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Was Musk und Trump noch verbindet

Platypus Review Ausgabe #37 | November/Dezember 2025

von Chris Cutrone

Steve Bannon1 beschreibt die MAGA-Agenda der Präsidentschaft Trumps anhand von drei Grundsätzen: regulierter Handel, begrenzte Einwanderung und keine ewigen Kriege mehr. All das soll den nationalen Interessen und der Demokratie der USA dienen. Natürlich sind das Bannons Prioritäten und nicht unbedingt die von Trump selbst. Die drei Komponenten der Trump-Koalition für seine Wahl zur zweiten Amtszeit waren nach Bannon: die traditionelle Republikanische Partei, die „Broligarchen“ aus dem Silicon Valley und dem Risikokapitalbereich sowie die „wahren MAGA-Anhänger“. Für diese sieht er drei Bedrohungen: das alte politische Establishment, die Wall Street und die permanente Bürokratie des Deep States. 

Bannon hob Elon Musk als besondere Bedrohung hervor. Bannon, der nur kurz in Trumps erster Regierung tätig war, hat in der zweiten keine offizielle Position inne und ist weitgehend darauf beschränkt, von der Seitenlinie aus zu beraten. Musk hingegen war ständig an Trumps Seite. Man sollte nicht zu viel in die Personen hineininterpretieren, die Trump zufällig umgeben. Die Ziele der verschiedenen Trump-Anhänger sind für Trump lediglich Mittel zum Zweck und darüber hinaus entbehrlich. Sie können in Verhandlungen über die Verfolgung höherer Ziele geopfert werden. 

Trumps Methode lässt sich auch in seinen internationalen Beziehungen und seiner Außenpolitik beobachten. Betrachtet man die jüngsten Ereignisse, so hat Benjamin Netanjahu versucht, Trump zu instrumentalisieren, doch dieser hat sich dem konsequent widersetzt und den Spieß umgedreht, indem er sich Israels Angriff auf den Iran angeschlossen hat – mit dem Netanjahu Trump davon abhalten wollte, mit der Islamischen Republik zu verhandeln. Trump hat sich jedoch in den „12-tägigen Krieg“ Israels eingeschaltet, um ihn zu beenden – er nutzte das Bombardement Israels, um die Verhandlungen mit dem Iran neu aufzunehmen. 

Letztendlich sind Trumps Ziele dieselben wie die der US-Politik im Allgemeinen: die Aufrechterhaltung der Pax Americana und der Führungsrolle in globalen Angelegenheiten, für die buchstäblich jeder ein potenzieller Kooperationspartner und politischer Verbündeter ist. Denn alle Länder und in der Tat alle Menschen sind vom Kapitalismus abhängig, in dem Amerika eine vorherrschende und zentrale Rolle gespielt hat und weiterhin spielt – niemand kann oder will die USA ersetzen. MAGA war von Beginn an eine Frage, die die ganze Welt angeht: Trump kann aufrichtig und zu Recht behaupten, dass er nicht nur Amerika, sondern jedes Land der Welt „great again” machen will. Es liegt im Interesse Amerikas, dass alle prosperieren. Die Frage ist nur, mit welchen Mitteln dies erreicht werden soll. 

Kurz vor dem Republikanischen Parteitag 2024 identifizierte Vivek Ramaswamy2 zwei konkurrierende Fraktionen unter den MAGA-Anhängern von Trump: Libertäre und Protektionisten; diejenigen, die den Deep State zerschlagen wollten, und diejenigen, die ihn nutzen wollten, um ihre eigene Agenda voranzutreiben. Ramaswamy stellte diese Spaltung als eine zwischen ihm und JD Vance dar – trotz ihrer langjährigen Freundschaft, die bis in ihre frühen Studienzeiten zurückreicht. Darüber hinaus betonte Ramaswamy, dass es bei diesen Differenzen nicht wirklich um Ziele oder Prinzipien ging, sondern lediglich um alternative Mittel zum Erreichen der gemeinsamen Ziele von MAGA. 

