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Was ist revolutionäre Intersektionalität?

Die Platypus Review #30 | März/April 2024

von Becca Linden

Der Marxismus ist tot. Aber es gibt einen Marxisten, der uns auch noch heute helfen kann, die Lage der Linken zu verstehen und das Projekt einer universalen Emanzipation fortzusetzen: Eduard Bernstein nämlich. Ob Bernstein überhaupt Marxist ist, ließe sich schon diskutieren. Er selbst hätte sich vermutlich so bezeichnet, die Menschen, die sich für seinen Ausschluss aus der SPD einsetzten, hätten damit vermutlich Schwierigkeiten gehabt. Bernstein war sich seines gespannten Verhältnisses zum Marxismus durchaus selbst bewusst. So griff er in seiner Auseinandersetzung mit Marx und Engels sehr häufig gerade die Aussagen heraus, die der klassischen Interpretation zuwiderlaufen. Etwa wenn er die Idee des historischen Materialismus von der Vorstellung einer alles bestimmenden Rolle der Produktivkräfte löst:

In seinen späteren Arbeiten hat Fr. Engels die bestimmende Kraft der Produktionsverhältnisse noch weiter eingeschränkt. Am meisten in zwei im Sozialistischen Akademiker vom Oktober 1895 abgedruckten Briefen, der eine davon im Jahre 1890, der andere im Jahre 1894 verfasst. Dort werden „Rechtsformen“, politische, juristische, philosophische Theorien, religiöse Anschauungen beziehungsweise Dogmen als Einflüsse aufgezählt, die auf den Verlauf der geschichtlichen Kämpfe einwirken und in vielen Fällen „vorwiegend deren Form bestimmen“. „Es sind also unzählige, einander durchkreuzende Kräfte“, heißt es, „eine unendliche Gruppe von Kräfteparallelogrammen, daraus eine Resultante – das geschichtliche Ereignis – hervorgeht, die selbst wieder als das Produkt einer, als Ganzes bewusstlos und willenlos wirkenden Macht angesehen werden kann. Denn was jeder einzelne will, wird von jedem anderen verhindert, und was herauskommt, ist etwas, was keiner gewollt hat.“ (Brief von 1890) „Die politische, rechtliche, philosophische, religiöse, literarische, künstlerische usw. Entwicklung beruht auf der ökonomischen. Aber sie alle reagieren aufeinander und auf die ökonomische Basis.“ (In einem Schreiben von 1894) Man wird gestehen, dass dies etwas anders klingt als die eingangs zitierte Stelle bei Marx.1

Es wäre merkwürdig zu behaupten, dass Zitate von Engels und Marx, die in einem widersprüchlichen Verhältnis zur Mehrheit ihrer Texte stehen, nicht rezipiert werden sollten. Man muss Bernstein darum vielmehr zugestehen, deren wissenschaftlichem Anspruch in seiner ergebnisoffenen Auseinandersetzung treuer geblieben zu sein, als diejenigen, welche versuchten, widersprüchliche Texte zu einem kohärenten System zusammenzustellen. Die Emphase auf die einander durchkreuzenden Kräften lässt sich als Vorwegnahme des heute geläufigen Begriffs der Intersektionalität verstehen. Die Bildsprache ist sich hier schon sehr nah. Zum Teil wird Intersektionalität heute allerdings primär über die Vermittlung verschiedenartiger Gruppenzugehörigkeiten bestimmt. Der durchaus noch heute anzutreffende Ansatz von den Institutionen, wie Rechtsformen oder politischen Theorien2 auszugehen, ist demgegenüber sogar überlegen. Bernstein nimmt in diesem Text also eine spezifische Interpretation von Intersektionalität vorweg, die einen sehr produktiven Ansatz bietet, sich bis heute aber nicht restlos durchgesetzt hat.

