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You are here: Platypus /Archive for category Atiya Khan
On Thursday March 11, 2010, Platypus Review Editor-in-Chief Spencer A. Leonard interviewed the prominent 1960s radical and last National Secretary of Students for a Democratic Society (SDS), Mark Rudd, to discuss his recently published political memoir, Underground. In April, Leonard’s interview with Rudd, prepared in conjunction with Atiya Khan, was broadcast in two parts on “Radical Minds” on WHPK-FM 88.5 Chicago. Podcasts are available at the above link . Below is an edited transcript of the interview
LIFE IN CONTEMPORARY PAKISTAN is marked by a sense of despair and helplessness. A report commis­sioned by the British Council based on research con­ducted by the Nielsen Company recently found that only a third of the Pakistanis surveyed thought democracy was the best system for the country, a ratio roughly equal to that preferring sharia. The findings amounted to what David Martin, director of the British Council in Pakistan, called “an indictment of the failures of democracy over many years."
The Decline of the Left in the 20th Century Toward a Theory of Historical Regression IT MIGHT SEEM COUNTER-INTUITIVE to approach the date of 1968 through the political thought and self-understanding of Theodor Adorno, who is not only considered the most pessimistic in his critique, but also deemed an opponent of the New Left, especially after he infamously called the police on student demonstrators at the Frankfurt Institute for Social Research. Yet Adorno’s response to the politics of 1968 can help us understand both the roots of New Left politics and its legacy today.
On April 18, 2009, the Platypus Affiliated Society conducted the following panel discussion at the Left Forum Conference at Pace University in New York City. The panel was organized around four significant moments in the progressive separation of theory and practice over the course of the 20th century: 2001 (Spencer A. Leonard), 1968 (Atiya Khan), 1933 (Richard Rubin), and 1917 (Chris Cutrone). The following is an edited transcript of the introduction to the panel by Benjamin Blumberg, the panelists’ prepared statements, and the Q&A session that followed.

The Decline of the Left

Der Niedergang der Linken im 20. Jahrhundert

Platypus Review 17 | November 2009

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1968

Atiya Khan

 

Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.
— Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung [1843]

Es könnte ungewöhnlich erscheinen, sich dem Jahre 1968 über Theodor W. Adornos politische Gedanken und sein Selbstverständnis anzunähern, zumal dieser nicht nur als der pessimistischste in seiner Kritik, sondern auch als ein Gegner der Neuen Linken angesehen wird, vor allem nachdem er berüchtigterweise die Polizei gerufen hat, als studentische Demonstranten das Frankfurter Institut für Sozialforschung besetzen wollten. Dennoch kann uns Adornos Reaktion und Antwort auf die Politik der 1968er helfen, sowohl den Ursprung als auch die Erbschaft der Neuen Linken in der Gegenwart zu verstehen. In seinen späten Schriften, wie „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?“, „Marginalien zu Theorie und Praxis“, „Resignation“ und seiner privaten Korrespondenz mit Herbert Marcuse über den Charakter der Studentenbewegung, formuliert Adorno grundlegende und wichtige Kategorien für einen marxistischen Versuch, das Problem von Theorie und Praxis zu fassen. Er erinnert uns daran, dass Theorie nur zur „verändernden, praktischen Produktivkraft“ wird „durch eine vernünftige Analyse der Situation. Indem sie darüber reflektiert, hebt sie Momente hervor, welche über die Situationszwänge hinaus führen mögen.“[1] Demzufolge betont Adorno - im Anschluss an Marx -, dass die entscheidende Lehre, die aus der Geschichte des Marxismus gezogen werden muss, in der Erkenntnis besteht, dass eine Vermittlung von Theorie und Praxis nur in der Dynamik von revolutionärer emanzipatorischer Politik fassbar wird. Auf der Basis von Adornos Schriften kann das Problem von „regressivem“ Bewusstsein adressiert werden, das die Studentenbewegung von 1968 befallen hat - einer der kritischen Momente in der Geschichte der Linken.