Elon Musk scheint gut in die libertäre „Broligarch”-Fraktion der MAGA-Koalition zu passen. Er und Ramaswamy wurden gemeinsam mit der Leitung des DOGE, dem Department of Government Efficiency (Ministerium für Regierungseffizienz), betraut, wobei eine Arbeitsteilung zwischen Viveks Zielen (erheblicher Abbau von Regierungsangestellten) und Elons Methoden (basierend auf seinen Erfahrungen in der Leitung seiner Unternehmen und den zuletzt drastischen Kürzungen beim Personal von Twitter) vereinbart wurde. Ramaswamy verließ DOGE jedoch vor Trumps Amtseinführung, angeblich um 2026 für das Amt des Gouverneurs von Ohio zu kandidieren. Damit blieb Musk allein für die Leitung der Initiative verantwortlich. Waren seine Ziele dieselben? 

DOGE war kontrovers, nicht zuletzt innerhalb der Trump-Regierung selbst. Musk soll sich mit zwei prominenten Kabinettsmitgliedern gestritten haben: Außenminister Marco Rubio3 und Finanzminister Scott Bessent.4 Schließlich waren es Uneinigkeiten mit Bessent, die zu Elons Rücktritt führten, der zeitlich mit dem Ende seiner befristeten Tätigkeit als Regierungsangestellter von 180 Tagen abgestimmt wurde. Sowohl Rubio als auch Bessent lehnten Musks Einmischung mit DOGE in gewisse Teile ihrer Einflussbereiche ab. Rubio beanstandete den Verlust der Kontrolle über USAID,5 während Bessent darauf bestand, seinen eigenen Leiter der IRS6 ernennen zu dürfen. (Hierfür ist bezeichnend, dass Musk mit seiner DOGE-Initiative „Verschwendung, Betrug und Missbrauch” bekämpfen wollte, während Bessent hingegen die „Steuereintreibung” an dritter Stelle seiner Prioritäten für die Leitung der IRS aufführte, hinter „Datenschutz” und „Kundenservice”, was auf eine gewisse Nachlässigkeit hinsichtlich der Haushaltslage bei der Durchsetzung der Finanzdisziplin im amerikanischen Kapitalismus hindeutet und darauf, dass er bewusst ein Auge zudrückt, wenn es um Steuerhinterzieher geht.) Rubio ist ein potenzieller Rivale von Vance um die Nachfolge als Präsident; Bessent ist der führende Mann und PR-Vertreter von Trumps Gesamtwirtschaftsplan zur Umstrukturierung der amerikanischen und globalen Wirtschaft durch die Neuverhandlung von Handelsbeziehungen. Dieser Plan umfasst die Verwendung von Zöllen und die Neubewertung des US-Dollars als globale Reserve- und gemeinsame Handelswährung. 

Dennoch spielte Elon Musk schon bald nach seinem Beitritt zu Trumps Wahlkampfteam für 2024 eine herausragende Rolle, sowohl in der Endphase von Trumps Wahlkampf als auch nach November bei der Planung und Umsetzung der Übergangsphase hin zu Trumps Amtsantritt. Musks Aufgaben waren vielfältig und umfassten unter anderem die Rolle als Trumps Gesandter, um kurz nach der Wahl Verhandlungen mit Vertretern der Islamischen Republik Iran aufzunehmen. 

Wer ist dieser Mann und wie hat er diese politische Position erreicht? 