Auf der anderen Seite ist nicht auszuschließen, dass Bernstein gegen Luxemburg und Lenin im Unrecht war und dass der Weltkrieg die Chance auf eine Weltrevolution eröffnet hatte, die die Zerschlagung der bürgerlichen Staatsapparate hätte bewerkstelligen können. Auch damals ist das nicht gelungen, heute aber ist diese Perspektive vollends unmöglich geworden, sodass die Texte Bernsteins heute eine noch größere Relevanz haben als damals. Die Macht der Staatsapparate ist ins Unendliche gewachsen und selbst, wo sie überwunden wäre, entstünde bloß ein armseliger Sozialismus in einem Land, der isoliert vom Weltmarkt und der globalen Vertragsordnung zum schleichenden Untergang verdonnert wäre. Es stellt sich nun also die Frage, wie sich die universale Emanzipation bewerkstelligen lässt, ohne den Staat in einer finalen Krise umzuwerfen. Diese eschatologische Vorstellung einer finalen Krise sieht Bernstein als zentrales Motiv des Kommunistischen Manifests3 und als größtes Hindernis für die Überwindung von blanquistischen Ansätzen innerhalb des Marxismus an.4 Die These besagt in etwa: Der Kapitalismus ist auf Grund seiner widersprüchlichen und darum krisenhaften Struktur zum Untergang verurteilt und das Proletariat wird diesen revolutionären Untergang zum Ausgangspunkt seines Aufbaus des Sozialismus nehmen. Mit der Frage, wie sich revolutionärer Sozialismus ohne diese Vorstellung denken lässt, hat sich Bernstein durch sein Werk hindurch beschäftigt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass angesichts des Ausbleibens einer finalen Katastrophe bei gleichzeitiger Steigerung des Organisationsgrads und der gesellschaftlichen Macht des Proletariats, diejenigen Marxist*innen, welche an der Notwendigkeit einer Revolution im Kontext einer finalen Krise festhalten, reaktionär wirken müssen, da sie so gezwungen sind, die Steigerung des Organisationsgrads und der gesellschaftlichen Macht des Proletariats zu hemmen.5 Dieser Widerspruch drückt sich auch bei Leo Trotzki aus, wenn dieser dem Bürokratismus den Vitalismus der Illegalität und den Subjektivismus der reinen Partei entgegenhält.6 Trotzki kann den Konflikt nicht lösen, weil er der Objektivität der stalinistischen Herrschaft eine bloß subjektive Kritik durch die bolschewistische Partei entgegenhält. Wo eine solche Partei an die Macht kommt, muss sie zur Bürokratie degenerieren, weil sie keine inhaltliche Forderung hat, für kein soziales Recht steht, das gesellschaftlich gefordert ist und durch die Partei institutionalisiert wird. Die Machtübernahme müsse stattdessen in einer Art und Weise antizipiert werden, die mit der Steigerung der gesellschaftlichen Macht als Ausbau von Rechten vereinbar ist.

„Was ist Sozialismus?“, Vortrag Eduard Bernsteins, gehalten am 28. Dezember 1918 in Berlin