Die Linke hat seit Marx‘ Zeiten mit dem Problem von Theorie und Praxis gerungen, aber nie so sehr wie seit 1968 - dem Kulminationspunkt der Neuen Linken in der Nachkriegszeit. In seiner Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie erhellte Marx die Bedingungen, die notwendig sind um eine effektive Beziehung zwischen Theorie und Praxis zu ermöglichen mit dem Ziel der Veränderung der Welt. Solche Bedingungen, die das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis voranbringen (auf die Marx während der revolutionären Periode von 1848 reflektierte), entwickelten sich in der Geschichte der modernen Gesellschaft mit der Entstehung des Proletariats (der modernen lohnarbeitenden Klasse) und der historisch spezifischen Ausprägung von industrieller Arbeit.

Diese historisch-spezifische dialektische Dynamik des Kapitals erschafft und negiert zugleich die Möglichkeit einer post-kapitalistischen, emanzipierten Form des Lebens. Mit dieser Erkenntnis ausgestattet hat Marx die Formen der Unzufriedenheit untersucht, die sich am Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten und als Klassenkämpfe zwischen Arbeitern und Kapitalisten in Erscheinung traten, die dem grundlegenden und widersprüchlichen Charakter der sozialen Ausbeutung und Machtausübung im Kapitalismus immanent sind. Dementsprechend muss - Marx‘ Konzeption nach - Theorie ein Mittel zur Revolution werden, wenn die Massen von dieser ergriffen werden sollen und eine progressive Bildung ihres Bewusstseins stattfinden kann.

So wie die Oktoberrevolution von 1917 war der Ausbruch der Studentenbewegung ein internationales Phänomen, das von Frankfurt, Berlin, Paris, Rom und Prag bis nach San Francisco und den zentralen Städten in Lateinamerika und Süd- und Ostasien reichte. Der Prozess der Politisierung, der sich in einem atemberaubenden Tempo entwickelte, beinhaltete in zunehmender Weise militante Proteste gegen „autoritäre Strukturen“ und traditionelle Werte der Gesellschaft. Was die Studenten vereinte war die Forderung nach Bildungsreformen, die Opposition gegen den Vietnamkrieg, Empörung gegenüber der Unmenschlichkeit des Kapitalismus und Solidarität mit den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt.

Was diesen Moment jedoch von den vorhergehenden revolutionären Erhebungen trennte, war eine unkritische Emphase auf „Aktion“, sowie eine tiefsitzende Aversion gegenüber theoretischer Reflexion und Analyse. Diese Einstellung fand seinen Niederschlag in den störenden Verhaltensweisen der Studenten, wie unter Anderem den Sprengungen von Vorlesungen und Diskussionen oder Häuserbesetzungen und ging sogar so weit Intellektuelle dadurch zu erniedrigen, dass man sie als „Ordinarius“ bezeichnete - „um Menschen abzutun oder, wie sie es so schön nennen, ‚fertig zu machen‘, wie seinerzeit von den Nazis das Wort Jude.“[2] Phrasen wie „Wir lassen uns nicht durch Analyse runterkriegen“ oder „Wer sich mit Theorie beschäftigt ohne sich praktisch zu engagieren, ist ein Verräter am Sozialismus“ bestätigten die Ansicht, dass die Studentenbewegung in ihrer Gesamtheit auf symptomatische Weise eine bestimmte Tendenz offenbarte, die - wie Adorno beobachtete - „regressiv“, faschistisch in ihrem Potential und „autoritär“ in ihrer Haltung war.

In Anbetracht solcher Entwicklungen hat Adorno den Terminus „Linksfaschismus“ benutzt (ursprünglich durch Jürgen Habermas geprägt), um vor den Gefahren einer Studentenbewegung zu warnen, die ebenso einfach mit dem Faschismus konvergieren könnte. Diese Charakterisierung der Neuen Linken, die zu einem Streitpunkt zwischen Adorno und Marcuse in ihren privaten Briefen wurde, offenbarte nicht nur deren unterschiedliche Ansichten über die Politik ihrer Gegenwart, sondern liefert uns auch Einsichten über die Art und Weise, wie die Neue Linke der 1960er eine Hinterlassenschaft des unerfüllten Potentials der Alten Linken der 1930er verkörpert. Adornos wesentlicher Punkt lautete, dass die Linke es versäumt hat aus ihren vergangenen Niederlagen zu lernen.