Elon Musk ist der reichste Mann der Welt und leitet mehrere namhafte Unternehmen, darunter Tesla, SpaceX, Starlink, The Boring Company und Neuralink. Er wird oft mit Henry Ford verglichen, dessen erschwingliche Autos den Konsum und die Suburbanisierung sowie höhere Löhne und einen besseren Lebensstandard förderten. Es gab eine Verbindung zwischen Kapitalismus und Philanthropie, die wohlgemerkt eine Transformation der Menschheit in der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts mit sich brachte. Bietet Musk dasselbe für das 21. Jahrhundert, erweitert auf interplanetarische Dimensionen, mit seinem angepriesenen Ziel, den Mars zu kolonisieren? Fords Einstieg in die Politik war zumindest weniger glanzvoll und stand im Zusammenhang mit dem Aufstieg des Faschismus. Die Erinnerung an die Veränderungen des Kapitalismus im 20. Jahrhundert verfolgt die Gegenwart noch immer – insbesondere in der Krise des Neoliberalismus, der eigentlich das „Ende der Geschichte” sein sollte und nun alle alten Geister (einschließlich des Gespenstes des Marxismus) wieder auferweckt. 

Musk stieg durch seine aggressive Übernahme von Twitter in die Politik ein, für die er einen exorbitanten Betrag zahlte, um sich die Kontrolle über die Plattform zu sichern – Kritiker warfen ihm vor, sie dadurch praktisch an Neonazis auszuliefern. Als Grund für sein Handeln gab er an, die Zensur in dem Social-Media-Unternehmen beenden zu wollen, insbesondere die von der US-Regierung initiierte. Zu diesem Zweck öffnete er die internen Unterlagen des Unternehmens für eine ausgewählte Gruppe von Journalisten, darunter Matt Taibbi, Michael Shellenberger, Bari Weiss und Lee Fang, die ihre Einblicke in den Twitter Files veröffentlichten und damit eine große Enthüllungsgeschichte über verdeckte Einflussnahme verfassten, unter anderem durch private Unternehmen, die als Vermittler für US-Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden fungierten, angeblich um gefährliche „Desinformation” zu bekämpfen. Zwei Hauptthemen waren COVID und der Krieg in der Ukraine. Die Zensur sozialer Medien durch die USA beschränkte sich nicht nur auf Twitter, sondern fand auf allen digitalen Plattformen statt. Musk beendete nicht nur die Zusammenarbeit mit der Regierung, sondern lockerte auch die freiwilligen internen Beschränkungen des Unternehmens in Bezug auf Inhalte. Eine seiner ersten Maßnahmen war die Aufhebung der Sperre für Trump, die die Plattform nach den Unruhen von Trump-Anhängern im US-Kapitol am 6. Januar 2021 gegen ihn verhängt hatte.

Musks politische Bemühungen beschränkten sich nicht nur auf die Übernahme von Twitter. Er drohte auch der ukrainischen Regierung mit der Verweigerung der Nutzung seiner Starlink-Satelliten in ihrem von den USA unterstützten Krieg gegen die russische Invasion und Annexion.

Es wurde behauptet, dass Musks politischer Wechsel weg von der Demokratischen Partei und hin zu Trump darauf zurückzuführen sei, dass sein ältestes Kind sich als trans outete – und so Elon persönlich durch die Kulturkriege der Biden-Präsidentschaft motiviert wurde. (Auch wurde Musk persönlich von der Biden-Regierung brüskiert, indem er medienwirksam nicht zu ihrem Gipfeltreffen der Elektroautohersteller im Weißen Haus eingeladen wurde.) Aber er war nicht der einzige große Kapitalist, der 2024 zu Trump wechselte – wie die Anwesenheit aller großen Big-Tech-Gründer und CEOs bei Trumps zweiter Amtseinführung zeigte. (Dies war bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass genau dieselben Personen sich 2020 gegen Trumps Wiederwahl eingesetzt hatten.) 

Aber warum hat sich Musk nun gegen Trump gewandt und seine eigene „America Party“ angekündigt? War es lediglich ein Kampf der Egos – sei es mit Trump selbst oder seinen anderen Anhängern und Beratern? War es, wie die Trump-Administration andeutete, auf die Streichung von Steuererleichterungen für Elektrofahrzeuge wie die von Tesla zurückzuführen? War es die Ablehnung von Musks Kandidaten für die Leitung der NASA? War es ein Interessenkonflikt?