Mit der Vorstellung einer revolutionären Zusammenbruchskrise fällt auch das Konzept der Totalität. Es gibt so nicht mehr zwei Systeme, die vermittels einer Revolution ineinander übergehen, sondern verschiedene policies – oder deutsch: Reformen – die alle nebeneinander zur Emanzipation beitragen, ohne dass eine von ihnen die Emanzipation schlechthin wäre. Das Anstreben einer Revolution ist, von diesem Standpunkt her, nicht radikaler als die Durchsetzung weitreichender Reformen, sondern bloß die Form, welche politische Hoffnung in einer erstarrten, strukturell nicht reformfähigen Gesellschaft annimmt. Die Gesellschaft als Ganze wird aus dieser Perspektive niemals emanzipiert oder befreit sein, sondern jede Emanzipation oder Befreiung bleibt bloß fragmentarisch, so dass die Rede von Totalität ihren Sinn verliert. Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel begründet so betrachtet kein neues System, keine befreite Welt, sondern stellt eine rationale Reform unter anderen dar. Die Vorstellung der Gesellschaftssysteme als Totalitäten war aber auch schon vor der Einsicht illusionär, dass die Zusammenbruchskrise nicht mehr eintreten werde. Die bürgerliche Gesellschaft wurde niemals in einem strikten Sinne realisiert. Die Exekutivgewalten sind bis heute geprägt durch den Absolutismus des 18. Jahrhunderts und auch das Gerichtswesen enthält viele vorbürgerliche Elemente. Das Kapital als Phänomen wurde selbst teilweise als Widerspruch zur bürgerlichen Gesellschaft gesetzt.7 Daraus folgt aber nicht, dass der Marxismus diese Illusion der bürgerlichen Gesellschaft zu realisieren habe,8 sondern vielmehr, dass man die bürgerliche Gesellschaft als eine Abstraktion unter anderen zu betrachten hat, die verloren zu geben sinnvoll ist, wenn sie nur noch eine geringe Rolle in der Durchsetzung emanzipatorischer Reformen spielt. Wenn die Abstraktionen aber nicht mehr als beständige normative Grundlage dienen, benötigt es eine Alternative. In Foucaults Reinterpretation des marxschen Materialismus als Wissenschaft von den Machtverhältnissen9 und in Bernsteins These, dass Demokratie zugleich Mittel und Zweck der sozialistischen Bewegung sei,10 ist diese Alternative artikuliert. Während die Abstraktionen flüchtig und willkürlich sind, gruppieren sie sich als Ideologien, um einen Kern von Machtverhältnissen, der sich immer wieder in ähnlicher Form reproduziert. Die Dezentralisierung dieser Machtverhältnisse, also die Demokratisierung, eröffnet die Möglichkeit der Emanzipation. Wesentlich ist dabei nicht die Konfrontation des Feindes, sondern die Organisation von Macht an den Orten der Ohnmacht. Die Interpretation des Klassenkampfes als eines Prozesses von Kriegen, Siegen und Niederlagen war eine feudale Interpretation der sozialistischen Bewegung, die unter dem Niveau einer ökonomischen Betrachtungsweise bleibt. Eine solche Betrachtungsweise würde nichts als die statistische Verbesserung der durchschnittlichen Lebensverhältnisse und Mitwirkungsmöglichkeiten des gesamten Proletariats anstreben. Dies allein wäre aber auch bloß sozialliberaler Reformismus, weshalb die Rolle des Proletariats innerhalb der ökonomischen Betrachtungsweise nicht isoliert betrachtet werden sollte, sondern jede sich oppositionell artikulierende Identität in das Streben nach Emanzipation integriert werden muss. In manchen Fällen ist die Verbesserung der Verhältnisse des Proletariats, etwa des deutschen Proletariats allein, reaktionär. Dieses Problem war ein wesentlicher Faktor für das Scheitern der Revolutionen in Folge des ersten Weltkrieges: Weil die Institutionen des Proletariats überwiegend national organisiert waren, gab es keine Machtgrundlage für die konsequente Durchsetzung einer internationalistischen Strategie. Der Nationalismus wurde infolgedessen zur entscheidenden Schwachstelle der revolutionären Bewegung. Intersektionalität kritisiert die Entstehung solcher Schwachstellen schon in ihren Anfängen, insofern sie den dadurch bedingten Ausschluss bestimmter Gruppen reflektiert und ihre Institutionen gezielt so gestaltet, dass sie ihm entgegenwirken. Die Opposition gegen die nationale Tendenz in der sozialistischen Bewegung artikulierte sich historisch allerdings nicht von einem solchen Standpunkt der Intersektionalität her, sondern eben von einem konservativ marxistischen her, der Politik unter den Paradigmen von Krieg und Frieden dachte. Dieses feudale und voluntaristische Element im revolutionären Sozialismus war einer der Gründe warum sich die Schriften Lenins und Blanquis so gut für die Aneignung durch Faschist*innen wie Carl Schmitt,11 Georges Sorel12 oder Benito Mussolini13 eigneten. Die Vorstellung der kleinen, handlungsfähigen, revolutionären Zelle, die sich im Krisenfall an die Spitze einer desorganisierten Massenbewegung setzt, ist als politische Theorie vorbürgerlich, voraufklärerisch.

Ohne die Vorstellung der Zusammenbruchskrise lassen sich auch Bündnisse zwischen marginalisierten Gruppen konzipieren, die zuvor außer Acht gelassen wurden. Es ist kein Zufall, dass Bernstein als erster Sozialdemokrat eine durchdachte Kritik an homophoben Gesetzen artikulierte14 und eine Antisemitismus-Theorie verfasste,15 die das Niveau von antideutsch-marxistischen Antisemitismustheorien bis heute übersteigt.16 Während diese das Ende von Antisemitismus bloß entweder in einer postkapitalistischen Gesellschaft oder alternativ in einem jüdischen Nationalstaat vorstellen kann, erlaubt ein intersektionaler Zugang die Analyse der verschiedenen Motive antisemitischen Denkens und kann diese in Form einer intersektionalen Kritik bekämpfen, die sich zugleich auf gesellschaftliche Bewegungen und politische Reformen stützen kann. Wenn etwa deutsche Radikalfeminist*innen von einer Kabbala-Sekte fabulieren, die im Geheimen Kinder missbraucht17 und diese Fantasien zugleich an eine politische Bewegung zum Verbot von sogenannter Prostitution und Pornografie knüpfen, ist der effektive Weg ihrer Bekämpfung weder der Staat Israel noch die Fiktion einer Revolution, sondern die politische Organisation der Sex-Arbeiter*innen.