In seinen Briefen an Marcuse, der die Studentenbewegung offen begrüßte, hat Adorno klar und deutlich seine Bedenken über die politischen Konsequenzen von praktischer Aktion geäußert. Er schrieb, dass viele der studentischen Vertreter dazu tendierten, „ihre Art Praxis mit einer nicht vorhandenen Theorie zu synthetisieren, und dabei schaut ein Dezisionismus heraus, der ans Grauen erinnert.“ [3] Dies war ein Hinweis auf die Entstehung der Konterrevolution - ausgedrückt in den Formen des Faschismus und Stalinismus -, die auf die Krise von 1917 folgte und zur Desintegration des revolutionären Marxismus in den 1930ern führte, sowie ein akutes Problem bezüglich des Bewusstseins der Linken hervor brachte. In der Nachkriegszeit wurde die verwüstete Linke durch eine „autoritäre Charakterstruktur“ verdrängt, die sich universell ausdrückte: nicht nur in den faschistischen Massenkundgebungen, sondern auch in den Volksfront-Bewegungen, sowie den anti-kolonialen, nationalistischen Bewegungen der Dritten Welt. Die Theoretiker der Frankfurter Schule - Adorno miteingenommen - haben den Begriff des „autoritären Charakters“ als einen doppelseitigen Ausdruck von konterrevolutionärer und gleichzeitig revolutionärer Möglichkeit gefasst, die in der dialektischen Widersprüchlichkeit des Kapitalismus wurzelt. In Anlehnung an die Freudsche Psychoanalyse interpretierten Adorno und seine Kollegen (Marcuse und Reich) die Beschaffenheit des „autoritären Charakters“, der durch „Narzissmus“ und Sadomasochismus gekennzeichnet ist, als einen Ausdruck einer regressiven „Furcht vor der Freiheit“. Angesichts dieser „politischen Hysterie“ formulierte Adorno: „Die am heftigsten protestieren, gleichen den autoritätsgebundenen Charakteren in der Abwehr von Introspektion [...]“[4]

Sicherlich haben die 1960er eine politische Krise markiert, jedoch eine, in der die Linke - anstatt die Erbschaft des Stalinismus der 1930er kritisch zu beurteilen - genau jene Strukturen und Tendenzen reproduzierte, die sie zu beseitigen suchte. Auf einen Brief von Marcuse, in dem dieser sich für den Protest gegen den Vietnamkrieg ausspricht, antwortet Adorno: „Reagiert man aber wirklich so, dann müßte man nicht nur gegen das Grauen der Napalmbomben protestieren, sondern ebenso gegen die unsäglichen Folterungen chinesischen Stils, welche die Vietcong dauernd verüben. Denkt man das nicht mit, so hat der Protest gegen die Amerikaner etwas Ideologisches.“[5] Im Verlauf ihrer Korrespondenz hat Marcuse eingeräumt, „daß diese Situation keine revolutionäre ist, nicht einmal eine vor-revolutionäre. Aber dieselbe Situation ist so grauenhaft, so erstickend und erniedrigend, daß die Rebellion gegen sie zu einer biologischen, physiologischen Reaktion zwingt: man kann es nicht mehr ertragen, man erstickt und muss sich Luft schaffen. Und diese Luft ist nicht die eines ‚linken Faschismus‘ [...]“[6] Marcuse beharrte darauf, dass die Situation sich qualitativ verändert hatte und dass sie den 1930ern in keinster Weise ähnelte, sondern „dringender als jemals zuvor eine konkrete politische Position“ nötig machte, vor allem gegen amerikanischen Imperialismus. Es ist wichtig zu betonen, dass Adorno nicht einfach nur gegen Marcuses Einschätzung der Neuen Linken war, sondern den Versuch unternahm, die Fallstricke von Stalinophobie (der anti-leninistischen, anarchistischen Tendenz von Horkheimer) sowie von Stalinophilie (der Tendenz der militanten Neuen Linken à la Maoismus und Castroismus beispielhaft durch Marcuses Haltung) zu vermeiden. In seinem Essay „Resignation“ betont Adorno, dass „die Kritik am Anarchismus nicht hinfällig geworden ist“, obwohl die Rückkehr des Anarchismus die eines „Gespensts“ ist, d.h. als Resultat der unverarbeiteten Probleme des Marxismus zu betrachten ist.[7] In seinem Versuch, sowohl die Stalinophobie als auch die Stalinophilie zu transzendieren, betont Adorno die Notwendigkeit einer Kritik der zeitgenössischen Form des Marxismus und seiner problematischen Beziehung zu seiner Vergangenheit.