Wie bei Trump stellt sich auch hier die Frage, was Musk selber denkt – seine eigene politische Vision im Gegensatz zu seinen besonderen Interessen als wohlhabender, heterosexueller, weißer, nichtjüdischer amerikanischer Mann. Musk ist berüchtigt dafür, dass er sich vor allem mit dem drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch durch sinkende Geburtenraten und einer damit verbundenen Fiskalklippe durch unhaltbare Staatsausgaben beschäftigt. Weiter entfernt liegen die Gefahren eines Atomkrieges (diese Angst teilt er mit Trump und beschäftigt sich daher wie Trump mit dem Problem der Verbreitung von Atomwaffen) sowie von durch Menschen verursachten Epidemien und anderen Naturkatastrophen. Vor seiner Loyalität zu Trump war Musk ein prominenter „grüner Kapitalist”, der sich mit der Gefahr des vom Menschen verursachten Klimawandels beschäftigte.

Tatsächlich können Musks Unternehmungen als primär von solchen allgemeinen gesellschaftlichen Anliegen motiviert betrachtet werden und sind daher von Natur aus politisch: Tesla fördert Energieeffizienz und reduziert so den „CO2-Fußabdruck“ des Individualtransports; die Boring Company lindert Verkehrsstaus und das Problem der „Asphalt- und Betonwüsten“ in großen Städten; Neuralink überwindet die Grenzen des Körpers; und schließlich macht SpaceX die Menschheit zu einer „multi-planetaren Spezies“, die weniger anfällig für Selbstzerstörung ist. Diese letztgenannte Vision hat einen speziellen politischen Charakter und ist im Wesentlichen liberaler Natur: der Wunsch nach politischem Liberalismus, der die menschliche Selbstbestimmung durch ihre Vielfalt bewahrt. Auf diese Weise verfolgen Musks Unternehmen auf einer Makroebene dasselbe wie das, was er auf einer Mikroebene durch sein „libertäres“ Eintreten für die Werte persönlicher Autonomie anstrebt.

Trump hat Elon ein Genie genannt, und dies geht über sein unternehmerisches Geschick hinaus: nicht nur seine Erfindungsgabe, sondern auch seine organisatorischen Leistungen beim Führen und Aufbau seiner Unternehmen, womit er die Fähigkeit demonstriert, seine Visionen in großem Stil zu verwirklichen.

In ihrem Zerwürfnis wies Trump auf die Rolle von Regierungsaufträgen und anderen Subventionen für Musks Erfolg hin. War dies eine Variante von Obamas Aussage gegenüber Unternehmens-CEOs, dass sie ihre Unternehmen nicht allein aufgebaut hätten, sondern auf Arbeitnehmer und andere Beteiligte, insbesondere die Regierung, für ihren geschäftlichen Erfolg angewiesen seien?

In der Ära der Finanzkrise 2008 und der daraus resultierenden Großen Rezession (ebenfalls zeitgleich mit der Citizens United-Entscheidung, die das Prinzip der „Unternehmensbürgerschaft“ bestätigte) gab es öffentliche Diskussionen über den „soziopathischen“ und sogar „psychotischen“ Charakter von kapitalistischen Unternehmen, die möglicherweise diese psychologischen Merkmale in ihrem Führungspersonal begünstigen, ein Argument, das bereits im Film American Psycho (2000) entwickelt wurde.