Heißt das nun aber, dass der Begriff der Revolution zu verwerfen ist? Bernstein zieht diese Schlussfolgerung. Sie führt allerdings in ein neues Problem: Dass nämlich dysfunktionale Institutionen dadurch überdauern können, dass sie ihre Ideologie in einem neuen Gewand reartikulieren. Ein typisches Beispiel dafür ist die radikalfeministische Erneuerung des kriminologischen Diskurses als Legitimierung der Polizei und Strafjustiz. Während also aus dem Ansatz der Intersektionalität zunächst folgt, dass die Vorstellung eines revolutionären Subjekts, einer endgültigen Krise, eines plötzlichen Systemwechsels usf. unproduktiv sind, muss noch immer eine Abgrenzung von dem gewahrt bleiben, was im klassischen Marxismus als Opportunismus kritisiert wurde. Die Bündnisse, welche im Kontext von Intersektionalität entstehen, sind also nicht offen für alles und jeden, sondern stellen die Voraussetzung dar, dass ein politischer Ansatz gewählt wird, der in der Lage ist, dysfunktionale Institutionen zu eliminieren, die sehr unterschiedliche Gruppen an Personen schädigen. Der Begriff der Revolution kann in diesem Sinne weiterhin verwendet werden, um eine Abgrenzung zu etatistischen Strategien zu markieren, die auf Integration und Assimilation setzen, statt Emanzipation anzustreben. Insofern die Isolation dysfunktionaler Institutionen und ihrer Ideolog*innen ein reaktionäres Lager schafft, kann dieser Ansatz der Revolution durchaus auch in den offenen Konflikt führen.

Während unter Voraussetzung eines starren Festhaltens an den beschriebenen Ideen des klassischen Marxismus Kritik nur als reaktionäres Ressentiment artikuliert werden kann, wird es, wie sich gezeigt hat, mit dieser veränderten Perspektive wieder möglich, die Linke18 aus sich selbst heraus zu kritisieren. Ein Beispiel dafür ist die Auseinandersetzung mit dem Feminismus. Einige Aspekte, wie das Bündnis mancher Feminist*innen mit der Polizei oder die Übernahme antisemitischer Verschwörungsmythen in diesem Kontext, wurden bereits angeschnitten. Der Feminismus ist darum aber nicht rein reaktionär. Vielmehr durchläuft er seit den 90er-Jahren einen Prozess der Spaltung. Auf der einen Seite gruppiert sich eine Fraktion, die sich für den partikularen staatlichen Schutz von Frauen als vulnerabler Gruppe einsetzt, partikulare Schutzräume und Safe Spaces schafft und Misogynie auf einer legalen Ebene zu bekämpfen versucht.19 Auf der anderen Seite steht eine libertäre und emanzipatorische Fraktion, die für ein Recht auf Selbstbestimmung eintritt und naturalisierte Vorstellungen von Leiblichkeit, Begehren und sozialer Bindung in Frage stellt.20 Während erstere zwar durchaus die Lebensbedingungen bestimmter cis weißer Frauen verbessert hat, wirkt sie heute wesentlich reaktionär, da die Verbesserungen bloß im Kontext erstarrter gesellschaftlicher Institutionen wie Polizei und Monopolkonzernen massenwirksam wurde und sich autoritär beispielsweise durch Zensur, Haft und Hetzkampagnen gegen marginalisierte Gruppen richtete. Männer wurden verfolgt, insofern sie kriminell sind, nicht in die Bewegung für eine emanzipierte Gesellschaft integriert, die Zuschreibungen wie „kriminell“ überflüssig werden ließe. Die gesellschaftliche Durchsetzung von Scheidungsrecht, Abtreibungsrecht, geschlechtlicher Selbstbestimmung und der Kampf für die Abschaffung der Eheprivilegien ist auf der anderen Seite geeignet, eine Emanzipation von Personen zu organisieren, die auf Grund ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität oder Zuschreibung marginalisiert werden. Die Konfrontation beider Fraktionen geht heute über einen inner-linken Konflikt hinaus. In Form von QAnon ist beispielsweise ein Verschwörungsmythos, der dem Radikalfeminismus der 80er-Jahre entspringt,21 zur Ideologie einer rechten Bewegung geworden, die in den USA eine neue Form von demokratischem Faschismus etablieren könnte – ähnlich im Übrigen, wie die NS-Rhetorik frühsozialistischen Antisemitismus zum Kern ihrer Bewegung machte und sich dafür den kleinbürgerlichen Populismus der christlich-sozialen Partei Luegers zum Vorbild nahm.22 In Großbritannien ist die aus dem Radikalfeminismus aufgenommenen Hetze gegen trans* Personen – neben einem rassistischen Chauvinismus – zur wichtigsten Quelle staatlicher Legitimität in Zeiten ökonomischer Krisen geworden. In diesen Konflikten sind produktive Formen politischer Praxis denkbar. Wie die Gewerkschaftsbewegung im Zweiten Deutschen Kaiserreich können heutige intersektionale Bewegungen die Selbstorganisation von Marginalisierten bewerkstelligen, die sich dadurch ihrer Marginalisierung entledigen können. Das Motto von Platypus lässt sich so wie folgt reformulieren: Nicht die Linke ist tot, bloß der Marxismus. |P

Becca Linden studiert Philosophie und Germanistik und ist vor allem in verschiedenen queeraktivistischen Initiativen aktiv.