Adornos großartige Einsicht bestand darin, dass er das Problem des Autoritarismus in der Struktur der modernen kapitalistischen Gesellschaft verwurzelt sah. In seinem Essay „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?“ benutzte Adorno marxistische Kategorien um die zeitgenössische Gesellschaft zu analysieren, die - wie er erklärte - aufgrund der Dynamik von Arbeit und Kapital widersprüchlich verfasst sei. Der Zwang der Mehrwertproduktion und die Inwert-Setzung der Arbeit, die durch die gesellschaftlich vermittelte durchschnittlich notwendige Arbeitszeit bestimmt wird, ist der Grund für gesellschaftliche Herrschaft und Ausbeutung. Die Ausbeutung im klassischen Sinn des Klassenantagonismus war empirisch nicht mehr sichtbar, weil die Arbeiterklasse in der Mitte des 20. Jahrhunderts in verstärktem Maße einer gesellschaftlichen Integration unterlag. Adorno charakterisierte den Kapitalismus als eine Gesellschaft, die durch immer höhere Stufen der Produktivität voran getrieben wird und dadurch größere Mengen an Gebrauchswerten freisetzt. Er fasste diese Organisationweise des gesellschaftlichen Lebens in der Formel der „verwalteten Welt“ zusammen - einer Tendenz, die ihren Ausdruck sowohl im staatsregulierten Kapitalismus als auch im Wohlfahrtsstaat fand. Die Dynamik des kapitalistischen Wachstums offenbarte statische Tendenzen, ausgedrückt in der Herrschaft der Produktionsverhältnisse, die auch die Beziehungen der administrativen Bürokratie der Unternehmen zum Staat und der Gesellschaft als Ganzer umfasst. „Dadurch wird der Schein erweckt, das universale Interesse sei nur noch das am Status quo und Vollbeschäftigung das Ideal, nicht das an der Befreiung von heteronomer Arbeit.“[8]

Die „verwaltete Welt“ produzierte eine bestimmte Form der Massengesellschaft, die Adorno als „Kulturindustrie“ bezeichnete. Die Kulturindustrie war hauptsächlich das Resultat einer hohen Produktivität und einer allgemeinen Verfügbarkeit von Konsumgütern; sie generierte jedoch auch Illusionen, insofern der Eindruck einer allgemeinen Demokratisierung entstand, obwohl die Produktion einer Standardisierung unterworfen wurde und der manipulierte Geschmack den Anschein von Individualität erzeugte. „Die Ohnmacht, welche das Individuum angesichts des Ganzen erfährt, ist dafür [für die Gewalt des Tauschverhältnisses] der drastische Ausdruck.“[9] Dementsprechend zog Adorno den Schluss: „Der Satz von Marx, daß auch die Theorie zur realen Gewalt wird, sobald sie die Massen ergreift, wurde eklatant vom Weltlauf auf den Kopf gestellt.“[10] Die Kulturindustrie hat allmählich die „bloße Fähigkeit, die Welt konkret anders sich vorzustellen“ gelähmt, da die autoritäre Charakterstruktur selbst zur repressiven Macht geworden ist.[11] Gegen Ende des Essays spricht Adorno in Anlehnung an Freud von der „frei flutenden Angst“, die sich aufgrund der „subjektiven Regression“ bildet, die wiederum die „Rückbildung des Systems“ begünstigt. Das Bewusstsein der Massen ist dem System immer identischer geworden, was dazu führt, dass sich letzteres wiederum den Menschen umso mehr entfremdet.[12]