Steve Bannon sieht in der Kapitalistenklasse eine besondere Bedrohung für die Demokratie, die aus den individuell und kollektiv beschränkten Interessen ihrer Mitglieder in ihrer gesellschaftlichen Rolle und Aktivität bei der Verfolgung von Profit resultiert. Er sagte (in einer Rede im Vatikan), dass er mit Karl Marx darin übereinstimmt, dass der Kapitalismus destruktiv ist, da er „alles zur Ware macht“ und alle menschlichen Beziehungen auf einen Geldbetrag reduziert. Er hat auch gesagt, dass „Lenin recht hatte“, dass „die Macht auf der Straße liegt“. Während er die kreative Produktivität des kapitalistischen Unternehmertums respektiert, glaubt er, dass sie aktiv dem Gemeinwohl untergeordnet werden muss. Diese Vision würde bedeuten, dass Musk im politischen Bereich seinen Willen nicht durchsetzen dürfe.

Wie Bannon sah auch Musk in Trump ein Mittel, um seine Visionen umzusetzen. Allerdings hat Trump sie für seine politischen Ambitionen eingespannt und ließ nicht zu, dass sie ihn benutzten: Wie er über Bannon sagte, als er dessen angebliche Rolle als Chefstratege bestritt: „Ich bin mein eigener Stratege.“ Wie Lenin sagte, geht es in der Politik immer um die Frage „Wer – wen?“ – wer benutzt wen?

Der Unterschied zwischen einer einzigartigen Vision und Narzissmus kann schwer zu erkennen sein. Es könnte auch eine Unterscheidung zwischen obsessivem Fokus und antisozialem Verhalten geben. Der amerikanische Sozialist Eugene Debs nannte Theodore Roosevelts Vision von „progressiver“ kapitalistischer Reform „psychotisch“ – und vollzog damit die übliche Vermischung von persönlichem und politischem Charakter in der öffentlichen Rhetorik. Doch die Rolle von Individuen im politischen Leben lässt sich nicht auf soziologische oder andere Stereotypen reduzieren. Die Beiträge der Akteure sind einzigartig: sowohl Musk als auch Trump veranschaulichen das auf frustrierende Weise. Beide haben ihre eigene Version der Geschichte aus Frank Capras Film Mr. Smith Goes to Washington von 1939.7 Das Phänomen des „Bürgers Musk“ sowie des „Bürgers Trump“8 ist zum Problem unserer Zeit geworden. Was ist das Verhältnis und was eine mögliche Lösung zwischen „Populismus“ und „Oligarchie“ in der amerikanischen kapitalistischen Demokratie?

Elon Musk moderierte die Muttertagsfolge von Saturday Night Live im Jahr 2021 – seine Mutter Maye Musk trat ebenfalls auf. Er outete sich als „neurodivergent“ und erklärte seinen psychologischen Zustand, das Asperger-Syndrom: „Ich laufe im ‚Mensch‘-Emulationsmodus.“ Dies wurde von den mit der Demokratischen Partei verbundenen Intellektuellen gefeiert, erschien später jedoch in einem anderen Licht. In einem Interview mit Tucker Carlson äußerte Musk seine Vorsicht bezüglich KI, indem er seine Sichtweise mit anderen Entwicklern verglich, die er als unzureichend besorgt über die Auswirkungen auf die Menschheit empfand: „Ich bin ein Mensch und sollte mich daher um Humanität sorgen.“ Die Logik dieser Aussage ist seltsam steif. Aber sie spiegelt gut die Instrumentalisierung der Menschheit im Kapitalismus wider.

