungen in der Weltpolitik“, in: Rosa Luxemburg - Gesammelte Werke (Bd. 1.1), Hrsg. Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1970, S. 361-365. Online abrufbar unter: https://www.sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/luxemburg/luxemburg-1899/rosa-luxemburg-verschiebungen-in-der-weltpolitik.