Adorno hat sich nicht dagegen ausgesprochen, dass sich Menschen aufgrund politischer Zwecke organisieren, aber er wollte auf den „archimedischen Punkt“ aufmerksam machen, „wie eine nicht repressive Praxis möglich sei, wie man durch die Alternative von Spontanität und Organisation hindurchsteuern könne“. Dieser Punkt ist „wenn überhaupt, anders als theoretisch nicht aufzufinden“.[13] Seine Opposition lag in einem politischen Urteil begründet, das durch eine nüchterne Analyse der Situation informiert war. Er verdeutlichte dies in seiner Kontroverse mit Marcuse: „Du meinst, Praxis heute, im emphatischen Sinn, sei nicht versperrt; ich denke darüber anders.“[14] Diese Bedingungen in Betracht ziehend, glaubte Adorno, dass die Studentenbewegung von Anfang an zum Scheitern verurteilt sei. In den „Marginalien zu Theorie und Praxis“ notierte er, dass der Bau von Barrikaden lächerlei sei „gegen die, welche die Bombe verwalten“.[15] Eine Praxis, die sich ihre eigene Schwäche „im Verhältnis zur realen Macht, die sich kaum gekitzelt fühlt“ nicht eingestehen will, ist blind und regressiv, oder, im besten Fall, „Pseudo-Aktivität“.[16]

Adornos Kritik der Neuen Linken war ein ehrlicher Versuch, die Linke aus ihrer selbst-verleugnenden und selbst-täuschenden Verfassung aufzurütteln. Das problematische Vermächtnis der 1930er bedeutete, dass die Intention der marxistischen Theorie und Praxis zu einer verworrenen und undurchsichtigen Angelegenheit in den 1960ern wurde. Das Problem des gesellschaftlichen Bewusstseins tauchte in der Form einer „Ichschwäche“ auf, die sich weigert, „die eigene Ohnmacht zu reflektieren“.[17] Die politische „Radikalisierung“ der 1960er bedeutete eine weitergehende Regression, die auf der subjektiven Ebene die Möglichkeit einer progressiven Überschreitung des Kapitalismus vernebelte, obwohl diese objektiv immer noch möglich war. Die tiefgehende Ironie dieser Geschichte liegt darin begründet, dass es seit 1917 in dieser Hinsicht keinen Fortschritt gegeben hat und dass sich die Krise des Marxismus und des gesellschaftlichen Bewusstseins seitdem nur verschlimmert, nicht gelöst hat. In einem grundlegenden Sinne ist das Problem des Bewusstseins mit dem verknüpft, was Wilhelm Reich als die „Furcht vor der Freiheit“ identifiziert hat, die von einem konservativen Bewusstsein benötigt wird und mit seiner Symptomatik auf das Engste zusammenhängt. Das Symptom muss also angegangen und durchgearbeitet werden; dies bietet nicht nur die Gelegenheit für Selbsterkenntnis und Bildung, sondern schafft auch die subjektiven, psychologischen Vorbedingungen von Freiheit. |P


[1]. Adorno, „Marginalien zu Theorie und Praxis“ in: Gesammelte Schriften, Bd. 10/2, S.765
[2]. Brief von Theodor W. Adorno an Herbert Marcuse, Frankfurt, 19.Juni 1969 in: „Frankfurter Schule und Studentenbewegung - Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail 1946 bis 1995“ Bd.2 (Dokumente), hg. von Wolfgang Kraushaar, S.652
[3]. Stefan Müller-Doohm, Adorno: Eine Biografie, Suhrkamp 2003, S.692
[4]. Adorno, „Marginalien zu Theorie und Praxis“, a.a.O. S.774
[5]. Brief von Theodor W. Adorno an Herbert Marcuse, Frankfurt, 5.Mai 1969, a.a.O. S.624
[6]. Brief von Herbert Marcuse an Theodor W. Adorno, Frankfurt, 5.April 1969, a.a.O. S.602
[7]. Adorno, „Resignation“ in: Gesammelte Schriften, Bd. 10/2, S.797
[8]. „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?“ in: Gesammelte Schriften, Bd.8, 363
[9]. ebd. S.365
[10]. ebd. S.364
[11]. ebd.
[12]. ebd. S.369
[13]. Adorno, „Marginalien zu Theorie und Praxis“ a.a.O. S.777
[14]. Brief von Theodor W. Adorno an Herbert Marcuse, Frankfurt, 19. Juni 1969, a.a.O. S.652
[15]. Adorno, „Marginalien zu Theorie und Praxis“ a.a.O. S.771
[16]. ebd. S.773
[17]. ebd. S.776