Die Affinität zwischen Musk und Trump lag in ihrer charmanten, aber auch potenziell erschreckenden Naivität in Bezug auf Politik und ihre Auswirkungen. Darauf basierte ihre Allianz, ebenso wie deren Auflösung. Trumps Übernahme der Republikanischen Partei war eine Frage der Bequemlichkeit; er wählte sie einfach, weil sie leichter zu übernehmen war als die Demokratische Partei. Trumps Wählerschaft umfasst viele ehemalige Demokraten, und seine zweite Regierung beinhaltete prominente Ex-Demokraten wie Musk. Bei seinem Bruch mit Trump über das „Big Beautiful Bill“ hat Musk eine neue „America Party“ vorgeschlagen, um die wahren Interessen des Landes zu vertreten. Dies scheint die Grenzen des unternehmerischen Ansatzes in der Politik aufzuzeigen, der sie rein instrumentell behandelt. Doch es bleibt die Frage, welche Ziele Musk durch Politik vorantreiben will. Denn nicht nur die Methode, sondern auch die Ziele kapitalistischer Politik sind kapitalistisch. Das wirft die Frage danach auf, was die Mittel und Ziele des Kapitalismus wirklich sind. Emile Durkheim sagte, dass wir die Gesellschaft fälschlicherweise als Mittel zur Förderung der Menschheit als natürliche Spezies betrachten und mit einer Gesellschaft verwechseln, die vielmehr die natürliche Spezies der Menschheit nutzt, um sich selbst zu bewahren. Doch was wären dann die tatsächlichen Ziele der Gesellschaft?

Obwohl sowohl Trump als auch Musk als die perfekten Instrumente des Kapitalismus erscheinen, betrachten beide den Kapitalismus lediglich als Mittel für ihre eigenen Zwecke – insbesondere politisch. Kann der Kapitalismus nur als Mittel und nicht als Zweck der Menschheit funktionieren, oder kann die Menschheit nur Mittel für den Kapitalismus sein? |P

Der vorliegende Text erschien am 08. Juli 2025 in Compact Magazine und wurde von Johannes K. ins Deutsche übersetzt sowie durch Endnoten ergänzt.


1. Stephen K. Bannon war Trumps Chefstratege im Weißen Haus und zuvor Chef von Breitbart News. Der ehemalige Investmentbanker und Filmemacher gilt als Architekt von Trumps populistischer “America First”-Agenda und als Verfechter eines wirtschaftlichen Nationalismus.

2. Vivek Ramaswamy ist ein amerikanischer Unternehmer, Autor und Politiker. Der 1985 geborene Biotech-Milliardär kandidierte 2024 für die republikanische Präsidentschaftsnomination, bevor er seine Kampagne beendete und Trump unterstützte.

3. Marco Rubio ist US-Senator aus Florida seit 2011 und wurde von Trump zu seinem Außenminister ernannt. Der Sohn kubanischer Einwanderer kandidierte 2016 selbst für die republikanische Präsidentschaftsnomination und war ein scharfer Trump-Kritiker, bevor er sich mit ihm aussöhnte.

4. Scott Bessent ist Hedge-Fonds-Manager und wurde von Trump zum Finanzminister ernannt. Der ehemalige Chief Investment Officer von George Soros‘ Soros Fund Management vertritt Trumps wirtschaftspolitische Agenda, einschließlich der Verwendung von Zöllen als Verhandlungsinstrument.

5. United States Agency for International Development (USAID) ist die Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit, gegründet 1961. Sie verwaltet den Großteil der amerikanischen Auslandshilfe und Entwicklungsprogramme weltweit.

6. Der Internal Revenie Service (IRS) ist die US-Steuerbehörde, zuständig für die Erhebung von Bundessteuern und die Durchsetzung des Steuerrechts.

7. In Frank Capras Film Mr. Smith Goes to Washington (1939) kommt ein idealistischer Bürger als Senator nach Washington und kämpft gegen ein korruptes politisches Establishment. Der Film zeigt den archetypischen „Außenseiter“, der vorgibt, die Interessen des einfachen Volkes gegen die Eliten zu vertreten.

8. Die Bezeichnungen „Bürger Musk“ (orig.: Citizen Musk) und „Bürger Trump“ (orig.: Citizen Trump) spielen auf Orson Welles‘ Film Citizen Kane (1941) an, der die Geschichte des Medienmoguls Charles Foster Kane erzählt. Kane beginnt als idealistischer Zeitungsverleger, der vorgibt, für das einfache Volk zu sprechen, entwickelt sich aber zu einem egomanischen Oligarchen, der seine Macht für persönliche Zwecke missbraucht.