1 Vgl. Eduard Bernstein: Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Stuttgart 1899, S. 4–14.

2 Dabei nicht zu verstehen als bloß subjektive Gedanken, sondern als intersubjektive Systeme, die durch Formen der Institutionalisierung und Restriktion stabilisiert werden.

3 Vgl. Bernstein: Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie, S. V–X.

4 Vgl. ebd., S. 27–36.

5 Vgl. ebd., S. V–X.

6 Vgl.: Leo Trotzki: Bolschewismus und Stalinismus, 1937. Online abrufbar unter: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1937/08/bolstal.htm.

7 Vgl. etwa: Karl Marx: „Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie“, in: Marx-Engels-Werke (Bd. 42), Hrsg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1968, S. 601.

8 Wie beispielsweise von Adorno gefordert. Vgl.: Theodor W. Adorno: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit. Frankfurt am Main 1966, S. 211–294.

9 Vgl. etwa Michel Foucault: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt am Main 1975 und Joseph Rouse: „Power/Knowledge“, in: The Cambridge Companion to Foucault,
Cambridge 2005, S. 95–122.

Foucault konfrontiert sein Werk in der Regel nicht direkt mit marxistischen Ansätzen, so dass die These, es handele sich bei seiner Theorie von Macht um eine Reformulierung des marxschen Materialismus, meine Interpretation ist und nicht ohne Weiteres durch Zitate belegt werden kann (zumindest durch keine, die mir bekannt sind).

10 Vgl. Bernstein: Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie, S. 128 ff.

11 Vgl. etwa: Carl Schmitt: Die geistesgeschichtliche Lage des Parlamentarismus. Berlin 1926, S. 74–77.

12 Vgl. etwa Georges Sorel: Über die Gewalt. Berlin 1969.

13 Vgl. etwa Benito Mussolini: Der Geist des Faschismus. München 1943.

14 Vgl. Eduard Bernstein: „Die Beurtheilung des widernormalen Geschlechtsverkehrs“, Die Neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens, Nr. 34 (Jg. 13, 1895), S. 228–233.

15 Vgl. etwa: Eduard Bernstein: „Das Schlagwort und der Antisemitismus“, Die Neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens, Nr. 35 (Jg. 11, 1893), S. 228–237.

16 Vgl. für antideutsche Antisemitismustheorie vor allem: Moishe Postone: „Antisemitismus und Nationalsozialismus“, in: Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz, Frankfurt am Main 1988, S. 242–254.

17 Vgl. Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs: Sexueller Kindesmissbrauch in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen, Berlin 2021, S. 25.

18 Unter „die Linke“ verstehe ich dabei die Kräfte, die auf universale Emanzipation hinarbeiten, die Lage des Einzelnen also verbessern wollen, indem sie die Lage aller verbessern. Als konservativ oder reaktionär verstehe ich diejenigen Kräfte, die dysfunktionale Institutionen verteidigen, insofern sie einen privaten Nutzen aus diesen ziehen oder ideologisch an diese gebunden sind und Narrative wie universale Emanzipation nur für solche Zwecke missbrauchen. Im Versuch der Reform können linke Kräfte allerdings schnell an bestehende Institutionen gebunden werden und dadurch einen konservativen Charakter erlangen. Innerlinke Kritik ist die Gegenbewegung dazu.

19 Darunter fasse ich: Alice Schwarzer, Catherine MacKinnon, Andrea Dworkin, Judith Lewis Herman usf.

20 Zu dieser Gruppe zählen: Judith Butler, Angela Davis, Gayle Rubin, Eve Kosofsky-Sedgwick usf.

21 Vgl. etwa Judith Lewis Herman: Father-Daughter-Incest. Harvard 2000, S. 219–242.

22 Vgl. etwa Adolf Hitler: Mein Kampf (Bd. 1). München 2022, S. 233–370. Online abrufbar unter: https://www.mein-kampf-edition.de/.